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persönlich 01/02 Januar/Februar 2019

KS/CS Kommunikation Schweiz: «Der Generalsekretär soll ein Leader und Brückenbauer sein»

Seit bald zehn Jahren ist Ständerat Filippo Lombardi als Präsident von KS/CS Kommunikation Schweiz der oberste Werber der Nation. Über Hochs und Tiefs, die Zusammenarbeit mit neuen Bundesrätinnen, die Lobbyingarbeit im Parlament, den Kampf gegen Windmühlen und den neuen Generalsekretär des Dachverbandes.

Interview: Thomas Meier Bild: Marc Wetli

 

Herr Lombardi, seit 1. Januar 2019 sitzt die SP am Ruder des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Was bedeutet das im Hinblick auf den Service public oder das Gesetz über elektronische Medien?
Zumindest zu Beginn der Amtszeit von Simonetta Sommaruga erwarte ich keine allzu grossen Richtungsänderungen. Nur schon, weil ein Departement einem «Supertanker» gleicht, der keine schnellen Manöver zulässt. Mittelfristig gehe ich jedoch von einer grösseren Aufmerksamkeit für den Service public aus. Die SP plädiert für eine breite Anerkennung aller Medien. Wie sich das auf die Diskussion um das geplante Gesetz über elektronische Medien auswirkt, wird sich zeigen müssen. Stand heute ist erst Ende des Jahres mit der Auswertung der zumeist kritischen Vernehmlassungsantworten zu rechnen.

Sie kennen Bundesrätin Simonetta Sommaruga gut. Wie steht die neue UVEK-Vorsteherin Ihrer Erfahrung nach zur Kommunikationswirtschaft?
Ja, ich schätze Frau Sommaruga schon seit Langem und habe mit ihr in verschiedenen Kommissionen sehr gut zusammengearbeitet. Ich glaube nicht, dass sie grundsätzlich etwas gegen die Werbung hat. Als ehemalige Geschäftsführerin und Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz wird sie wohl vermehrt die Sicht der Konsumenten einbringen. Es wird unsere Aufgabe sein, ihr auzufzeigen, dass die kommerzielle Kommunikation ebenfalls im Dienst der Konsumenten steht.

«Ja, ich schätze Frau Sommaruga schon seit Langem. Ich glaube nicht, dass sie grundsätzlich etwas gegen Werbung hat.»


Bislang hatten Sie als Fraktionspräsident der CVP einen direkten Draht zur UVEK-Chefin Doris Leuthard. Wie sieht das in Zukunft aus?
Auch wenn ich stets eine sehr freundschaftliche Beziehung mit Frau Leuthard pflegte, hiess das noch lange nicht, dass wir deswegen stets in allen Punkten übereingestimmt haben. Sie war sehr eigenwillig und liess sich nicht überreden, wenn sie einmal eine Meinung gefasst hatte. Da ich, wie gesagt, Simonetta Sommaruga ebenfalls sehr schätze, gehe ich davon aus, dass die Zusammenarbeit mit ihr genauso gut klappen wird.

KS/CS Kommunikation Schweiz sucht auf dieses Jahr hin eine Generalsekretärin oder einen Generalsekretär. Hat das etwas miteinander zu tun?
Die neue Stelle hat vor allem mit den heutigen Herausforderungen der Medien wie der Kommunikationswirtschaft zu tun. Wenn wir unsere Aufgabe als Dachorganisation der gesamten Branche in diesen schwierigen Zeiten wahrnehmen wollen, müssen wir intensivere eine Klammerfunktion für alle Marktteilnehmer ausüben. Dazu braucht es nicht zuletzt verstärkte politische Anstrengungen zugunsten von Werbung und Medien sowie eine stärkere Präsenz in der Öffentlichkeit.

Welche Überlegungen stehen hinter dem neuen Jobprofil, das es bislang bei KS/CS noch nie gegeben hat?
Der Generalsekretär soll ein Leader und Brückenbauer sein für die gesamte Branche. Er soll zudem dazu beitragen, die Raison d’Être von KS/CS Kommunikation Schweiz besser verständlich zu machen, die Sichtbarkeit des Dachverbands zu verbessern und ihn klarer gegenüber den Partikularverbänden zu positionieren.

Ein anderes Thema: Sie sind seit bald zehn Jahren Präsident von KS/CS und damit oberster Werber der Nation: Haben Sie Ihre damaligen Ziele erreicht?
Grundsätzlich ja. Allerdings hat sich die Kommunikations- und Medienlandschaft in dieser Zeit enorm verändert. Das verlangt, dass wir unsere Ziele immer wieder neu justieren. In den letzten zehn Jahren haben wir jedoch mit Sicherheit mehr Punkte gewonnen als verloren.

Welches waren Ihre grössten Erfolge?
Dazu zählen sicherlich die Integration aller Sprachregionen, in den Dachverband, eine effizientere Organisation unseres Verbandes und die breitere Abstützung in der Kommunikationswirtschaft. Abgesehen davon haben wir auf politischer Ebene verschiedene Erfolge feiern können. So zum Beispiel die Rückweisung des Präventionsgesetzes, das viele Werbeeinschränkungen zur Folge gehabt hätte, die Vermeidung von Werbeverboten für Bier und Wein in den elektronischen Medien oder die Branchenlösung im Konsumkreditgesetz (KKG). Nicht zu vergessen die Aufwertung der Schweizerischen Lauterkeitskommission (SLK) als allseitig anerkannte Selbstregulierung der Kommunikationswirtschaft, die jetzt im KKG als Kontrollinstanz fungiert.

... und welches Ihre grössten Enttäuschungen?
Trotz langjähriger intensiver Bemühungen konnten wir leider noch keine befriedigende Lösung für die Finanzierung der SLK finden. Angesichts ihrer Bedeutung für die gesamte Kommunikationswirtschaft ist für mich unverständlich, dass hier nicht alle Branchenplayer am gleichen Strick ziehen. Enttäuschend ist ausserdem, dass unser Einsatz für die Werbung in den Medien auf so wenig Resonanz stösst, obwohl diese vom Gedeihen der Werbewirtschaft ganz direkt betroffen sind. Zudem können wir die Zusammenarbeit mit einzelnen Spartenverbänden sicherlich noch verbessern.

Der Kampf gegen Werbeverbote gleicht manchmal dem Kampf gegen Windmühlen. Wie können Sie sich immer wieder dafür motivieren?
Die Politik ist generell ein Kampf gegen immer wieder neue Windmühlen. Mich für eine liberale Gesellschaft einzusetzen, die ihre Bürger nicht bevormundet, gehört zu meinem politischen Credo. Deshalb bin ich nach wie vor motiviert, gegen unnötige Werbeverbote anzukämpfen, die oftmals weit über das Ziel hinausschiessen. Immer nach dem Credo: Was man frei erwerben kann, soll man auch frei bewerben können.

Seit 2010 versucht die parlamentarische Gruppe Medien und Kommunikation, die Sie zusammen mit Natalie Rickli und Matthias Aebischer präsidieren, Politiker und Behörden für die Anliegen der Branche zu sensibilisieren. Ihr Fazit?
Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnten wir in Zusammenarbeit mit dem Verband Schweizer Medien mit unseren Lunchveranstaltungen sicherlich ein besseres Verständnis für unsere Anliegen bei zahlreichen Politikern und in den Departementen bewirken. Da alle vier Jahre rund ein Drittel aller Parlamentarier neu gewählt wird, geht uns die Arbeit diesbezüglich nicht aus.

Welches sind aus Ihrer Warte die grössten Herausforderungen im laufenden Jahr?
Zuvorderst steht für mich das bereits erwähnte Bestreben, KS/CS verstärkt zu einem echten Dachverband und einer Austauschplattform für die gesamte Branche zu machen. Beschäftigen werden uns auch das Tabakproduktegesetz und die drohenden Initiativen für ein komplettes Tabakwerbeverbot. Wir wollen diesbezüglich vermehrt klarmachen, dass unsere Bürger durch Information, Aufklärung und Prävention besser geschützt werden als durch Verbote.

«Deshalb in ich nach wie vor motiviert, gegen unnötige Werbeverbote anzukämpfen.»

Wie beurteilen Sie als Vizepräsident der Gruppe Corriere del Ticino und Präsident von KS/CS das zukünftige Zusammenspiel von Medien und Werbung?
Die Medien wie die Politik sehen leider immer noch zu wenig ein, dass die Werbung nicht nur für ihre Finanzierung essenziell ist, sondern auch für die konjunkturelle Entwicklung des Landes. Diesbezüglich gibt es für uns noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten.

Noch etwas ganz anderes: Am 22. Dezember 2018 ist der Grundstein für die neue Valascia gelegt worden. Was bedeutet das für Sie als Präsident des HC Ambri-Piotta?
Nach dem jahrelangen Kampf freue ich michsehr über diesen Etappenerfolg. Auch wenn wir noch lange nicht am Ziel sind. Ich halte mich da an die Weisheit, die besagt: «Gib nie auf, manchmal öffnet erst der letzte Schlüssel die Tür.» Mit dem Eishockey ist es wie mit der Kommunikation und der Politik: Jede Saison fängt von vorne an, baut aber stets auf dem Bestehenden auf. Da wie dort gilt es, das Publikum bei der Stange zu halten und immer wieder neu zu motivieren.

 

Filippo Lombardi
Der Vizepräsident der Corriere-del-Ticino-Gruppe
vertritt seit 1999 das Tessin im Ständerat und
leitet seit 2014 Jahren die Bundeshausfraktion der
CVP. Als Brancheninsider präsidiert Filippo
Lombardi den Dachverband der kommerziellen
Kommunikation KS/CS Kommunikation Schweiz
seit 2010. Gemeinsam mit Natalie Rickli (SVP) und
Matthias Aebischer (SP) bildet er das Co-Präsidium
der parlamentarischen Gruppe Medien und
Kommunikation (GMK). Seit 2009 führt der
passionierte Eishockeyfan und Regionalpolitiker
zudem den traditionsreichen HC Ambri-Piotta.

 

Wieso KS/CS?
«Werbung ist die wichtigste Nebensache der Wirtschaft: Sie schafft Mehrwerte. Entsprechend von grossem Wert – kommerziell und emotional – ist das Engagement von Kommunikation Schweiz für liberale Rahmenbedingungen. Dieser Einsatz ist nicht nur fundamental für Auftraggeber, Agenturen und Medien, sondern auch für unsere gesamte freiheitliche Gesellschaft und Kultur.»

 

 

 

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