Kommunikatoren des Monats 1998 - 2011

09.06.1998

Josef Blatter
Fifa Präsident

Zugegeben, der Kampf um die höchste Krone im Weltfussball ist nicht porentief rein geführt worden. Manche sprachen sogar von einer veritablen Schlammschlacht zwischen den beiden Kandidaten Lennart Johansson und Josef Blatter. Dennoch: Die Ausmarchung war ein Lehrstück für angewandte Kommunikation. Und in dieser Beziehung scheint der wirblige Walliser seinem nordländischen Kontrahenten einiges voraus gehabt zu haben. Bereits nach dem ersten Wahlgang im Pariser Show-down lag Blatter, dessen Sprachenvielfalt gute Voraussetzung für verbale Kommunikation bildet, in Front. Mit emsiger und umtriebiger Kommunikation war es dem neuen Fifa-Präsidenten gelungen, die Basis der Weltfussballgemeinde hinter sich zu bringen - die vielen kleinen Länder in Asien und Afrika, die sich vor dem mächtigen europäischen Verband fürchteten. Offensichtlich hat Blatter mehr unternommen, um diese Vertreter zu mobilisieren als Johansson. Wenn also Joseph Blatter gewählt wurde, dann vor allem deshalb, weil er sich intensiv mit diesen Fussball-Ländern und deren Anliegen auch vor Ort auseinandergesetzt hat. Und deshalb wählte ihn die SW zum Kommunikator des Monats Juni 98.

 

09.10.1998

Bea Tschanz
Kommunikationschefin SAir Group

Mitten aus dem Schlaf ist die Verantwortliche für Kommunikation der SAir Gruppe, Bea Tschanz, mit dem ungeheuerlichsten aller vorstellbaren Fälle konfrontiert worden. Was stets als theoretisch mögliche Situation und worst-case-Szenario in Erwägung gezogen werden muss, ist an jenem Morgen, des 3. Septembers eingetreten und hat die Kommunikationschefin brutal und eiskalt in die Realität gestossen. Der normalerweise nicht besonders krisengeschüttelten Job in den imageträchtigen Swissair-Etagen wurde plötzlich zu einem nervenzerreissender und aufwühlender Auftritt vor den Medien der ganzen Welt. Die Kommunikationsaufgabe, die durch den spärlichen Informationsanfall und die Rücksichtsnahme auf Angehörige unglaublich erschwert, ja praktisch verunmöglicht wurde, hat die ehemalige, 54jährige Journalistin mit Bravour und grossem Einfühlungsvermögen bewältigt. Die Pressekonferenzen führte sie souverän und dennoch diskret, und stets vermittelte Bea Tschanz Anteilnahme und Glaubwürdigkeit. Eine starke Persönlichkeit, welche Integrität ebenso wie Professionalität ausstrahlte, hat Bea Tschanz erlaubt, den schwierigste Job ihrer Karriere zu bewältigen. Doch das fürchterliche Ereignis hat sie geprägt: Bea Tschanz ist nicht mehr dieselbe wie vor dem 3. September.

 

12.11.1998

Roger Schawinski
TV-Unternehmer

Vor 18 Jahren war er noch Radiopirat. Zusammen mit einer Handvoll ihm treu ergebener Mitarbeiter strickte er auf dem Pizzo Groppera das erste Schweizer Privatradio in den Aether. Er mobilisierte die Massen und stiess Etablierte vor den Kopf. Der charismatische Zürcher, der wie kaum ein Zweiter die Meinungen und Neigungen polarisiert, ist ein unermüdlicher Kämpfer. Am besten ist er, wenn er Widerstand spürt und sich in der David-gegen-Goliath-Pose am eigenen Selbstbewusstsein hochrankt. Auch wenn seine Neigung zur Selbstdarstellung in solchen Momenten mitunter bedrohliche Formen annimmt, ist es dem 52-jährigen stets gelungen, sich weitherum Sympathien zu sichern. Und da er mit verschiedenen seiner Projekte (Radio 24, TeleZüri und jetzt Tele24) bemerkenswerten Erfolg hat feiern können, wurde ihm nun für seine Leistung als Medienpionier der Gottlieb-Duttweiler-Preis verliehen. Wir von der SW gratulieren Roger Schanwinski und ernannten ihn, weil seine Arbeit fast ausschliesslich mit Kommunikation zu tun hat, zum Kommunikator des Monats November 98.

 

12.12.1998

Jakob Kellenberger
Chefunterhändler

Vier Jahre haben die Verhandlungen zwischen der EU und der europhoben Schweiz gedauert. Vier Jahre, in welchen Hoffnung und Enttäuschung, Lob und Kritik, Begeisterung und Frustration häufig nahe beieinander lagen. Viele waren und sind an der Tatsache, dass jetzt endlich eine Einigung zustande gekommen ist, beteiligt. Doch einer hat sich in all der Zeit besonders profiliert: Chefunterhändler Jakob Kellenberger. Der umtriebige Schweizer Diplomat, der in den Tagen vor der endgültigen Einigung praktisch ohne Unterbruch zwischen den verschiedenen Politikern, Parteien, Nationen, Meinungen und Gegenmeinungen herumwirbelte, hat mit seiner sachlichen aber ausgesprochen beharrlichen Art die sieben Verträge mit der EU vorbereitet und möglich gemacht. Der Appenzeller Staatssekretär hat die Details diskutiert, die Argumente abgewogen und letztlich die Einigung erzielt. Gewiss, in der Öffentlichkeit sind es die Politiker, die jetzt die Lorbeeren für die mit Erleichterung aufgenommene Entwicklung ernten, aber ohne die akribische und professionelle Kommunikationsarbeit des Jakob Kellenberger hätten die Herren Cotti, Schüssel, Couchepin & Co. noch lange auf das Klirren der Champagnergläser warten können. Deshalb war für uns Jakob Kellenberger der Kommunikator des Monats Dezember 98.

 

12.01.1999

Dieter Moor
TV-Moderator

Kommunikator des Monats: Dieter Moor Dieter Moor ist von den Medien nicht gerade mit Sammthandschuhen angefasst worden, und auch die Begeisterung der Zuschauer hielt sich in Grenzen. Irgendwie vermochte der Mann mit dem Vierkantgesicht und dem teilweise reichlich groben Humor die Schweizer Fernsehgemeinde nicht zu überzeugen. Dass wir den Fernsehselbstdarsteller dennoch als Kommunikator des Monats Januar 99 wählten, hängt damit zusammen, dass es schon eine grosse Portion kommunikatives Selbstbewusstsein braucht, um unbeeinflusst von beissender Kritik und reichlich ernüchternder Zuschauerratings während 300 TV-Abenden vor die Fernseh-Kameras zu treten. Es ist bemerkenswert, wie es Moor gelungen ist, seit dem 2. September 1997 die Motivation für seine Late-Night-Show zu finden, und das zeugt von Professionalität. Auch wenn seine Sendung Ende Mai 99 abgesetzt wird, weil das Umfeld für eine derartiges Gefäss offensichtlich zuwenig üppig war (die Schweiz ist halt nicht die USA, DRS nicht ABC und Moor nicht Jay Leno) so hat Moor mit seiner für die Schweiz neuen Show viel Mut und offenen Geist für Kommunikation bewiesen.

 

12.02.1999

Paul Accola
Skirennfahrer

Er hat wieder einmal ausgerufen. Und diesmal - da ist sich wohl die ganze skisportbegeisterte Nation einig - zu recht. Paul Accola, 31jähriger Trutzkopf aus Davos, hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen und war mitunter auch schon reichlich beleidigend. Nach dem trostlosen Abschneiden der Schweizer Alpinen, die sich sogar hinter skisportlichen Nobodies wie Liechtenstein, Finnland und Australien klassierten, hat sich der Bronzemedaillengewinner jetzt als kommunikativer Winkelried betätigt und «im Namen der ganzen Skination» den Rücktritt des Alpinschefs und des Verbandsdirektors gefordert. Und für einmal stösst er auf viel Verständnis. Es liegt nicht an uns, zu entscheiden, ob Accola mit seiner Forderung den Kern des Übels trifft, seine klare und direkte Art zu kommunizieren hat aber Aufsehen erregt und wird wohl noch Folgen zeitigen. Und dafür wurde er von der Schweizer Werbung zum Kommunikator des Monats Februar 99 gewählt.

 

12.03.1999

Ruth Metzler
1999 – 2003 Bundesrätin der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements, Vizepräsidentin des Bundesrates 2003

Vermutlich wird man nie erfahren, ob auf dem ominösen Wahlzettel nun hätte Roos stehen sollen oder nicht. Und es ist längst unwichtig mit wievielen Stimmen Unterschied Ruth Metzler in den Bundesrat kam. Tatsache ist, dass die junge Frau aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden als zweite Frau in das höchste Exekutivgremium des Landes gewählt worden ist. Und einen Grossteil ihres Erfolges verdankt die Juristin ihrer spontanen und frischen Art zu kommunizieren. Manchmal hat man den Eindruck, sie antizipiere die Fragen der Interviewer förmlich: Kaum sind sie gestellt, steht die Antwort leichfüssig bereit. Etwas gar unbekümmert seien ihre Aussagen, schreibt ein Kritiker, vor allem in Sachfragen. Dennoch: Die in Luzern geborene 35jährige Ostschweizerin, die früher recht erfolgreich als Kurzstreckenläuferin auftrat, verfügt über ein angeborenes Kommunikationstalent, das zweifellos frischen Wind in das Bundeshaus bringen wird. Und dafür erkürte sie die Schweizer Werbung zur Kommunikatorin des Monats März 99.

 

12.04.1999

Pascal Couchepin
1998 - 2009 Bundesrat, 1998 - 2002 Vorsteher des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements, 2003–2009 Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern,  Bundespräsident der Schweiz in den Jahren 2003 und 2008 und Vizepräsident in den Jahren 2002 und 2007)
 
Obschon die Werbebranche mit einem Umsatz von rund 7 Milliarden Franken pro Jahr durchaus beachtliches Volumen aufweist, kümmert sich politisch kaum jemand um deren Anliegen. Dabei hängen nicht nur tausende von Arbeitsplätzen von der kommerziellen Kommunikation ab, sondern auch bedeutende Maximen der Demokratie wie etwa die Unabhängigkeit der Medien und damit die Pressevielfalt und die Pressefreiheit. Jemand, der ein offenes Ohr für die Werbefreiheit hat, ist Bundesrat Pascal Couchepin. Der Wirtschaftsminister zeigte viel Verständnis für die von der SW vorgetragene Sorge im Zusammenhang mit den drohenden Werbeverboten und hat sich bereit erklärt, anlässlich der Mitgliederversammlung der SW als Gastreferent aufzutreten. Klar, dass wir von der SW diesen für die Branche so wichtigen Auftritt mit der Auszeichnung «Kommunikator des Monats» honorieren. Merci Monsieur Couchepin!

 

12.06.1999

Walter Fust
Chef Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza)

Die Betroffenheit war ihm anzusehen, als Walter Fust über die Zustände in Kosovo berichtete. Der Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) war sichtlich erschüttert über das, was er bei seiner Mission auf dem Balkan gesehen hatte. Doch die tragischen Ereignisse haben den 54-jährigen Ostschweizer und ehemaligen Berater von Bundesrat Furgler nicht etwa gelähmt, sondern vielmehr zur Aktivität angespornt. Courragiert engagierte sich der Chef der Schweizer Auslandhilfe für humanitäre Direkthilfe in Kosovo und lancierte zusammen mit Russland und Griechenland eine bemerkenswerte Aktion, die in der Schweiz und im Ausland auf grosse Anerkennung gestossen ist. Dass es Fust gelungen ist, gemeinsam mit den Russen und den Griechen aktiv zu werden, beweist wie kommunikativ der ehemalige Chef der Schweizer Handelsförderung ist. Seine Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen und sie hat uns bewogen, ihn zum Kommunikator des Monats Juni zu wählen.

 

12.07.1999

Jean Daniel Mudry
Chef des Komitees Sion 2006

Im Prinzip ist diese Kolumne natürlich Leuten gewidmet, deren kommunikative Tätigkeit zum erfolgreichen Abschluss irgendeiner Bestrebung geführt hat. Oder anders ausgedrückt: Dank des persönlichen Einsatzes auf zwischenmenschlicher Ebene oder aber Dank des Engagements gegenüber Medien und spezifischen Gremien haben die mit dem Titel «KommunikatorIn des Monats» ausgezeichneten Persönlichkeiten etwas ausgelöst oder erreicht, das bemerkenswert und schon fast ein wenig einmalig ist. Mitunter wird der Aufwand freilich schlecht belohnt, obschon das Engagement total und die Motivation unbegrenzt waren. Die Rede ist vom Chef des Komitees Sion 2006, Jean Daniel Mudry. Der begabte Walliser Kommunikator, der im Vorfeld nicht nur sein Umfeld und die Medien, sondern auch Skeptiker mit seinem Optimismus anzustecken in der Lage war, hat sich dermassen für die Vision namens Olympia eingesetzt, dass wir der Meinung sind, er habe den Titel verdient, obschon er die Früchte seiner Anstrengung nun doch nicht hat ernten können. Dass er ein Meister seines Fachs ist, hat der Walliser nicht zuletzt auch mit der Tatsache bewiesen, dass er nach der Enttäuschung in Seoul die Contenance im Gegensatz zu anderen nicht verloren, sondern stets versucht hat seine frustrierten Landsleute dazu zu ermahnen, faire Verlierer zu sein. Und das belegt den Geist der Kommunikation mehr als manch PR-launiger Auftritt.

 

12.08.1999

Angie Becker
«Plakatfrau»

Es müsste jemand blind oder enorm in Gedanken versunken sein, wenn er die Plakate nicht gesehen hätte, die über eine Woche lang von Genf bis in die Ostschweiz von den Wänden prangten. Eine junge Frau mit dem Namen Angie Becker, die in wenig spektakulären Lebenssituationen und in der Totale abgebildet war, zog bunt und munter die Blicke auf sich. Begleitet waren die in einer Auflage von 4500 Exemplaren ausgehängten Plakate von der Frage: «Wer kennt Angie Becker?» oder in der Romandie «Qui connaît Angie Becker?» Kaum ein Strassenzug, wo nicht dieselbe Frage gestellt wurde, und man fragte sich bang, ob da schon wieder ein neues Telekommunikationsunternehmen die Schweizer beglücken wolle. Findige Journalisten (und natürlich auch andere) setzten sich daran herauszufinden, wer diese junge Dame tatsächlich sei. Und sie entdeckten, dass es sich weder um die kleine Schwester von Tennis-Star Boris noch um eine Kandidatin für die Nationalratswahlen handelt. Und sie heisst auch nicht Angie Becker, sondern Zoe M. und ist Modell in der Zürcher Agentur Fotogen. Wer sich bei der Plakatgesellschaft erkundigte, wurde vertröstet auf den 28. Juli, dann sollte das Rätsel gelöst werden. Und tatsächlich: Zehn Tage nach dem Start der aufwendigen Kampagne stellte sich die Aktion als Eigenwerbung für die Plakatgesellschaft heraus. Und weil die dermassen Aufsehen erregt hat, erküren wir Angie Becker zur Kommunikatorin des Monats August, auch wenn es sie gar nicht gibt.

 

12.09.1999

Jürg Wildberger
Geschäftsführer TV 3

Sein Gesicht ist wohl jedem bekannt, der Schweizer Fernsehen konsumiert: Von 1990 bis 1993 war Jürg Wildberger regelmässig in der Sendung «10 vor 10» zu sehen, einem Programm, das er selbst konzipiert und geleitet hat. Mit dem für Schweizer Verhältnisse erstaunlich frischen Magazin hat Jürg Wildberger TV-Geschichte geschrieben. Schon vorher war der Zürcher beim Fernsehen gewesen: Als stellvertretender Chefredaktor des ebenso avantgardistischen wie erfolglosen Programms European Business Channel hatte er sich die Sporen als TV-Macher abverdient. Auch wenn EBC wenig später aus dem Aether verschwand, Wildberger hat sich als couragierter Fernseh-Macher profiliert. Auch auf dem Chefredaktoren-Sessel von Facts bewies er eine gute Nase für Nachrichten und originelle Geschichten, und zweifellos gehört Wildberger zu den renommiertesten Schweizer Medienschaffenden der Gegenwart. Am 6. September stürzt sich der 49-jährige in ein weiteres Fernseh-Abenteuer: Er lanciert das erste private Voll-TV-Programm TV 3. Als Geschäftsführer hat er sich dabei hohe Ziele gesteckt: In drei Jahren will er hinter DRS 1 die Nummer 2 in der Schweiz sein. Da Wildberger nicht nur ein guter Journalist ist, sondern seine Projekte auch erfolgreich zu propagieren versteht, würde es nicht erstaunen, wenn ihm das Vorhaben gelänge. Als kommunikativer Medienmann hat er sich jedenfalls bereits den Titel «Kommunikator des Monats September» verdient.

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12.10.1999

Esther Girsberger
Chefredaktorin Tages-Anzeiger

Ihre Berufung an die Spitze der Tages-Anzeiger-Redaktion hatte ebenso für Aufsehen gesorgt wie jetzt ihr Abgang: Chefredaktorin Esther Girsberger, ist alles andere als eine graue Maus. Die energische, kleine Frau, die sich mit ihrer erfrischenden Offenheit von ihren durchs Band männlichen Vorgängern abhebt, gehört zu jenen Persönlichkeiten, die man spürt, wenn sie den Raum betreten. Sie scheut sich auch nicht, ihre Meinung zu äussern und zu schreiben, auch wenn diese nicht überall gut ankommt. Die engagierte Journalistin hatte vor ihrem Job beim TA bereits bei der NZZ herumgewirbelt, wo ihre mitunter etwas burschikose Art nicht bei allen gleich gut angekommen ist. Wer Esther Girsberger bei Podiumsdiskussionen als Moderatorin miterlebt hat, kann sich auch vorstellen warum: Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und tritt mit ihrer Spontaneität mitunter in das eine oder andere Fettnäpfchen. Genau das macht die 38jährige Zürcherin aber zu einer exzellenten Kommunikatorin. Als sie 1998 den Job von Roger de Weck übernahm, glaubten nur wenige an eine erfolgreiche Bewältigung der anspruchsvollen und heiklen Aufgabe. Wie das beim Tagi üblich ist, gab es in dieser Frage zwei Lager. Doch je länger es dauerte, desto mehr verschaffte sich Esther Girsberger Respekt. Ihr Rücktritt kommt deshalb einigermassen überraschend. Ein wenig klingt es nach Resignation, wenn eine dermassen eingefleischte Journalistin die Spitze einer renommierten Redaktion verlässt und zur Industrie wechselt. Eines aber dürfte sicher sein: Auch bei Novartis wird Esther Girsberger Dank ihrer Ausstrahlung für unkonventionelle Kommunikation sorgen. Die SW wünscht Ihr jedenfalls alles Gute!

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12.11.1999

Christoph Blocher
Nationalrat

Eigentlich hätte Christoph Blocher diesen Titel schon lange verdient gehabt: Seit Jahren kommunizieren er und seine kantigen Parteikollegen was das Zeug hält. Inserate, Bauern-Brunches, Albisgüetlitagung und praktisch wöchentliche Podiumsdiskussionen sorgen dafür, dass die Partei, welche ungestraft die Sonne für ihre teilweise umstrittenen Aktionen monopolisiert, ständig in den Medien auftaucht. Die nicht eben Blocher-freundlich gestimmten Journalisten greifen nach jeder sich bietenden Gelegenheit, den unliebsamen Tribun zu attakieren und tragen so das ihre zur ständigen Präsenz des Nationalrates in den Gazetten und auf den Bildschirmen bei. Blocher ist ein kommunikatives Naturtalent. Selbst härteste Vorwürfe kann er mit salopper Formulierung entkräften, und er verliert die Fassung auch nicht, wenn er mit harten Bandagen angefasst wird. Der Zürcher Nationalrat ist ein Virtuose im Umgang mit der Kommunikation: Als erster hat er erkannt, dass es eine Partei wie eine Marke zu positionieren gilt. Unermüdlich hat er am Image seiner Partei gearbeitet und ohne allzugrosse Skrupel Themen, welche der Bevölkerung unter den Nägeln brennen, dazu genutzt, die SVP zu profilieren. Dahinter stecken Knochenarbeit und marketingorientiertes Denken. Man muss kein Freund des Herrliberger Milliardärs sein, um zu respektieren, dass er neue Massstäbe in der Kommunikation der Schweizer Parteienlandschaft gesetzt hat. Ob das Image, welches seine Partei der Schweiz verpasst, dem Land zum Vorteil gereicht, muss zwar bezweifelt werden, Tatsache aber ist: Dank Blocher, wird die Schweiz in Europa wieder einmal zur Kenntnis genommen.

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12.12.1999

Andreas Widmer
Robinson

Im September flimmerte erstmals eine Sendung mit einer Handvoll potentieller Robinsons über den eben geborenen Privatsender TV3. 114’000 Zuschauer hatten sich von der Werbung angesprochen gefühlt und das neuartige TV-Abenteuer am ersten Sendetag, dem 6. September, angeschaut. Mit jeder Serie stieg das, dank Medien und Mundpropaganda angeheizte Interesse. Die Robinsons wurden zum Familien- und Stammtischthema, und je länger die Sache dauerte, desto näher kamen einem die Inselbewohner. Die Mischung aus Ferientraum und genuinem Bedürfnis einmal ganz einfach zu leben, kam bei den TV-Zuschauern gut an. Rund eine halbe Million haben die letzte Sendung vom 28. November angeschaut, als sich entschied, wer denn nun eigentlich der begabteste Robinson ist. Gewonnen hat derjenige, der von Anfang an am klarsten seine Absicht kommuniziert hatte, gewinnen zu wollen. Derweil andere im Hintergrund herumduckten, sich kaum äusserten und reichlich farblos blieben, hat der ziemlich kantige Andreas Widmer aus seinem Wunsch, die Insel als Robinson des Jahres verlassen zu wollen, nie ein Hehl gemacht. Neben Widmer kann aber auch die Idee «Robinson» als ausserordentlich kommunikativ angesehen werden: Wenn eine Sendung aus dem Stand rund 20% Marktanteil generiert, muss sie aussergewöhnlich sein. Vielleicht nicht aussergewöhnlich wertvoll, aber doch zumindest aussergewöhnlich kommunikativ. Deshalb ist Robinson (die Idee und der Preisträger) der SW-Kommunikator des Monats Dezember.

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12.01.2000

Charles Schulz
Der Beziehungsknüpfer

50 Jahre lang hat Charles Schulz gezeichnet. 17\'000 Comicstrips sind seit dem 2. Oktober 1950 aus der Feder des Amerikaners geflossen. Seine Peanuts, angeführt vom selbstkritischen und von Zweifeln geplagten Charlie Brown, dem träumerisch philosophischen Snoopy, der selbstbewusst zänkischen Lucy und dem abgehoben genialen Linus haben täglich Millionen von Leserinnen und Lesern rund um die Welt den Spiegel vorgehalten. Und sie zum Lachen gebracht. Mit 77 Jahren hat einer der erfolgreichsten Comic-Zeichner des letzten Jahrhunderts, geschwächt von einer Krankheit für immer die Kreation seiner unendlichen Geschichte menschlicher Unzulänglichkeiten eingestellt. Er hinterlässt eine Lücke, die nie mehr geschlossen werden kann. Eines seiner Geheimnisse war wohl, dass Schulz es verstanden hat, Figuren zu schaffen, zu denen man als Leser eine Beziehung aufbauen konnte, die einem vertraut waren und die man als Freunde verstand. Und das gilt ebenso für Kinder wie für Erwachsene. Die Peanuts kombinierten in eindrücklicher Weise Kinderwelt mit Erwachsenendasein, und ihre Weisheiten kamen bei der ganzen Familie an. Mit seinen Comics hat Schulz wie kaum ein anderer Beziehungen geknüpft und die Kommunikation gefördert. Deshalb ist Charles Schulz der SW-Kommunikator des Monats Januar.

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12.02.2000

Klaus Schwab
Initiant des WEF in Davos

Ob es einem passt oder nicht: Das World Economic Forum in Davos gehört zu den bedeutendsten Veranstaltungen auf der Welt. 1971 von Klaus Schwab als europäisches Management Forum ins Leben gerufen, hat sich das Event zu einem international anerkannten und bedeutsamen Ereignis entwickelt. Davos ist der einzige Kongress, an welchem Wirtschaftsvertreter und Politiker gemeinsam teilnehmen, und wo damit die einzigartige Möglichkeit besteht, interdisziplinär die Themen zu diskutieren, welche die Welt bewegen. Längst hat man erkannt, dass eine blühende, globale Wirtschaft zwar ein wesentlicher Bestandteil für den Wohlstand darstellt, dass diese Wirtschaft aber auch im Interesse der Öffentlichkeit und nicht nur der Unternehmer funktionieren muss. Klaus Schwab hat denn auch seine Botschaft für das erste Forum im 21. Jahrhundert unter dieses Motto gestellt: Davos soll eine Brücke bilden zwischen der harten Wirtschaftsrealität und den menschlichen und sozialen Werten. In seiner Begrüssungsrede umschrieb Schwab diesen Geist von Davos mit «value based leadership». Auch wenn das Forum nicht ohne Misstöne auskam, darf es dennoch als einzigartiges Instrument der Kommunikation betrachtet werden. Und sein Erfinder, Klaus Schwab, ist für die SW der Kommunikator des Monats.

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12.03.2000

Ulrich Gygi
Post-Konzernchef

Zugegeben, die Lorbeeren kommen etwas früh, ist Ulrich Gygi doch erst dieser Tage zum neuen Postchef ernannt worden. Der 54-jährige Berner Oekonom, der sich bereits beim Börsengang der Swisscom profiliert hatte, scheint aber am neuen Posten grosses Gewicht auf die Kommunikation zu legen. Bereits in den ersten Interviews, die der ehemalige Direktor der Finanzverwaltung gab, liess er durchblicken, dass die Kommunikation für ihn ein bedeutendes Element für die erfolgreiche Führung ist: «Ich setze auf Kommunikation und Nachvollziehbarkeit» meinte er und ergänzte: «Die Post hat ein Kommunikationsproblem, das kann man besser machen.» Wer so offen spricht und die Bedeutung der Kommunikation dermassen hoch einschätzt, den kann man durchaus etwas voreilig als Profi in Sachen Kommunkation bezeichnen, und ihn zum SW-Kommunikator des Monats März machen.

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12.04.2000

Oscar

In der Regel braucht es für effiziente Kommunikation verbale Äusserungen, die dann von irgend einem Medium transportiert werden. Der Kommunikator des Monats April, die Statuette Oscar, hingegen ist stumm. Seine Kommunikation passiert nonverbal und vor allem symbolisch. Und dennoch ist er beredt und kommunikativ wie kaum jemand, und dies obschon (oder vielleicht weil) Oscar bereits 72 Jahre alt ist. Jahr für Jahr gelingt es der kleinen goldenen Figur mit der stromlinienförmigen Postur, für Tage die filminteressierte Öffentlichkeit der ganzen Welt in ihren Bann zu ziehen. Fernseh- und Radiostationen, Zeitungen und Internet widmen ihre Pages, die Primetime und die Frontseiten diesem wohl publikumswirksamsten kulturellen Ereignis des Jahres. Und obschon es ein amerikanisches Event ist, wirkt sich Oscar auf unzählige Länder rund um den Globus aus. Gespannt blicken die Filmemacher und deren Anhängerschaft in den diversen Ländern nach Kalifornien, denn Oscar ist nicht nur berufen, das filmisches Schaffen zu promovieren, er garantiert neben spontaner Popularität des Produktes auch finanziellen Erfolg und Renommée für Regisseure, Schauspieler und Produzenten. Bestes Beispiel ist der Schweizer Arthur Cohn, der bereits sechs Oscars einheimste und sich damit in der Galerie der erfolgreichsten Produzenten einen Ehrenplatz gesichert hat. Erstaunlich, was für kommunikative Fähigkeiten diese kleine stumme Figur aufweist.

 

12.05.2000

Eliàn Gonzàles

Zugegeben, er kann nichts dafür. Gleichwohl hat der 6jährige Eliàn Gonzàles aus Kuba, der als einziger eine missglückte Flucht von der Karibikinsel überlebt hatte, allein durch seine Existenz die Weltmedien in Atem gehalten und die Politik in Aufruhr gebracht. Als Spielball politischer Kräfte und vor allem ideologischer Fanatiker erlebte der Knabe, was es heisst, zwischen die Fronten unterschiedlicher Interessen zu geraten. Wochenlang dauerte das Tauziehen um den kleinen Kubaner, an welchem sich Politiker, Gerichte, Justizministerium, Familinangehörige und die Polizei beteiligten, und das in einem gnadenlosen Rechtsakt, der einer kriminellen Entführung in nichts nachstand, sein vorläufiges Ende nahm. Eliàn war der Brennpunkt politischer und diplomatischer Kommunikation, und vor allem hat der kleine Flüchtling ohne sein Wissen etwas erreicht, was andere seit über 40 Jahren nicht geschafft haben und auch nicht wollten: Er hat für Stunden das Eis zwischen den USA und Kuba zum Schmelzen gebracht. «Dies ist ein Tag der Waffenruhe», rief Castro überschwänglich und selbstgefällig in die Mikrophone. Und ermöglicht hat die vorübergehende Eintracht zwischen den bald letzten archaischen Blöcken der Weltgeschichte der kleine, unschuldige Eliàn. Auch wenn er keine Ahnung davon hat: Seine Existenz machte ihn zum grossen Kommunikator.

shr.

 

12.06.2000

Christoph Marthaler
Schauspielhausdirektor

Es gibt Leute, die reden unentwegt. Vor allem über sich und ihre Projekte. Und sie können nicht genug davon kriegen, sich eitel und öffentlichkeitsträchtig in die Medien einzubringen. Auch wenn später herzlich wenig dabei herauskommt. Christoph Marthaler, der neue Direktor des Zürcher Schauspielhauses, praktiziert da eher das Gegenteil: Obschon vor einem Jahr gewählt, schwieg der Mann mit dem Rossschwanz und dem Strohhut beharrlich. Fast schien es, als habe sich die Zusage zu einem Gerücht verflüchtigt, und in den Medien machte allenthalben die Vermutung die Runde, Marthaler kapriziere sich bewusst, um damit einen besonderen PR-Effekt zu erreichen. «Keineswegs», streitet der Theatermann ab. «Unsere Pressekonferenz kam halt relativ spät und so stieg vielleicht die Spannung», meinte Marthaler auf eine entsprechende Frage. Wie auch immer, Marthaler ist nicht nur ein begnadeter und kreativer Regisseur, sondern auch ein gewiefter Kommunikator. Ein Talent, das er angesichts der ehrgeizigen Pläne noch intensiv wird in Anspruch nehmen müssen, immerhin obliegt ihm die Pflicht, zusätzlich rund sechs Millionen Franken an Sponsorengeldern aufzutreiben. Und auch mit seinen Abonnenten hat er noch emsig zu kommunizieren, denn sein neues Programm weist einen kreativen Schub auf, der einige schockieren dürfte. Mal sehen, ob die Lorbeeren nicht verfrüht waren...

shr.

 

12.07.2000

Patrick Kluivert
Fussballer

Fussball sei, so heisst es, die wichtigste Nebensache der Welt. Es gib Zeiten, in denen wird alles andere zur aufregenden Nebensache und Fussball zum Wichtigsten. Zum Beispiel während grossen Titelkämpfen, wie etwa den Europameisterschaften. Ihnen können sich nicht einmal eingefleischte Fussballmuffel entziehen, denn die EM-Spiele greifen bestimmend in den Tagesablauf ein und lassen manch anderen Termin platzen. Und wenn dann in einem Spiel etwas Herausragendes geschieht, wenn sich ein Spieler mit einem besonderen Exploit in den Vordergrund kickt, dann stehen er und seine Mannschaft plötzlich im Mittelpunkt des Interesses einer breiten Öffentlichkeit. Die kommunikative Wirkung von vier Toren, wie sie der Holländer Patrick Kluivert im Spiel gegen Jugoslawien herbeigezaubert hat (auch wenn das dritte ja scheinbar ein Eigentor war), ist unbezahlbar. Die Wirkung beginnt in der Mannschaft selbst, die sich in einen wahren Spielrausch gesteigert hat, reicht weiter über die voll Begeisterung und Ehrfurcht verfassten Medienberichte bis hin zum Stammtisch in der Dorfbeiz, an welchem sich landauf, landab Freizeit-Kicker und ehemalige solche über die erstaunliche Souplesse und technische Fertigkeit des holländischen Stürmers auslassen. Wer sowas fertigbringt, ist nicht nur ein feiner Fussballer, sondern auch ein kommunikatives Talent.

shr.

 

12.08.2000

Tiger Woods
Golfprofessional

Noch vor zwei, drei Jahren war es absolut undenkbar, dass eine Schweizer Tageszeitung der elitären Sportart Golf mehr als ein paar mikrige Zeilen widmete. Zugegeben, vielleicht erschien einmal das Bild eines Masters-Siegers im Briefmarkenformat oder ein Blatt zelebrierte die langjährige Nummer eins der Welt, den Australier Greg Norman, in einem sachlichen Dreissigzeiler. Mehr berichteten hiesige Medien aber keinesfalls über den angelsächsisch dominierten Sport. Doch jetzt ist plötzlich alles anders: Schon im Vorfeld eines Major-Turniers werden Vorschauen verfasst, die eigentlich alle mit derselben Frage enden: «Wer wird Zweiter hinter Tiger Woods?» Seitdem der 24-jährige Eldrick Woods vor knapp vier Jahren als dreifacher Gewinner der US-Amateurmeisterschaft zu den Profis gewechselt hat, ist Golf plötzlich auch für konventionelle Zeitungen ein Thema. Liegt es daran, dass er als erster Farbiger in diesem Sport Furore macht? Oder daran, dass er einfach keine ernsthaften Gegner kennt und diesen anspruchsvollen und schwierigen Sport beherrscht, wie kein Zweiter? Wie auch immer, der amerikanische Ausnahmekönner hat eine kommunikative Meisterleistung vollbracht. Sogar Leute, die glauben, Golf sei bloss eine Automarke, kennen seinen Namen. Und er sorgt dafür, dass dieser Sport auf unseren Zeitungsredaktionen seitenweisen Niederschlag findet. Golf ist Woods. Woods ist Golf. Schon mal was von David Duval gehört? Nein? Er ist die Nummer zwei der Welt. Eben.

shr.

 

12.09.2000

Moammar Ghadhafi
Revolutionsführer

14 Jahre ist es her, seitdem sich der Revolutionsführer Moammar Ghadhafi mit der Welt angelegt hat und dafür mit US-Bomben hart bestraft wurde. Dann ward es still um den kraushaarigen Libyschen Staatschef, fast schien es, als ob er mit dieser Welt nichts mehr zu tun haben wolle. Er und sein Land verschwanden weitgehend aus den Schlagzeilen. Doch plötzlich und unerwartet hat sich der ehemalige Hitzkopf auf der Weltbühne zurückgemeldet. Und diesmal mit einer bemerkenwerten Tat: Ghadhafi gelang es, sechs westliche Geiseln aus der monatelangen Gefangenschaft durch die philippinische Rebellengruppe Abu Sayyaf frei zu bekommen. Er erntete dafür von ausländische Regierungen, darunter der deutschen und der französischen viel Lob. Ob und wieviel Ghadhafi für die Freilassung bezahlt hat, ist umstritten, im Zusammenhang mit dieser Rubrik ist dies freilich nebensächlich, wichtig ist die Art und Weise, wie der lange Geächtete die Sache bewerkstelligt hat und welches Sensorium er für die Kommunikation entwickelt hat: Die Empfangszeremonie fand vor der ehemaligen und 1986 zerbombten Residenz des Staatschefs statt, alle Geiseln trugen T-Shirts mit dem aufgedruckten Konterfei Ghadhafis, und zahlreiche ausländische TV-Stationen haben die Begrüssung übertragen. «Tue Gutes und lasse darüber berichten». Ghadhafi hat die Lektion verstanden.

shr.

 

12.10.2000

Vojislav Kostunica
Oppositionsführer

Was Nato-Bomben und die gesamte westliche Welt nicht geschafft haben, scheint Vojislav Kostunica zu gelingen: Der Oppositionsführer hat Jugoslawiens Präsidenten Slobodan Milosevic in erhebliche Schwierigkeiten gebracht. Der 56jährige Belgrader, der zu den Gründern der Demokratischen Partei im Jahre 1989 gehört, hat sich nicht nur die Zustimmung der Mehrheit der Wähler gesichert, sondern wird ebenso von der EU wie von der orthodoxen Kirche, ja sogar von Russland unterstützt. Kostunica, dessen Wahlsieg von Milosevic erwartungsgemäss aberkannt wird, geniesst beim Volk freilich nicht nur deshalb grosse Sympathien, weil er gegen Milosevic ist, sondern fast ebenso weil er sich stets gegen die Intervention der Nato ausgesprochen und auch die US-Politik als arrogant und ignorant kritisiert hatte. Mit friedlichen Mitteln will der gemässigte Nationalist sich gegen den Zerfall des Staates einsetzen und aus Jugoslawien einen demokratischen und dezentralisierten Rechtsstaat machen. Neben politischem Geschick muss dieser Mann, der einen Grossteil seines Landes mobilisiert und weltweit Politiker und Militärs zu Sondersitzungen gezwungen hat, über ausgesprochen gute Kommunikationsfähigkeiten verfügen. Das belegt auch sein Aufruf zum Generalstreik, dem bereits am ersten Tag 7\'000 Bergleute in Kolubara gefolgt sind. Zu hoffen bleibt, dass Kostunicas guter Wille und sein Kommunikationstalent ausreichen, um Jugoslawien vor einer weiteren Katastrophe zu bewahren.

shr.

 

12.11.2000

Adolf Ogi
Bundespräsident
1988-2000 Bundesrat, 1993 und 2000 Bundespräsident, 1992 und 1999 Vizepräsident des Bundesrats, 1988 - 1995 Vorsteher des Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirgtschaftsdepartements, 1995 - 2000 Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) - bis 1997 Militärdepartement (EMD)

Wie ein Sportler wolle er auf dem Höhepunkt der Karriere abtreten, so kündete Bundesrat Adolf Ogi seinen Rücktritt an. Der 58jährige Berner Oberländer, der seit Dezember 1987 in der Schweizer Regierung sitzt, hat ein natürliches Gespür für gelungene Inszenierungen und kommunikative Auftritte. Doch es wäre falsch, Ogi als berechnend darzustellen, er ist vielmehr enorm spontan, ungezwungen und immer wieder überraschend und witzig. Anfänglich lösten seine launigen Sprüche mitunter freilich noch allenthalben Kopfschütteln aus, doch inzwischen haben sich sogar Linksintellektuelle an den offenen und Echtheit bekundenden Stil des Bundespräsidenten gewöhnt. Sie verzeihen ihm sogar grammatikalische Fehler und die penetrante Wiederholung gleicher Worthülsen. Seine zuerst bemühend wirkende Art, positiv zu denken und gegen den Negativismus im Lande zu wettern, wird auch bei seinen ehemaligen Kritikern zunehmend mit Wohlwollen aufgenommen. Denn: Kein anderer Politiker wirkt dermassen echt und keiner hat die Schweiz im Ausland so überzeugend vertreten und verkauft. Vielen Schweizern hat der Berner, der sich seiner eidgenössischen Bodenständigkeit keineswegs schämt, einen Teil jener Identität zurückgegeben, die im Gewitter der Diskussionen um die Holocaust-Ereignisse abgewaschen worden ist.

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12.12.2000

Shawn Fielding
Diplomatengattin

Sie ist blond, attraktiv und gilt als schönste Diplomatengattin des Landes. Das würde freilich noch nicht reichen, um in die «hall of fame» der Schweizer Werbung für KommunikatorInnen des Monats zu kommen, doch Shawn Fielding, ehemalige Miss Texas, weist schliesslich mehr auf als optische Reize, sie ist kommunikativ, gelegentlich hart am Rande der Peinlichkeit zwar, aber konsequent. Seitdem sie am 29. Januar 1997 als Schwarm des damaligen Task-Force-Chefs Thomas Borer erstmals das Licht der Schweizer Boulevardpresse erblickte, hat sich die Amerikanerin gehörig nach oben gelächelt. Shawn hier, Shawn dort, die kommunikativ begabte 31-jährige verpasst keine Gelegenheit, um für sich, ihren Mann und überhaupt zu werben. Zweifellos ist sie populärer als die diversen Miss’ Schweiz zusammen und sogar in Bern hat man die auffallende Erscheinung zur Kenntnis genommen. Wenn nicht immer hocherfreut so doch unentwegt, und Leserbriefkontroversen in diversen, auch seriöseren Tageszeitungen zeugen vom zunehmenden Ruhm der kommunikativen Shawn. Und jetzt kommt auch noch die SW und kürt sie zur Kommunikatorin des Monats, und das obschon ihr Mann den Job bei der Bankiervereinigung nicht gekriegt hat. Ob er sich dafür bei seiner Frau bedanken muss?

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12.01.2001

Thomas Held
Direktor des Think-Tanks

Es ist zweifellos eine der wichtigeren Aufgaben, mit welcher Thomas Held betraut worden ist. Als Direktor des von diversen grossen Schweizer Firmen wie Nestlé, UBS und Novartis ins Leben gerufenen Think-Tanks, hat der 54jährige Soziologe durchaus die Möglichkeit, Einfluss auf wirtschafts- und gesellschaftspolitische Weichenstellungen zu nehmen. Held wird eine Gruppe von Wissenschaftler sowie Journalisten und Marketingfachleute um sich scharen und leiten, um aktuelle staatstragende Fragen wie etwa die Überalterung, die Ausbildung und die ständig zunehmende Geschwindigkeit zu diskutieren und langfristig angelegte Lösungsansätze zu entwerfen und zu verbreiten. Ein wesentliches Kriterium, warum man gerade Thomas Held als Direktor gewählt hat, liegt in seiner Fähigkeit zu kommunizieren. Er soll die vermutlich reichlich akademisch verbrämten Ansätze in eine verständliche Sprache übertragen und der Allgemeinheit zugänglich machen. Dass Held auch hier etwas andere Wege gehen will, zeigt die Idee, nicht nur über Internet, sondern auch mittels gedrucktem Wort in Form eines Buches die Diskussion anzuregen. Wer Thomas Held kennt, wird jedenfalls seine Wahl als Chef dieser wichtigen Stiftung begrüssen, und man kann sicher sein, dass sich der Zürcher mit grossem Engagement dieser Aufgabe widmen wird.

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12.02.2001

Hans Hildebrand
Chef Greepeace Schweiz

Zugegeben, die Ereignisse im Umfeld des WEFs waren nicht gerade imagefördernd für NGOs, zumindest aus der Sicht wirtschaftsfreundlicher Zeitgenossen. Doch erstens gehörte Greenpeace nicht zu den Krawallmachern, sondern blieb stets diskussionsbereit, und zweitens taucht deren Chef, Hans Hildebrand, in unserer «hall of fame» deshalb auf, weil er sich entschlossen hat, seinen nicht einfachen Job nach fünf Jahren aufzugeben. Nun wäre eine Kündigung allein ja natürlich kein Grund für Lorbeeren, doch was Hildebrand während seiner Tätigkeit gelungen ist, beweist grosses Kommunikationstalent: Der 54jährige hat aus der engagierten, aber chaotischen Pionier-Organisation ein strukturiertes Unternehmen mit politisch-strategischer Ausrichtung gemacht. Er selbst betont, dass der Hauptteil seiner Tätigkeit in «Diskussionsarbeit» bestanden hat. Und Hildebrand ist es zu verdanken, dass Greenpeace heute von Parlamentariern und Wirtschaftsleuten ernst genommen wird. Wer so etwas in derart kurzer Zeit schafft, muss kommunikativ ausgesprochen begabt sein.

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12.03.2001

Christian Wegmüller
Vorsitzender der Geschäftsleitung, Mobiliar Versicherung

Sympathische Werbekampagnen kann man an einer Hand abzählen. Die unternehmerische Kommunikation neigt dazu, schönfärberisch bis grossmundig daher zu kommen, was selten zu Bonuspunkten in Sachen Sympathie gereicht. Eine löbliche Ausnahme bildet die neue Kampagne der Mobiliar-Versicherung, welche gegenwärtig am TV-Bildschirm und diversen Printmedien auf ironische Art das 175. Bestehen des Unternehmens kommuniziert und darauf hinweist, dass man jubiläumsmässig auf kleiner Flamme kocht. Statt pompöse und opulente Festivitäten mit Prominenz und Medien zu veranstalten, berücksichtigt man die Versicherten, was sich zahlenmässig ausgedrückt immerhin mit 100 Millionen Franken niederschlägt. Zugegeben, auch die Werbung kostet etwas, dennoch dürfte diese Kampagne, welche von der Werbeagentur Publicis konzipiert wurde, auf gutes Echo in der Bevölkerung stossen. Untrüglicher Hinweis darauf ist die Tatsache, dass die LeserInnen der WerbeWoche, einer Fachzeitschrift der Werbebranche, die Kampagne zu 63% als «top» bezeichnet haben, was in einer Branche, in welcher kaum jemand gut findet, was andere tun, ein bemerkenswertes Ergebnis ist. Der Umstand, dass die Mobiliar Genossenschaft einen dermassen grossen Betrag an seine 1,3 Millionen Mitglieder ausschüttet und dies noch dermassen sympathisch umsetzt, ist ein kommunikatives Highlight, deshalb wählt die Schweizer Werbung SW den Vorsitzender der Geschäftsleitung, Christian Wegmüller, zum Kommunikator des Monats März.

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12.04.2001

Enzo Trossero
Fussball-Nationaltrainer

Zugegeben, der Mann ist ausgerastet. Eine Schiedsrichterentscheidung hat den gebürtigen Argentinier Enzo Trossero dermassen in Rage gebracht, dass er nicht nur die Contenance verlor, sondern auch das Recht, seine Spieler aus der Nähe zu unterstützen. In jenem Moment muss der Nationaltrainer wohl nicht nur um seine Jungs, sondern auch um seine eigene Zukunft gebangt haben, war doch sein Kopf im Vorfeld des schicksalsschweren Matches in Belgrad von vielen gefordert worden. Doch ein glückhaftes Tor änderte alles: Die Schweizer blieben dank des 1:1 im WM-Rennen dabei, und selbst die härtesten Kritiker des Südamerikaners wählten wieder etwas wohlwollendere Formulierungen. Und als dann der Fussball-Nati vier Tage später gegen Luxemburg gar ein Kantersieg gelang, in welchem sich der Schweizer Alex Frei mit drei Toren als Nachwuchshoffnung profilierte, konnte Trossero beruhigt aufatmen: Er ist wieder geduldet und sein teilweise undurchschaubares Konzept kein Thema mehr. Und mit diesem Erfolg hat Trossero die Nationalmannschaft unversehens wieder zu einem populären Verein gemacht, für welchen man sich mit Freude engagiert. Eine Leistung, die zwar auf sportlichem Parkett erzielt worden ist, kommunikativ aber eine enorme Tiefenwirkung erzielt.

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12.05.2001

Dr. Mario A. Corti
Konzernchef Swissair-Group

Mit einer einfachen, sich selbst veräppelnden Aktion gelang es Mario Corti zu Beginn der Generalversammlung der Swissair-Group die Sympathien auf seine Seite zu ziehen: Der Airline-Chef kämmte demonstrativ sein schütteres Haar für die Fotografen und löste damit Heiterkeit im Saal aus. Und sorgte für entspannte Atmosphäre. Und das war nötig, denn obschon Corti als Hoffnungsträger gilt, waren zahlreiche der 5280 Aktionärinnen und Aktionäre aufgrund der Ereignisse in den vergangenen Wochen ziemlich geladen. Und vor allem skeptisch. Der VR-Präsident und Konzernchef manövrierte in der Folge die Aktionäre aber mit magistraler Sicherheit durch die Generalversammlung, die nicht als die grösste aber als längste in die Schweizer Wirtschaftsgeschichte eingehen wird. Corti bewies seine Souveränität und Kommunikationsfähigkeit auch im Verlauf der teilweise ziemlich emotionalen Frage-und-Antwort-Runde: Er griff mitunter selbst zum Mikrofon und strahlte dabei stets bemerkenswerte Ruhe aus. Ein Sprachrethoriker analysierte später zwar, Corti habe zu lange und zu komplizierte Sätze von sich gegeben, Tatsache aber ist, dass es dem neuen, 55-jährigen starken Mann der Swissair gelungen ist, einen beruhigenden Einfluss auf die teilweise aufgewühlten Aktionäre auszuüben, und seine ersten Massnahmen haben Misstrauen abgebaut. Und ihm sogar herzhaften Applaus beschert. Das muss ihm erst einmal jemand nachmachen.

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12.06.2001

Christoph Schlingensief
(1906 - 2010)

Theaterregisseur

Viele tun sich schwer mit einem Urteil. Ist er nun ein Meister der Selbstdarstellung, ein politischer Wirrkopf oder einfach ein begabter Kommunikator? Christoph Schlingensief lässt keinen kalt. Sicher ist der Theaterregisseur ein Provokateur. Seine frappierenden, teilweise schockierenden Auftritte, seine abstrusen und wenig fundierten Abschaffungsforderungen von SVP und ZSC lassen den Verdacht aufkommen, es gehe ihm wirklich nur darum, Aufmerksamkeit der Medien und damit der Bevölkerung zu ergattern. Und er hatte durchaus Erfolg damit. Wochenlang bemühten sich Journalisten um den 40-jährigen Deutschen, der sich auch nicht zwei Mal bitten liess. PR nach dem Lehrbuch. Auf der anderen Seite ist sein Vorgehen durchaus legitim: Wer heute auffallen will, muss ungewöhnliche Ideen umsetzen und auch den Mut zu aussergewöhnlichen Aktionen haben. Möglich, dass Schlingensiefs Hemmschwelle niedriger ist, weil er sich in einer fremden Stadt aufhält, vielleicht hat er aber auch einfach jene Courage und Kreativität, welche es braucht, um im harten Geschäft der Kommunikation aufzufallen. Und das ist dem schlauen Theatermann jedenfalls gelungen.

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12.07.2001

Lance Armstrong
Radrennfahrer

Erfolgreiche Sportler stehen im Mittelpunkt des Interesses und damit der Medien. Dasselbe gilt auch für solche, die irgendwelche Normen übertreten haben, wie etwa Dopingsünder. Seit zwei, drei Jahren ist vor allem Letzteres der Fall gewesen: Zahlreiche Velo-Helden sind über die Dopingbestimmungen gestrauchelt und haben diesen populären Sport in eine schwere Krise gestürzt, die sich freilich weniger in abnehmendem Wohlwollen der Velofans als vielmehr in moralisch verbrämten Kommentaren ernsthaft enttäuschter Sportjournalisten äusserte. Die pittoyable Leistung diverser ehemaliger Radgrössen, die «clean» nicht mehr an ihre früheren Rendemants kamen, hat dem Image des Radsportes auch nicht gerade hilfreich unter die Arme gegriffen. Da brauchte es schon die Superdarstellung eines Lance Armstrong. Der US-Amerikaner, der durch die Überwindung einer lebensbedrohenden Krankheit übermenschliche Kräfte entwickelt zu haben scheint, hat mit seinem Erfolg an der Tour de Suisse die Unsportlichkeiten zahlreicher seiner Konkurrenten vergessen lassen und dafür gesorgt, dass der Radrennsport wieder als das wahrgenommen wird, was er vielleicht gar nie war: Ein edler und knochenharter Kampf Mann gegen Mann. Armstrong hat imagemässig besser kommuniziert als das jede PR-Agentur hätte machen können. Bleibt zu hoffen, dass nicht auch er eines Tages …

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12.08.2001

Marco Solari
Präsident des Filmfestivals Locarno

Als vor einem Jahr der neue Präsident des Filmfestivals von Locarno, Staatsrat Giuseppe Buffi, überraschend starb und Marco Müller seinen Job als Direktor aufgab, stand des sympathische kulturelle Event in der Locarneser Altstadt vor einer unsicheren Zukunft: Schulden- und Personalsorgen plagten den neuen verantwortlichen Präsidenten Marco Solari. Doch der kommunikative Tessiner, der sein Talent schon vorher als Direktor des Tessiner Tourismusvereins, bei Migros und als Geschäftsleitungsmitglied bei Ringier bewiesen hatte, löste die drängendsten Probleme mit Bravour und in nützlicher Frist. Zusammen mit Ehrenpräsident Raimondo Rezzonico gelang es dem 57-Jährigen das Festival finanziell aus den grössten Strudeln zu führen, indem er neben den breits engagierten UBS und Swisscom mit Swatch und Atel zwei neue und potente Sponsoren fand, und er verpflichtete mit der renommierten italienischen Filmkritikerin Irene Bignardi eine vielversprechende Direktorin. Dass am Festival Aufbruchstimmung herrscht, ist insbesondere auch auf die Motivation des Marco Solari, seinen Charme und seine ausgesprochene Kontaktfähigkeit zurückzuführen. Irgendwie hat man den Eindruck, dieser Job sei wie geschaffen für Solari und es ist ihm durchaus zuzutrauen, dass er den Ruf des Festivals festigen oder gar ausbauen kann.

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12.09.2001

Hugo Loetscher
Schriftsteller

Als Person ist Hugo Loetscher zwar eher introvertiert, kein lauter Zeitgenosse, der viel Aufhebens um sich macht. Seine Idee ist dafür umso kommunikativer: Der 70-jährige Zürcher hat den Zürchern sein eigenes Geburtstagsgeschenk als Präsent übergeben. Die Stadt hatte Loetscher die Möglichkeit auf den Gabentisch gelegt, eine Ausstellung im Kunsthaus zu organisieren. Über Inhalt und Art der Präsentation konnte Loetscher selbst entscheiden. Und da er sich als ehemaliger Redaktor der Zeitschrift «du» (1958 bis 1962) intensiv mit Fotografie auseinander gesetzt hatte, regte er eine Ausstellung über die Fotografie an, welche nun vom 31. August bis 18. November zu sehen ist. Herausgekommen ist in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Stiftung für die Fotografie eine persönliche Rückblende auf die letzten 60 Jahre der Fotografiegeschichte, welche nicht nur das Bild in den Mittelpunkt stellt, sondern im Kontext mit Wort und Text ganz persönliche Erinnerungen des Schriftstellers verbindet. Und dabei entsteht nicht nur ein neuer und starker Bezug zum Bild, der Rückblick kommuniziert auch einen vertieften Einblick in längst vergangene Zeiten.

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12.10.2001

Rudolph Giuliani
Bürgermeister

Ausser bei strammen Anhängern strikter «law-and-order»-Doktrin war Rudolph Giuliani bisher nicht sonderlich beliebt gewesen. Zugegeben, die Hatz des New Yorker Bürgermeisters auf Kriminelle und sogar Obdachlose hatte New Yorks Strassen, Pärke und Plätze sicherer und sauberer gemacht, insofern ist ihm zweifellos eine erfolgreiche Politik zu attestieren, doch irgendwie schien es, als habe Giuliani dort, wo andere ein Herz haben, eine Registrierkasse. Doch, was Giuliani in den apokalyptischen Tagen nach dem Terrorangriff für «seine» Stadt und deren Bürger getan hat, darf man als grossartig bezeichnen. Die Härte, die er vorher gegenüber auch benachteiligten New Yorkern eingesetzt hatte, zahlte sich im Kampf um eine Rückkehr zur Normalität aus. Offenbar ist der Bürgermeister nicht nur hart im Geben, sondern auch im Nehmen. Seine Auftritte verrieten Kraft und Unbeugsamkeit, verliehen den Bürgern Zuversicht und sogar einen Hauch von Optimismus. Giuliani setzte sich rund um die Uhr und selbstlos für seine Stadt und deren Bewohner ein und vermittelte nie den Anschein, sich unnötig in Pose zu setzen. Und er machte sich auch Gedanken darüber, wie es weiter gehen soll: Er forderte die New Yorker nachdrücklich auf, zur Arbeit zu gehen und «Gebrauch zu machen» von ihrer Stadt, ins Kino, ins Theater, in Restaurants zu gehen und in den Geschäften einzukaufen. Seine Auftritte waren dermassen überzeugend, dass viele sich wünschen, er könnte ein weiteres Mal für das Amt kandidieren. Vermutlich wäre er für den Big Apple wirklich der Beste.

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12.11.2001

Richard Kühn
Marketing-Dozent

Als Direktor des Instituts für Marketing und Unternehmensführung der Universität Bern vermittelt Prof. Richard Kühn Wissen und Erfahrung. Und er ist damit meist eher im Hintergrund tätig. Der Öffentlichkeit ist er unbekannt, dafür gilt er in der Kommunikationsbranche als Leitfigur. Seit dreissig Jahren fördert Kühn das Marketing in Lehre, Forschung und Praxis und er hat diese Disziplin an der Uni verankert und die Ausbildung in der Werbebranche konzipiert und geprägt: Generationen von WerbeassistentInnen, WerbeleiterInnen, VerkaufsleiterInnen und MarketingleiterInnen haben dank seinen Lehrgängen ein eidgenössisches Diplom erlangt. Es ist demnach nicht übertrieben, Kühn als Schweizer Marketing-Guru zu bezeichnen. Dieser Meinung ist auch die Gesellschaft für Marketing, GfM, welche dem Berner Dozent soeben den jährlich verliehenen Marketingpreis überreicht und damit sein langjähriges Wirken als Förderer von geschäftsgerichteter Kommunikation gewürdigt hat. Ein triftiger Grund, Kühn auch als Kommunikator des Monats zu feiern.

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12.12.2001

Michael Schumacher
Rennfahrer

Michael Schumacher geniesst in breiten Kreisen eine enorme Popularität. Wenn er sein rotes Fahrzeug millimetergenau und pfeilschnell über die Pisten steuert und als erster der gewürfelten Fahne ansichtig wird, bleibt kein Auge trocken. Er ist der Grösste. Jedenfalls jener Handvoll Männer, deren Lebensinhalt darin besteht, jeweils am schnellsten an den Ausgangspunkt zurückzukehren. Diese unerhörte Popularität des Formel-1-Fahrers wird jetzt kommunikativ für die Schweiz in die Waagschale geworfen. Nachdem sich «Schumi» intensiv mit dem Gedanken trägt, hierzulande ansässig zu werden, hat er sich bereit erklärt, als Fotomodell für die Schweiz und deren Schönheiten zu posieren. Und er wird im Rahmen des UNO-Jahres der Berge unsere Berg- und Gletscherwelt kommunizieren. Der Auftritt des Deutschen wird dann zweifellos für Aufsehen sorgen, denn bereits über das Fotoshooting mit dem Star, Fotograf Michel Comte und der Werbeagentur W,H,S wurde in den Medien ausführlich berichtet. Und das war erst der Anfang.

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12.01.2002

Daniel Eckmann
Sprecher des Finanzministers

Gegen 100 Stunden pro Woche hat Daniel Eckmann in letzter Zeit gearbeitet, und er hat es nicht immer einfach gehabt. Der Sprecher von Bundesrat Kaspar Villiger musste in einer angespannten Zeit, in welcher stabile Verhältnisse ausser Kraft gesetzt waren, Transparenz schaffen und um Verständnis kämpfen. Nicht immer war das, was der 51-jährige Berner zu kommunizieren hatte, populär. Im Gegenteil: Viele verurteilten das Vorhaben des Bundes, bei der Swissair-Misere öffentliche Mittel einzusetzen. Es galt, Fakten und Zusammenhänge so zu präsentieren, dass sie auch ein Durchschnittsbürger verstehen und nachvollziehen kann. Insofern hat Eckmann eine enorm anspruchsvolle Zeit hinter sich. Denn: Wie er selbst zugibt, war er vor dem Swissair-Debakel weder mit dem Airline-Business noch mit Fragen rund um Nachlassstundungen besonders vertraut. Wer in solchen Momenten wie der ehemalige Infochef des Schweizer Fernsehens nicht nur Ruhe und Übersicht bewahrt, sondern auch Kompetenz und Glaubwürdigkeit ausstrahlt, ist ein geborener Kommunikator. Und verdient die Auszeichnung der Schweizer Werbung.

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12.02.2002

Thomas Borer
Ordensträger

Der Mann ist erstaunlich. Er bewegt sich auf diplomatischem und heiklem politischem Parkett ebenso geschmeidig wie auf dem Golfplatz, macht gute Miene zu boulevardesken Attacken auf seine glamouröse Gattin und ist bei alledem noch witzig. Das haben auch die Veranstalter des Aachener Karnevalsvereins gemerkt und Thomas Borer flugs zum Ritter ohne Furcht und Tadel ernannt. Diese Auszeichnung haben zwar auch schon andere Eidgenossen erhalten (z.B. Raimund Broger), doch die eigentliche Bewährung, der Auftritt vor der noblen Karnevalsgesellschaft in Anwesenheit des Fernsehens bestand keiner so überzeugend wie Borer. Der Herr Botschafter war witzig, geistreich, selbstironisch, spontan und satirisch, und man spürte: Er war im Element. Als er – sein Kinn keck nach vorne schiebend – die bösesten Sprüche von sich gab, hatte man das Gefühl, er mache nichts anderes als auf der Bühne zu stehen. Dass er dabei in gespielt schweizerischem Hochdeutsch einen umfassenden Sympathiespot für die Schweiz zum Besten gab, ist ihm hoch anzurechnen und belegt, dass der 44-jährige Diplomat über ausgesprochenes Kommunikationstalent verfügt. Sein Werbespot pro Helvetia hat manche Meinungsverschiedenheit zwischen Bern und Berlin geglättet.

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12.03.2002

Simon Ammann
Skispringer

Man muss weit zurückblättern in den Geschichtsbüchern, bis man auf ein Ereignis stösst, das unsere Nation dermassen in Aufregung versetzt hat, wie der doppelte Olympiasieg des St. Gallers Simon Ammann. Nicht, dass Ammann ein völlig unbeschriebenes Blatt gewesen wäre, seine Flüge zu Beginn des Jahers hatten durchaus vorhandenes Potential erkennen lassen, einen Sieg konnte er allerdings noch nie landen, sodass er höchstens zum erweiterten Kreis der Favoriten zu zählen war. Zwei unendlich lange Sprünge haben seinen Namen auf sämtliche Titelseiten gehievt und sein Leben verändert. Und mit Staunen konnte man feststellen, über welch kommunikatives Talent das Toggenburger Leichtgewicht verfügt. Ausgerechnet jemand aus einer engen Talschaft, deren Einwohnern man eher mit Scheuklappen als mit Flügeln in Verbindung bringt, zeigte, dass Kommunikation keine Erfindung der auch so offenen Städter ist. Und als Ammann dann beim US-Entertainer Dave Letterman Red und Antwort stand als ob er in seinem Gymnasiasten-Dasein noch nie etwas anderes getan hätte, war endgültig klar: Simi wird nicht nur auf Schanzen grosse Sprünge machen. Zumindest ist er schon mal Kommunikator des Monats bei der SW.

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12.04.2002

André Dosé
Airline-Chef

André Dosé ist im Moment ein gefragter Mann. Keine Tagesschau ohne Dosé, kein Tag ohne Artikel über den knapp 45-jährigen Chef der Swiss. Und dabei zeichnet sich der 1,90 Meter grosse Berner durch bemerkenswerte Gelassenhait aus. Selbst auf dem heissen Stuhl der «Rundschau» bleibt er sachlich und überlegt. Und mitunter greift er gar selbst zur Feder, um in Leserbriefen Stellung zu nehmen zu Kritik aus dem Publikum. Seit Monaten steht der ehemalige Spraypilot, der in Mississippi Insektizid verstäubte, im Dauerstress. Finanz-, Organisations-, Arbeitsrechts- und andere Probleme lassen Dosé nicht zur Ruhe kommen. Mit Engagement und kühlem Blut und bemerkenswertem Feingefühl ist es ihm gelungen, Crossair und Swissair ohne grössere Kollateralschäden einander näher zu bringen. Auch wenn noch nicht alle Probleme gelöst sind, für die MitarbeiterInnen des neuen Flugunternehmens ist Dosé trotz seines jugendlichen Alters zur neuen Gallionsfigur geworden. Und zum Hoffnungsträger. Wer wie Dosé Turbulenzen der gravierenden und permanenten Art dermassen cool wegsteckt und dabei glaubwürdig bleibt, muss ein hervorragender Kommunikator sein. Die SW wünscht ihm guten Flug und sichere Landung!

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12.05.2002

Christian Gross
Fussballtrainer

Es ist erstaunlich, was ein Mann auslösen kann, dem es gelungen ist, ein beschränktes Kader von fussballspielenden, jungen Männern derart zu konditionieren, dass sie auf dem Platz Sieg um Sieg erringen. Da musste alles zusammen stimmen: Technik, Taktik, Form und nicht zuletzt die Kommunikation zwischen Trainer und Mannschaft, respektive Clubleitung. Was der Coach des frischgebackenen Schweizer Fussballmeisters FC Basel, Christian Gross, geschafft hat, ist bemerkenswert und hat in der Fussballbastion am Rheinknie zu wahren Begeisterungsstürmen geführt, wie sie anderenorts in der Schweiz nicht denkbar sind: Zehntausende haben den rotblauen Kickern zugejubelt, haben sie gefeiert wie Helden, die Nacht zum Tag und die Arbeitstage zum Sonntag gemacht. Und nicht nur in Basel war der erste Meistertitel seit 22 Jahren Anlass zu emotionalen Eruptionen, die ganze Schweiz partizipierte via Medien am Freudentaumel der Rheinstädter. Nicht auszudenken, was auf uns zukommt, wenn der FCB auch noch den Cup gewinnt!

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12.06.2002

Bernard Challendes
Fussball-Coach

Das TV-Rating spricht eine deutliche Sprache: 570\'000 Zuschauer verfolgten das Spiel um den Halbfinaleinzug der U-21-Mannschaft gegen die übermächtig scheinenden Fussballer aus Italien. Ein Wert, der sogar vom A-Team nur ganz selten und schon lange nicht mehr erreicht worden ist. Über eine halbe Million Fussballfreunde liessen sich begeistern vom engagierten und couragierten Einsatz der Nachwuchsspieler, die mit unglaublichem Feuer zur Sache gingen. Die Leidenschaft, mit welcher die jungen Kicker ans Werk gingen, übertrug sich auf eine ganze Nation. Zumindest auf jenen Teil, der sich für das Spiel mit dem runden Leder interessiert. Ausgelöst hat die Euphorie Bernard Challendes. Der 51-jährige Neuenburger ist Trainer des U-21-Teams und hat es verstanden, die Jungs nicht nur technisch und taktisch, sondern auch emotional und mental auf die Partien vorzubereiten. Und mit originellen Einfällen hat er seine Mannen motiviert und aus ihnen das Letzte herausgeholt. Challendes ist dabei stets im Hintergrund geblieben, kein eitles Grossmaul, sondern ein Kumpel, der Sinn für das Echte und Menschliche hat. Es müsste im Fussball mehr Bernard Challendes geben.

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12.07.2002

Ronaldo
Fussballweltmeister

Einen Monat lang haben die Fussballer die Kommunikation monopolisiert. Das Thema hat Politik, Umwelt, Soziales und Kultur in die zweite Reihe gedrängt. Millionen haben rund um die Welt am TV jeweils die Spiele in Asien mitverfolgt. Mitgefiebert, gejubelt, geweint. Und selbst Leute, die sich sonst nicht besonders für das Treiben auf dem grünen Rasen interessieren, konnten sich der fussballerischen Aktualität nicht ganz entziehen. Mit dem Final fand das Fest, das zwar nationale Gefühle weckt, aber im Gegensatz zur Politik auf Fairness bedacht ist, jetzt ein Ende. Gleichzeitig wurde dem König der Spiele, dem Brasilianer Ronaldo die Krone aufgesetzt. Der 26-jährige Südamerikaner mit den Hasenzähnen und dem gewinnenden Lächeln hat nicht nur am meisten Tore erzielt, sondern mit seiner sympathischen Art viel für das durch die intrigante Verbandsspitze angeschlagene Image des Fussballs getan. Ronaldo ist als Vertreter eines attraktiven Fussballs und seiner integren Persönlichkeit auch ein hoffnungsvolles Beispiel für all jene, die in diesem Sport die einzige Möglichkeit sehen, der sozialen Misere zu entkommen. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht alle seine dümmliche neue Frisur kopieren.

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12.08.2002

Frank Bodin
Werber

Er ist sowas wie der Liebling der Werber. Feingliedrig, geistreich, freundlich und musikalisch begabt, repräsentiert Frank Bodin die sensible Ausgabe der sonst häufig etwas breitspurigen Werber. Und Frank hat Ideen. Gute Ideen. Seine jüngste hat – zumindest in Zürich – für einiges Medien-Aufsehen gesorgt. Seit Wochen hingen in der Limmatstadt gewissermassen keusche Plakate. Attraktive und gefühlvoll fotografierte Aufnahmen eines putzigen Hundes. Ohne Text, ohne Botschaft, ohne gar nichts. Man wunderte sich und erwartete Aufklärung à la Angie Becker. Doch gar nichts geschah. Der Hund war weiterhin zum Erstaunen der Bevölkerung und zur Freude der Plakatgesellschaften überall und in zahlreichen Posen präsent. Und dann plötzlich tauchten in der Presse Anzeigen auf. Ebenfalls mit einem Hund, diesmal aber mit einer Werbebotschaft für die Frauenzeitschrift Bolero. Die Agentur des Magazins, dessen CD eben Frank Bodin ist, hatte das Trittbrett des kommunikativen Zuges flugs erklommen und erntete damit einiges Aufsehen. Zumindest in Zürich. Ah ja, und was wollte der erste Hund? Er sollte, so hiess es aus dem Mund des Initianten, Walter Rüegg, einfach einen Beitrag zu einer optisch gefälligeren Stadt leisten. Insofern ist natürlich auch er ein Kommunikator des Monats.


12.09.2002

Max Künzler
verantwortlicher Organisator des Xongresses

Tausende strömen jeweils Mitte August in die Messehallen nach Zürich-Oerlikon, weil dort unter dem Titel X die grösste Schweizer Messe für Marketing, Kommunikation und Events stattfindet. Das X wird von Jahr zu Jahr mit der abgekürzten Jahreszahl ergänzt, was heisst, dass die diesjährige Veranstaltung unter X\'02 lief. Und diese X\'02 war, zumindest was den flankierenden Kongress (Xongress) betrifft, herausragend. Der verantwortliche Organisator, Max Künzler, hat nämlich für einmal nicht einfach Marketing-Cracks und Event-Gurus eingeladen, denen es primär um kommerzielle Aspekte geht, der Unternehmensleiter der Künzler-Bachmann Medien AG hatte die Courage, diesmal eigentliche Querdenker nach Zürich zu holen. Vor allem am Kommunikationstag traten mit Noreena Hertz (Buchautorin und Dozentin), Hans Hildbrand (Ex Greenpeace Geschäftsführer) und Paola Ghillani (Geschäftsleiterin Max Havelaar) Persönlichkeiten auf, welche nicht von schnödem Mammon sprachen, sondern davon, dass ethische Grundwerte in der Unternehmensphilosophie ständig an Bedeutung gewinnen. Und, dass man auch mit Anstand erfolgreich sein kann. Künzlers Mut zum Ungewöhnlichen wurde belohnt: Über 700 Personen haben am Xongress teilgenommen. Und jetzt wird er noch Kommunikator des Monats der SW.

 

12.10.2002

Huseyin
Papierloser

Seit 17 Jahren lebt und arbeitet der knapp 40-jährige Kurde Huseyin in einem Waadtländer Dorf. Unauffällig, still und arbeitsam. Und das aus gutem Grund: Huseyin, der seinen Familiennamen lieber nicht in den Medien sieht, ist ein Papierloser. Nachdem ein erstes Aufenthaltsgesuch in Basel abgelehnt worden war, hat sich der Metallarbeiter in Gros-de-Vaud niedergelassen, wo er seither in ständiger Angst lebte, entdeckt und ausgewiesen zu werden. Doch jetzt hat er genug vom unwürdigen Versteckspiel und ein Gesuch für eine Aufenthaltsbewilligung aus humanitären Gründen gestellt. Unterstützt wird er dabei von seinem Arbeitgeber, dem ehemaligen Motorradrennfahrer Roland Freymond sowie dem Gemeindepräsidenten des waadtländer Weilers, Michel Longchamp. Der Schritt aus der Anonymität war für den Flüchtling nicht einfach und anfänglich vermied es Huseyin, sich im einzigen Bistro des Dorfes zu zeigen. Doch die Leute, die grösstenteils gar nicht wussten, dass der Türke ohne Papiere hier weilt, stehen zu ihm. Sie hätten nicht gedacht, dass ein solches Leben ohne Rechte in der Schweiz überhaupt möglich ist. Wie auch immer sein Gesuch beurteilt wird, den Mut, sich als Papierloser zu «outen» und solidarische Gefühle in der Bevölkerung zu wecken, macht ihn zu unserem Kommunikator des Monats.

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12.11.2002

Martin Heller
Ausstellungsmacher

Er hat immer daran geglaubt. Bissige Kommentare, spitze Medienberichte oder unqualifizierte Kritik hat er weggesteckt, wie wenn sie ihn nichts angingen. Martin Heller ist stets cool geblieben und überlegt. Und heute kann der künstlerische Leiter der Expo.02 getrost und befriedigt zurückblicken: Zehn Millionen Besucher sprechen eine deutliche Sprache – diejenige des Erfolgs. Gewiss, der wirkliche Erfolg der Landesausstellung wird sich erst aus der Erinnerung messen lassen, und die finanzielle Seite ist noch nicht ausdiskutiert. Aber Heller hat etwas erreicht, was man lange Zeit fast für unmöglich gehalten hatte: Die Expo.02 hat stattgefunden. Und zwar in einer Form, welche kulturellen Ansprüchen in hohem Masse gerecht wurde. Martin Hellers Verdienst ist aber nicht einfach das Programm, sondern auch die Tatsache, dass es ihm gelungen ist, Kultur und Kommerz unter einen Hut zu bringen. Von Anfang an hat der knapp 50-jährige Ausstellungsmacher auf Kommunikation gesetzt. Entsprechend war auch sein Konzept: Die Expo.02 sollte vor allem in Form von Inszenierungen mit ihren Besuchern kommunizieren. Dafür ernennt ihn die Schweizer Werbung SW zum Kommunikator des Monats.

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12.12.2002

Bugsy
Plakathase

Bereits zum zweiten Mal hat ein Plakatgeschöpf die kommunikative Schweiz beschäftigt. Nach Angie Becker war es diesmal ein Hase namens Bugsy. Hinter der Kampagne steht, das weiss man seit der Auflösung der Teaser-Plakate, welche einen Dialog mit Handyinhabern anstrebte, die Swisscom. Sie teilte mit, dass 15\'000 Personen auf Grund des Plakats zum Natel gegriffen hätten: 64 Prozent davon wünschten dem flauschigen Langohr die Freiheit. Wie man hört, gab es für die durchaus kommunikative Idee reichlich Rüffel: Die Swisscom ziehe damit den Kunden bloss das Geld aus der Tasche, monieren irgendwelche Kleinkrämer, Tierfreunde erbarmten sich des ach so bedauernswerten Geschöpfes, das für kommerzielle Zwecke missbraucht worden sei, und sogar Metzger fühlten sich imagegeschädigt. Es ist schon erstaunlich: Im Nahen Osten geschehen Tag für Tag die abscheulichsten Dinge, Unschuldige werden in die Luft gesprengt, andere aus Rache brutal ermordet. Und kaum jemand protestiert. Wenn aber ein Hase, der naturgemäss von nichts weiss, für ein paar Tage als Fotomodell ins kommunikative Rampenlicht tritt und dann unbeschadet in die Freiheit hoppelt, schlagen die Wellen der Empörung hoch. Abstruse Welt.

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12.01.2003

Ralph Zloczower
Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes

Fast 50 Jahre hat es gedauert, bis die Schweiz wieder mit der Organisation einer wirklich grossen und bedeutenden Veranstaltung betraut wurde. Zugegeben, ohne die Kooperation mit unserem östlichen Nachbarn wäre die Sache nicht zu Stande gekommen. Die Leistung des Schweizerischen Fussballverbandes soll dennoch nicht geschmälert werden. Verbandspräsident Ralph Zloczower hat sich enorm für das Projekt eingesetzt, und sein intensives Lobying hat nun verdient Früchte getragen. Der Erfolg ist Balsam auf die Wunden, welche die Niederlage der Sion-Olympia-Kandidatur geschlagen hat. Die Kandidatur der deutschen Nachbarländer hatte auch der Ex-Fussballer Franz Beckenbauer als «Idealpaarung» beschrieben: «ÖFB-Präsident Friedrich Stickler und sein Schweizer Kollege Ralph Zloczower haben hervorragende Arbeit geleistet», meinte Beckenbauer. Und: «Besser kann man eine Bewerbung eigentlich nicht vortragen.» Dieser prominenten Meinung schliesst sich auch die Schweizer Werbung SW an und ernennt Ralph Zloczower mit Akklamation zum Kommunikator des Monats.

shr.


12.02.2003

Ingrid Deltenre
designierte SRG-Direktorin

Das Kommunizieren liegt ihr im Blut. Für sie ist es nicht ein Muss, sondern Normalität. Sie kommuniziert nicht, weil es ihr Vorteile bringt, sondern weil es ihr ein Bedürfnis ist. Kein Wunder: Ingrid Deltenre war schon als Kind auf der halben Welt zu Hauses, ihr Vater, ein BBC-Ingenieur, arbeitete allenthalben an einem anderen Ort. Da lernte die kleine Ingrid nicht nur Sprachen, sondern auch andere Mentalitäten und Kulturen kennen. Und ihr Horizont erhielt eine grosszügige Dimension. Die 42-jährige gebürtige Holländerin wollte ursprünglich Journalistin werden. Ohne übermässig ehrgeizig zu sein, stand ihre Karriere – wie es scheint – stets unter einem glücklichen Stern. Ohne Verbissenheit erklomm sie Stufe um Stufe, und sie wurde nicht zuletzt wegen ihres stets freundlichen und dennoch engagierten Naturells von Verantwortlichen mit Interesse und Wohlwollen begleitet. Sie musste sich nicht um Jobs kümmern, sie wurden ihr angetragen. Und selbst Neider oder ignorante Kritiker konnten ihr keine Hindernisse in den Weg legen. Dass Ingrid Deltenre zur neuen Direktorin der SRG gewählt wurde, hängt nicht nur mit ihrem Können und Wissen, sondern auch mit ihrer respektvollen Art zu kommunizieren und ihrer Integrität zusammen. Und so wie sie vorher reussiert hat, wird sie auch am neuen Ort erfolgreich sein.

Piero Schäfer

 

12.03.2003

Ernesto Bertarelli
Gewinner des America\'s Cup

Drei Jahre hat Ernesto Bertarelli gebraucht, um Sportgeschichte zu schreiben: Zusammen mit einem exzellenten internationalen Team hat der 38-jährige Genfer die älteste Sporttrophäe, den America\'s Cup, gewonnen. Das ist eine Sensation und war sogar der ehrwürdigen NZZ eine Meldung auf der Frontseite wert. Bertarelli hat mit seiner «Alinghi» fertiggebracht, was viele andere ebenfalls reiche Männer vor ihm vergeblich versucht hatten. Schon der Sieg im Louis Vuitton Cup, der erst die Möglichkeit eröffnete, gegen Titelverteidiger Neuseeland anzutreten, war ein Riesenerfolg und hat im Binnenalnd Schweiz echte Begeisterung für den Segelsport ausgelöst. Der sympathische Industrielle mit dem breiten Lachen hat aber auch weltweit für Furore und Anerkennung gesorgt und die Schweiz wieder einmal positiv in die Schlagzeilen gebracht. Vor allem natürlich in den grossen Segelnationen USA, Australien, England und Neuseeland. Bertarelli, der sich auch als geschickter Kommunikator in einem kosmopolitischen Team profilierte, hat damit für unser Land beste Werbung gemacht und einen Schub an Selbstbewusstsein ausgelöst. Und das können wir im Moment ziemlich gut gebrauchen.

Piero Schäfer

 

12.04.2003

FCB Leutenegger Krüll
Werbeagentur

Der abscheuliche Krieg im Irak sorgt für Frustration und Gefühle der Ohnmacht. Stumm und kopfschüttelnd nimmt man das zerstörerische und teuflische Werk der Bomben und Raketen wahr und nimmt Anteil am Schicksal der unschuldigen Menschen in dem gebeutelten Land. Machtlos ballt man die Faust im Sack und verflucht je nach Standpunkt die eine oder die andere Seite. Oder beide. Die einen gehen auf die Strasse, um ihre Wut auszudrücken, andere hängen Peace-Fahnen aus dem Fenster. Auch die Zürcher Werbeagentur FCB Leutenegger Krüll mochte das barbarische Treiben nicht einfach kommentarlos hinnehmen: Im SonntagsBlick schaltete die Agentur eine ganzseitige Anzeige gegen den Krieg. Man habe damit einem allgemeinen Unbehagen Ausdruck verleihen wollen, meint dazu CEO Peter Leutenegger. Natürlich wird die Aktion weder die Parteien noch den Kriegsverlauf beeinflussen, sie zeigt aber gleichwohl, dass auch hierzulande noch nicht alle resigniert haben und sich dezidiert gegen die scheinbar unabwendbare Logik des Kriegs engagieren. Und dafür ernennt die Schweizer Werbung SW die Agentur FCB Leutenegger Krüll zum Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer


09.05.2003

Martin Schürch
Tourismus Manager, Grächen

Man könnte es das Gutschein-Syndrom nennen, und wir kennen es alle: Bons, Vergünstigungen oder Gutscheine, in deren Besitz man aus einem meist erfreulichen Anlass kommt, verweilen allenthalben in einer Schublade ohne ihre wohltuende Wirkung entfalten zu können. Noch im Sommer war man grimmig entschlossen, das Wertpapier für das Wochenende für zwei Personen diesmal nicht dem zeitlichen Verfall zu überlassen. Doch an Silvester registriert man: Schon wieder verpasst. So ging es auch vielen Deutschen, die beim Wechsel zum Euro den Rückgabetermin der alten Noten bei den kommerziellen Banken verpassten. Da lagern wohl noch kleine Vermögen in irgendwelchen Schuhschachteln jenseits des Rheins. Das nahm Martin Schürch, Tourismus-Manager des Ferienortes Grächen, an, als er seine Aktion lancierte und den deutschen Feriengästen anerbot, mit der guten alten DM zu bezahlen. Wenigstens zwei Wochen lang und über Ostern. Und wie das Ergebnis zeigt, hatte der 31-jährige Walliser recht: Viele Stammgäste haben davon profitiert und rund 10\'000 DM ins Wallis gebracht. Wer an einem Ferienort dermassen verwöhnt wird, war sicher nicht das letzte Mal dort. Schürchs Osteraktion ist mithin eine ausgezeichnete Kommunikations- und Marketingidee, welche die Schweizer Werbung mit dem Titel «Kommunikator des Monats» belohnt.

Piero Schäfer

 

02.06.2003

Micheline Calmy-Rey
Bundesrätin 2003 - 2011, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Bundespräsidentin 2007 und 2011

Die Schweiz nimmt man im Ausland nicht gerade intensiv zur Kenntnis. Am ehesten noch auf Postkarten mit dem Matterhorn. Und das ist ja weitgehend italienisch. Ansonsten findet unser Land eigentlich selten statt. Wie man jetzt bei der Feier zum 300-jährigen Bestehen von St. Petersburg wieder erleben konnte: Man hat dort offenbar ganz einfach vergessen, die offizielle Schweiz einzuladen. Vielleicht verwechselte man sie auch mit Schweden oder Liechtenstein. Wie auch immer, es schadet nicht, wenn mitunter jemand etwas tut, das unserem Land rein imagemässig und kommunikativ ein wenig unter die Arme greift. Ob der Gang über die Demarkationslinie zwischen Süd- und Nordkorea politisch besonders einträglich ist, kann man sich fragen, aber der Hupfer von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey über die ominöse Grenzlinie hat einiges Aufsehen erregt. Ich hab zwar keinen Beweis, aber ich bin sicher, dass der couragierte Auftritt der unkonventionellen Frau aus Genf unserem Land mehr Medienpräsenz in der Welt gebracht hat als Simon Ammans Doppelolympiasieg. Und dort draussen hat man verwundert zur Kenntnis genommen, dass es da ein Land gibt, dessen Vertreterin Sinn für Dialog und Kommunikation hat. Kein Wunder gibt es dafür von der SW den Titel «Kommunikatorin des Monats».

Piero Schäfer

 


30.06.2003

Peter Wider
Inhaber eines Sportgeschäftes

Da haben wohl viele gestaunt – Anhänger der SVP wohl ganze Bauklötze –, als sie die Anzeige mit dem Spruch «Das haben wir den Ausländern zu verdanken» sahen. Für einmal standen die Un-Schweizer nämlich nicht im Kreuzfeuer ermüdender Kritik, sondern die Anzeige warb für brandheisse Bikes und Zubehör aus aller Herren Länder, in denen scheinbar die beste Zweiradware hergestellt wird. In Anlehnung an manche fremdenfeindliche Anzeigen der Blocher-Partei war die Werbung für das Unternehmen «Sportplausch Wider» in Wallisellen im bekannten SVP-Stil entworfen worden, samt lachender Sonne und Schweizer Fahne. Und statt SVP prangt das Kürzel SPW (Sportplausch Wider) auf dem Inserat. Wer nur flüchtig hinschaute, traute seinen Augen nicht, wer es genauer tat, schmunzelte ab dieser schelmischen Idee. Geschmunzelt hat übrigens offenbar auch Christoph Blocher, der gemäss Fachpresse die Idee sogar lustig fand. Wer sowas schafft, muss ein feines Gespür für Kommunikation haben. Die Auszeichnung Kommunikator des Monats geht deshalb diesmal an Peter Wider, Inhaber von Sportplausch Wider in Wallisellen.

Piero Schäfer

 

04.08.2003

Thierry Barrigue
Karikaturist

In der Deutschschweiz kennt man ihn weniger, und auch der Skandal, den Thierry Barrigue ausgelöst hat, ist kaum über den Röschtigraben hinweg gedrungen. Das macht ihn freilich nicht weniger bemerkenswert, denn sowas könnte auch in Bern, Basel oder Zürich geschehen. Worum geht es? Erstmals ist in der Romandie ein Lehrmittel für alle Kantone gemeinsam konzipiert worden. Es handelt sich um ein Mathematikbuch für die Sekundarschule. Und weil Mathe an sich bekanntlich reichlich trocken ist, hat man den bekannten Le-Temps-Karikaturisten Barrigue damit beauftragt, das Werk illustrativ etwas aufzulockern. Rund 100 Zeichnungen hat der 50-jährige Franzose zur Auflockerung beigesteuert. Und die Auftrags-Kommission, welche aus Lehrern und Beamten besteht, hat das Werk abgesegnet. Doch sie hatten die Rechnung ohne eine Gruppe von Lehrern in Genf und in der Waadt gemacht, welche sich von den mitunter auch satirischen Kreationen verletzt fühlten. Sie formulierten Protest, und jetzt müssen über 100\'000 Bücher eingestampft werden. Die neuen erscheinen dann ohne Barrigue-Karikaturen. Es lebe der Humor. Traurig ist die Sache natürlich nicht nur für die Schüler, die jetzt wieder ein staubtrockenes Buch erhalten, sondern besonders auch für Barrigue. Um ihn zu trösten, hat ihn die Schweizer Werbung SW zum Kommunikator des Monats gewählt.

Piero Schäfer

 


01.09.2003

Michaela
Jahrhundert-Hoch

Die Tageszeitungen überboten sich mit Superlativen. «Hitzesommer bricht alle Rekorde», «So heiss war es noch nie» frohlockten die Titel, die täglich auf den Frontseiten prangten. Und fast jede Ausgabe meldete neue Höchstwerte. Die grandiose Schönwetterperiode beflügelte sogar die SRG-Wetter-Moderatorinnen, die auf ihrem Turm in Oerlikon weniger Versprecher produzierten als auch schon und zu einem kleinen Zwischenhoch aufliefen. Verantwortlich für die mediterranen, leichtfüssigen Verhältnisse nördlich des Gotthards war ein Hoch, das den Namen Michaela erhalten hatte. Michaela veränderte unser Leben, liess Lebensgeister erwecken, die in unseren Breitengraden nur spärlich vorhanden sind. Doch bald verlor Michaela ihre Unschuld und brachte Verderben, Umweltkatastrophen, Waldbrände und Tod über den Kontinent. Und wieder stand die an sich holde Dame, die in ihrer Eitelkeit alles um sich herum vergass, am Anfang der Tagesnachrichten. Aus der liebreizenden, charmanten Erscheinung war eine aufreizende, aufdringliche Furie geworden, die scheinbar selbstsüchtig für Zerstörung und Verzweiflung sorgte. Aus welcher Warte man die letzten Monate auch immer betrachtet, eines ist klar: Der Sommer 2003 stand im Zeichen von Michaela. Die einen werden sie in guter, die anderen in schlechter Erinnerung behalten. Sicher ist: Für so viele Schlagzeilen wie Michaela hat schon lange niemand mehr gesorgt.

Piero Schäfer

 

06.10.2003

Peter Schellenberg
Fernsehdirektor

Seit 15 Jahren ist Peter Schellenberg Direktor SF DRS. Und in dieser Zeit hat er sich einen Namen als konsequenter Verfechter und engagierter Kämpfer für «sein» Fernsehen gemacht. Wortgewaltig und ziemlich direkt hat der 63-Jährige seine Ansicht vertreten und mitunter unliebsamen Kritikern ganz gehörig die Leviten gelesen. Streitbar ist zweifellos ein Wort, um welches man im Zusammenhang mit einer Charakterisierung des TV-Bosses nicht herum kommt. Süssholzraspeln ist nun wirklich nicht sein Ding. Dass «Schälli» aber auch eine andere, sensiblere Seite hat, zeigt die Umsetzung einer seiner wohl letzten Ideen: In einer mehrteiligen Spot-Serie bedankt sich das Fernsehen bei den Zuschauerinnen und Zuschauern für ihre Treue und vor allem für ihre konzessionsmässig erbrachte Unterstützung. «Es ist für uns die einzige vernünftige Gelegenheit, unseren Zuschauerinnen und Zuschauern einmal ganz ausdrücklich zu danken», so sein Kommentar. Und weiter: «Dass es ‹50 Jahre Schweizer Fernsehen› gibt, liegt wesentlich auch an ihnen. Zu danken haben wir für ihre kritische Aufmerksamkeit, ihre Treue, und ganz prosaisch auch für die Gebühren. Denn im Grunde sind sie unsere Auftraggeber – sie ermöglichen unsere Arbeit, indem sie, nicht immer freiwillig, unseren Lohn, unsere Arbeitsplätze bezahlen und unser Produkt abnehmen. Mit diesem ‹Danke› möchten wir auch ausdrücken, dass wir uns dessen bewusst sind.»
 
Wie der Initiator richtig bemerkt, ist die angesprochene monetäre Unterstützung nicht ganz freiwillig, die Idee, sich dafür zu bedanken, ist aber gleichwohl eine nette Geste, welche bei den TV-KonsumentInnen gut ankommt. «Danke sagen» hat im Moment nicht gerade Konjunktur. Schellenberg hat sich damit nicht nur einen äusserst sympathischen Abgang verschafft (er tritt nach 40 Iahren SF DRS sein Amt auf den 1. Januar 2004 an Ingrid Deltenre ab), er hat sich damit gleichzeitig auch den Titel «Kommunikator der Monats» der Schweizer Werbung verdient.

Piero Schäfer

 

03.11.2003

Thomas Mor
VFSN-Präsident

Mit Bangen erwartete man in Zürich und Umgebung am 30. Oktober die ersten Flugzeuge aus dem Süden. In den Tagen davor hatte sich die Opposition gegen die unpopuläre Massnahme massiv verstärkt, und es fehlte auch nicht an bedrohlichen Äusserungen, welche sogar Kurzschlusshandlungen nicht ausschlossen. Doch einer blieb stets cool und überlegt: Thomas Morf, Präsident des Vereins Flugschneise Süd – Nein, kurz VFSN. Der besonnene Mann ist zwar sehr wohl bereit, energisch gegen die aufgezwungenen Südanflüge zu protestieren, doch er hat dabei in keinem Moment die Vernunft aus den Augen verloren. Auch dann nicht, als gut 500 seiner MitstreiterInnen im Flughafen eine Mahnwache aufzogen. Morf war stets dafür besorgt, dass der Betrieb des Flughafens nicht gestört wird. «Wir kämpfen weiterhin legal für die Sicherheit und die Lebensqualität in unseren Wohngebieten», versprach Morf. Nachdem sich der Protest inzwischen thematisch von der reinen Lärmbelästigung Richtung Sicherheitsfragen verschoben hat, ist das umso wichtiger, denn je bedrohlicher eine Situation ist, desto geharnischter und unüberlegt sind die Reaktionen. Bisher hat Morf einen tadellosen Job gemacht, und die Schweizer Werbung SW erkürt ihn deshalb zum Kommunikator de Monats.

Piero Schäfer


01.12.2003

Michel Bonnefous
Direktor AC Management

Die temperamentvolle Bürgermeisterin von Valencia, Rita Barbera, war ziemlich aus dem Häuschen. Soeben hatte sie erfahren, dass die Management AG, der kommerzielle Verwaltungsapparat des Allinghi-Abenteuers, ihre Stadt mit der Ausrichtung des Americas Cups 2007 betraut hatte. «Das ist genau das, was Valencia braucht», frohlockte die dynamische Frau. Ausgelöst hat die Euphorie an der spanischen Küste der Direktor der AC Management, der Genfer Michel Bonnefous. Die AC Management wird verantwortlich sein für den ganzen Anlass, für das gesamte Sponsoring und die Wettfahrtleitung, welche die Regeln der Herausforderung festlegt. Bereits fünf Stunden nach dem Entscheid, sass der Jugendfreund von Ertnesto Bertarelli im Flugzeug, mit im Gepäck hatte er die über einen Meter hohe Silberkanne, welche Allinghi im letzten Frühjahr gewonnen hat. Angesichts der Zahlen, die mit der Austragung des Americas Cups verbunden sind, kann man die Freude der Spanier verstehen: 1,5 Milliarden Euro soll Neuseeland kassiert haben. Rund 10\'000 Arbeitsplätze sind geschaffen worden, von welchen insbesondere die Bauwirtschaft und die Gastronomie profitiert haben. Für Rita Barbera muss Michel Bonnefous sowas wie der Weihnachtsmann sein. Oder zumindest ein hervorragender Kommunikator.

 

03.01.2004

Alexis Kelle
Initiant des Genfer Abkommens

Fast täglich nimmt man aufgewühlt, ohnmächtig und voller Abscheu die Ereignisse im Nahen Osten zur Kenntnis. Viele mögen die Nachrichten über die beidseits unerbittlich brutalen Einsätze schon gar nicht mehr hören, resignieren und verdrängen die Taten, welche vielerorts nur noch Kopfschütteln auslösen. Doch einer hat nicht weg geschaut. Einer hat gehandelt: Alexis Keller, 41-jähriger Privatdozent aus Genf, hat es fertig gebracht, Politiker, Intellektuelle und Militärs der beiden verfeindeten Lager von Israel und Palästina an den Verhandlungstisch zu bringen, um einen Entwurf für ein Friedensabkommen auszuhandeln. Das Papier hat ein gewaltiges Echo ausgelöst und den zurückhaltenden Schweizer weltweit bekannt gemacht. Sein Bild war auf den Frontseiten aller grossen Blätter zu sehen, und seine Initiative hat berühmten Männern bedeutungsvolle Worte entlockt. Sie alle setzen grosse Hoffnungen darauf, dass das Abkommen, welches Keller als Sondergesandter von Micheline Calmy-Rey entworfen hat, endlich den ersehnten Frieden in der Region bringen möge. Oder wenigsten erste Schritte dazu. Abgesehen davon, dass das Friedenspapier von globaler Bedeutung ist, hat es auch dazu geführt, dass die Schweiz aussenpolitisch wieder einmal positiv zur Kenntnis genommen wurde. Allein dafür schon hätte Alexis Keller die Auszeichnung SW-Kommunikator des Monats verdient. So aber verdient er gar den Titel Kommunikator des Jahres 2003.

Piero Schäfer

 

02.02.2004

Michael Conrad
Werber

Einmal im Jahr breiten die kreativsten Werber des Landes, die sich im Art Directors Club konstituiert haben, ihre Arbeiten zwecks Beurteilung eben der ihnen scheinbar eigenen Kreativität aus. Sie tun das seit Jahrzehnten und mit grossem Aufwand. Einen griffigen und objektiven Raster für die Beurteilung gab es dafür freilich nicht, gehen doch die Geschmäcker bekanntlich auseinander. Da die Qual der Wahl eminent war, führte das weiche Auswahlverfahren lange Jahre zu einer eigentlichen Flut von Auszeichnungen, welche den Eindruck hat aufkommen lassen, die Schweizer seien besonders tüchtig, sprich kreativ. Dem ist aber, wie man im internationalen Vergleich feststellen kann, nicht unbedingt so. Abhilfe nahte mit einem neuen Bewertungsmodus, welchen Michael Conrad für den diesjährige ADC-Wettbewerb vorgeschlagen hat. Zehn Kriterien sind es, nach welchen jetzt benotet wird, und das System des international renommierten Kreativen Conrad scheint auch die Schweizer überzeugt zu haben. Statt der üblicherweise unübersichtlichen und inflationären Menge von ADC-Würfeln gab es heuer in den acht Kategorien nur relativ wenig Auszeichnungen: 3-mal Gold, 9-mal Silber und 48-mal Bronce. Dank Michael Conrad und seinem neuen Modus sind die Schweizer Kreativen gewissermassen auf den Boden der Realität gelandet und europakompatibel geworden. Und dafür verleiht die SW dem 59-jährigen Deutschen den Titel Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

01.03.2004

Andy Rihs
Radsportsponsor

Es ist gewissermassen sein Beruf, für gute Kommunikation zu Sorgen: Andy Rihs, Mitbegründer des Schweizer Hörgeräteherstellers Phonak, weiss, wie wichtig es ist, zu sprechen und zuzuhören. Als Unternehmer hat sich Rihs bereits verdient gemacht, und jetzt kann er auch als Sponsor der einzigen Schweizer Radsportgruppe einen grossen Erfolg feiern: Die mit der Verpflichtung des heroischen Vorjahresvierten Tyler Hamilton vor einem halben Jahr angelaufene «Operation Tour de France» ist soeben erfolgreich abgeschlossen worden: Der Schweizer Rennstall Phonak wird beim Start der Tour de France am 3. Juli in Lüttich erstmals mit dabei sein. Sowas kommt natürlich nicht von selbst und erfordert neben einer ausgeklügelten Strategie auch grosse kommunikative Fähigkeiten. Und über die verfügt der Phonak-Chef zweifellos. Seit Jahren baut er an der Radsportgruppe, welche dank der Verpflichtung der beiden Stars Tyler Hamilton und Oscar Sevilla zweifellos zu den heissen Kandidaten auf einen vorderen Rang bei der Teamwertung gehört. Und wer den Kommunikationsimpact der dreiwöchigen Tour de France kennt, weiss, dass es kaum ein effizienteres Mittel gibt, Brands in Europa bekannt zu machen. Oder haben Sie vor deren Teilnahme an der Tour de France gewusst, was Parmalat oder Once ist? Bald weiss jedes Kind im Kontinent was Phonak bedeutet. Und dann kann Andy Rihs die Früchte seiner bemerkenswerten Kommunikation ernten: Auch Kinder werden einmal älter.

Piero Schäfer

 

05.04.2004

Stéfane Lambiel
Eiskunstläufer

Es tat richtig gut: Tausende und aber Tausende begeisterte Deutsche spendeten dem Schweizer Beifall. Und nicht nur das: Sie erhoben sich von ihren Sitzplätzen zu einer Standing Ovation. Nach all den Sticheleien und hintergründig verabreichten Strafaktionen gewisser deutscher Politiker, gab es endlich wieder einmal eine erfreuliche Reaktion von Deutschen gegenüber ihren südlichen Nachbarn. Leider handelte es sich dabei aber nicht um Anerkennung für eine politische Übereinstimmung, die begeistert Klatschenden waren Zeuge geworden einer wunderbaren Kür des jungen Schweizer Eiskunstläufers Stéfane Lambiel. Mit seinen unnachahmlichen Pirouetten hatte der junge Walliser das Publikum in Dortmund zu wahren Begeisterungsstürmen motiviert. Die Leichtigkeit, mit welcher der elegante junge Mann die in letzter Zeit leicht verstopfte Grenze übersprang, ist nicht nur sportlich bemerkenswert, sondern auch ein gewinnender Akt gelebter Kommunikation. Wenn sich unsere Volksvertreter und Diplomaten ebenso beschwingt auf dem politischen Parkett bewegen könnten, gäbe es sicher weniger Missstimmungen zwischen uns und der EU.

Piero Schäfer

 

03.05.2004

Luzius Wasescha
Botschafter und Zoll-Delegationsleiter

Auf Anfang Mai hätte der Streit zwischen der EU und der Schweiz betreffend Erhebung von Zöllen auf Wiederexporten von Waren in die EU beigelegt sein sollen. Noch ist es zwar nicht soweit, doch die Chancen, dass nicht kommt, was nicht kommen darf (wenigstens für gewisse Branchen), scheinen nicht schlecht zu stehen. Ein Sprecher der EU meinte, beide Seiten seien bestrebt, mögliche Störungen im Warenverkehr zwischen der Schweiz und der EU zu minimieren.» Der Leiter der eidgenössischen Delegation, Botschafter Luzius Wasescha, hofft ebenfalls auf eine konstruktive Lösung. Es sei möglich, eine Einigung auf Grundlage des bestehenden Freihandelsabkommens zu finden. Die Suppe wird wohl nicht so heiss gegessen, wie gekocht – die Betroffenen setzen jedenfalls grosse Hoffnungen in das Verhandlungsgeschick des Schweizer Botschafters Wasescha, dessen Bemühungen die Schweizer Werbung mit der Auszeichnung «Kommunikator des Monats» würdigt. Seinem Talent und Engagement haben es wohl zahlreiche Unternehmen vom Autohandel über die Maschinen- und Textilindustrie bis zur chemischen Industrie zu verdanken, wenn die Zölle nicht wie geplant am 1. Juni in Kraft treten.

Piero Schäfer

 

02.06.2004

Jakob Kellenberger
IKRK-Präsident

Es gibt wohl nicht manche Jobs auf der Welt, welche betreffend Kommunikationsanforderung derart problematisch sind wie das Präsidium des IKRK. Das wurde einmal mehr verdeutlicht, als vertrauliche IKRK-Berichte in der Öffentlichkeit auftauchten, welche die Verhältnisse im irakischen Gefängnis Abu Ghraib publik machten. Denn obschon das öffentliche Bekanntwerden des geheimen Papieres das Beseitigen der inakzeptablen Verhältnisse beschleunigt hat, ist Jakob Kellenberger, seit dem Jahre 2000 Präsident des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes, der Meinung, dass Vertraulichkeit auf Dauer gesehen das wirksamere Mittel im Kampf um mehr Humanität darstellt. Kellenberger, dem es mitunter ebenfalls schwer fällt, über beobachtete Missstände zu schweigen, respektive nur mit den betroffenen Kreisen zu diskutieren, ist überzeugt, dass die Indiskretion nicht im IKRK passiert ist und dass die bisherige zurückhaltende Kommunikationspolitik des IKRK richtig ist. Auch wenn die Sache ohne Wissen des IKRK-Chefs in die Medien gelangte, die Öffentlichkeit, die ein weniger sensibles Gespür für die heikle Kommunikationstätigkeit des Komitees hat, glaubt, das IKRK habe das Richtige getan und ist überzeugt, dass die Umgehung der Vertraulichkeit für einmal sinnvoll war. Auch wenn sie Jakob Kellenberger nicht zu verantworten hat.

Piero Schäfer

 

30.06.2004

Claude Catsky
Werber

Der Süden bringt uns im Moment nicht übermässig Glück: Kein Sieg und nur ein Tor an der EM in Portugal, dafür rote Karten, eine spukhafte Speichelaffäre und in Cannes ausser ein paar Shortlist-Auftritten nur gerade ein einziges Löwentier. Man wird bescheiden. Ausgezeichnet wurde immerhin Claude Catsky, der sich vor rund acht Jahren selbständig gemacht hatte (so genau weiss er das nicht) und zwar für «Car Mechanic» des Rehabilitations Centers Suvacare in der Kategorie «Press & Outdoor». Dem Preisgewinn kommt umso grössere Bedeutung zu, als Catsky als einziger seines Landes zu Ehren kam. Trotz Ortsabwesenheit soll er das Ereignis ausgiebig gefeiert haben. Kein Wunder: Seine Konkurrenten aus der Heimat, die auf der Shortlist figurierend immerhin einen Hauch von Vorfreude und Glamour schnuppern konnten, tragen klingende Namen (Advico, Young & Rubicam, Ruf Lanz, Lesch+Frei und Matter & Partner). Die hiesigen Gazetten waren zwar nicht gerade voll mit der Erfolgsmeldung des 43-Jährigen, wenn man aber als einziger im Ausland für einheimisches Schaffen Ehre einlegt, ist das allemal ein Grund für einen Titel. Wenigstens den des SW-Kommunikators des Monats.

Piero Schäfer

 

02.08.2004

Lukas Leuenberger
Theater-Produzent

Die Idee ist eigenwillig, wie fast alles, was Lukas Leuenberger anpackt: Exakt 200 Jahre nach der Uraufführung Friedrich Schillers Drama «Wilhelm Tell» spielt der Schweizer Nationalheld seine Rolle erstmals dort, wo sie gemäss Legende stattgefunden hat: auf dem Rütli. Und Leuenberger hat für die Premiere einigen Aufwand getrieben. Zuerst musste er sich um die Bewilligung bemühen, dann das infrastrukturelle Defizit beheben, was dadurch geschah, dass sämtliches Material per Helikopter übergesetzt wurde. Rund 3000 Personen waren nötig, um das gewagte und rund 5 Millionen Franken teure Projekt in die Tat um zu setzen. Abgesehen davon, dass diese Tell-Aufführung die erste und auf lange Zeit wohl auch einzige kulturelle Veranstaltung auf dem Rütli ist, hat das Grossereignis den Vorteil, dass der Nationalfeiertag für einmal nicht von rechtsextremen Chaoten missbraucht werden kann, es findet nämlich gar keine Feier statt. Das ungewöhnliche Vorhaben, welches zeigt, dass bei uns doch noch unkonventionelle Ideen umgesetzt werden können, hat auch die NZZ begeistert. Sie schrieb: «Ein rühriger Produzent wie Lukas Leuenberger, ausgestattet mit einem Emmentaler «Gring», musste dieses Feuer entfachen und durfte sich nicht beirren lassen. Sein Enthusiasmus wirkte ansteckend.» Inzwischen hat es weite Teile der Bevölkerung erfasst.

Piero Schäfer

 

31.08.2004

Peter Hofstetter
Mediaspezialist

«Mediaxis ist keine gewöhnliche Mediaagentur und will es gar nicht sein», heisst es auf der Homepage der Zürcher Werbefirma. Und tatsächlich geht das Kommunikationsunternehmen mitunter unkonventionelle Wege. Zumindest in diesem einen Fall ist es verbrieft. «Als im August die SF-DRS-Serie «Leben wie zu Gotthelfs Zeiten» über die Bildschirme flimmerte, flimmerte eine Idee durch den Kopf des Agenturleiters Peter Hofstetter: Er warf sich in ein historisches Kostüm, belud ein Packpferd mit einem Harass des neuen Feldschlösschen-Bieres Urtrüb und trottete los. Dergestalt aufgemacht, gelang es ihm, bis zu der «Gotthelf-Familie» Zuppiger und – was kommunikationstechnisch relevanter ist – bis in die Fernsehstuben vorzudringen. Ein Vorhaben, das bis dato niemandem gelungen war. Hofstetter freute es und mit ihm alle, die an der Guerilla-Marketing-Aktion beteiligt waren. Auch die Zuppigers (zumindest der Vater) hätten Gefallen gefunden am Mitbringsel, wenn das Fernsehen ihnen nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht und das Gebräu eingezogen hätte. Wie auch immer, Mediaxis‘ Idee und crossmedialer Gedanke sind lobenswert und verschaffen deren Erfinder – auch wenns nicht ganz geklappt hat – den Titel SW-Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

29.09.2004

Michael Herzig
Drogenbeauftragter

Der Tages-Anzeiger überschrieb einen Artikel über Michael Herzig mit «Schrittmacher im Hintergrund». Der Titel trifft den Nagel exemplarisch auf den Kopf, denn der seit 1998 als Drogenbeauftragter der Stadt Zürich tätige Historiker hat sich nie in den Vordergrund gestemmt, sondern vielmehr hinter den Kulissen gewirkt. Nach der Abstimmung vom 26. September, als die Stimmbürger der liberalen Politik Zürichs einmal mehr den Segen erteilt haben, muss dem 39-jährigen Berner ein Stein vom Herz gefallen sein, immerhin war das Sperrfeuer aus der Ecke der auch mit handfesten Argumenten und Ergebnissen nicht zu überzeugenden SVP einmal mehr beträchtlich. Offenbar ist es Herzig aber gelungen, die vom Stadtrat aufgegleiste Strategie im Alltag ohne viel Aufhebens zum Funktionieren zu bringen. Und der Bevölkerung beliebt zu machen. Als gewiefter Kommunikator hat er die sicher nicht immer ganz einfache Koordination zwischen Sozialbereich, Polizei und Gesundheitswesen sichergestellt und so dem Viersäulenprogramm (Prävention, Repression, Therapie und Überlebenshilfe) zum Erfolg verholfen. Dank kreativer Ideen hat der ehemalige Journalist dazu beigetragen, dass Zürich das Drogenproblem wenigstens einigermassen im Griff hat. Und das scheint uns angesichts der betrüblichen Vergangenheit in diesem Bereich durchaus lobenswert und ein Grund, Michael Herzig zum SW-Kommunikator des Monats zu wählen.

Piero Schäfer

 

02.11.2004

Herbert Bolliger
designierter Migros-Chef

Die Migros ist keine Republik. Machtkämpfe werden in der Genossenschaft deshalb wesentlich weniger intensiv und aggressiv ausgefochten als in Staaten oder grossen Multis. Gleichwohl ist die Ausmarchung des Chef-Postens auch beim Detailhandels-Riesen ein komplexes Verfahren, in welchem neben zahlreichen anderen Qualitäten auch die Fähigkeit zu kommunizieren eine entscheidende Rolle spielt. Offensichtlich verfügt Herbert Bolliger, der im nächsten Sommer neuer Präsident der Generaldirektion wird, über die entsprechenden Talente. Man konnte ihn im TV sehen, als er im eigenen Laden einkaufen ging. Die Antworten an die Interviewerin waren zwar ein wenig kurzatmig und hölzern, doch allein die Tatsache, dass er sich beim Shoppen filmen lässt, deutet auf eine gewisse Lockerheit im Umgang mit den Medien hin. Zudem ist der 51-jährige Bolliger, der seit 20 Jahren bei Migros arbeitet, ausgesprochen diplomatisch. Zahlreiche heikle Fragen in der Presse, wie jene nach einem Auslandsengagement, der Einstellung diverser Bereiche oder dem Verkauf von Alkohol beantwortete er wie ein versierter Politiker. Er umging sie geschickt. Dass er die Preise diverser Produkte des M-Sortiments nicht kennt, zeigt allerdings, dass Herbert Bolliger trotz Generaldirektorenhut noch einiges lernen muss.

Piero Schäfer

 

02.12.2004

Uri Geller
Löffelbieger

Man hatte ihn schon fast vergessen. Rund 35 Jahre ist es her, dass der damals jugendliche Uri Geller die Schweiz mit seinen Tricks und Künsten in Erstaunen versetzte, fast so wie die amerikanischen Astronauten die Welt mit ihrem Mondflug. Wochenlang war der israelische Magier oder was immer er sonst sein mochte bei uns ein Gesprächs- und Medienthema, nachdem er – damals noch in schwarz/weiss – via Bildschirm in unseren Stuben Löffel verbogen und defekte Uhren zum Laufen gebracht hatte. Geller war ein Star. Dann wurde es still um ihn. Vage erinnere ich mich, dass er als Schwindler entlarvt worden sein soll. Vielleicht waren aber auch die Entlarver Schwindler. Denn seine Kunst ist ungebrochen. Zwar immer noch exakt gleich wie damals, aber immer noch verblüffend, und die Leute lassen sich nach wie vor von ihm faszinieren. Die Sendung «Quer» verzeichnete dank dem Israeli mit 900\'000 ZuschauerInnen und einem Marktanteil von 41,4% einen Jahresrekord, und das Feedback des Publikums war phänomenal: Rund 5000 Personen riefen in die Sendung an. Von solcher Zuwendung können andere nur träumen. Und was sagt uns das? Übersinnliches verschafft auch heute noch extreme Aufmerksamkeit. Vielleicht sollten unsere Politiker eher Löffel als Worte verbiegen.

Piero Schäfer

 

02.01.2005

Helmut-Maria Glogger
Ex-Chefredaktor

Wie meist in solchen Fällen, erfährt man nicht, warum er abgesetzt wurde. Man hat zwar auf die sonst übliche Floskel vom «gegenseitigen Einvernehmen» verzichtet, aber die Mitteilung, Helmut-Maria Glogger, seit über fünf Jahren Chefredaktor der Boulevard-Illustrierten «Glückspost», werde bei Ringier «Chefredaktor für besondere Aufgaben» ist alles andere als unverdächtig. Chefredaktoren pflegen ihren Job nicht von einem Tag auf den anderen ohne Ankündigung aufzugeben, zumal wenn sie derart im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Auch wenn diese Öffentlichkeit keine politisch ausgerichtete ist, sondern eine, die sich mehr für eine heile Welt und deren schillernde Protagonisten interessiert. Glogger hat es exzellent verstanden, mit der überwiegend weiblichen Leserschaft zu kommunizieren, er hat sie als Damen bezeichnet und auch entsprechend behandelt. Der 57-jährige Deutsche hat zudem sein Wissen popularitätssteigernd als Talkmaster auf Star-TV eingesetzt und manche Sendung von erheblichem Gehalt produziert. Glogger ist begabt und war beliebt und hat es wie kaum ein anderer verstanden, auf der Klaviatur des Boulevard-Journalismus zu konzertieren. Vielleicht ist er den Reizen des Mediums TV zu sehr erlegen und hat dabei seine Stammaufgabe etwas vernachlässigt: Gemäss WEMF hat die Auflage des Blattes gegenüber dem Vorjahr nämlich 6140 Exemplare eingebüsst. Was wieder einmal zeigt, wie verworren die Wege des Erfolges sind.

Piero Schäfer

 

01.02.2005

Achille Casanova
Bundesratssprecher

24 Jahre hat Achille Casanova im Bundeshaus verbracht und dabei als Vizekanzler eine Kommunikationsleistung vollbracht, wie kaum jemand vor ihm: Die Entscheide von 1180 Bundesratssitzungen musste er den Medien beliebt machen und 213 Abstimmungsvorlagen redigieren. Der sympathische Tessiner, der von seiner Vorgesetzten, der Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz, schlicht als der «Schweizer Kommunikator» bezeichnet wird, hat in all den Jahren nicht weniger als 26 Bundesräte erlebt und dabei stets als zwar eloquenter aber gleichzeitig zurückhaltender Vertreter des Bundesrates gewirkt. Dabei war Casanova nicht einfach Sprecher der Regierung, er wirkte vor allem in der neuen, weniger homogenen Zusammensetzung des Gremiums als Vermittler und Temperator. Dem 64-jährigen Südschweizer sei es stets gelungen, ein einheitliches Bild von der Landesregierung zu zeichnen, heisst es. Gewisse Journalisten kritisieren, dass Casanova die Arbeit des Bundesrates mitunter etwas «schön geredet» habe, als ehemaliger Journalist hat er aber stets auch Verständnis für das Informationsbedürfnis der Medien an den Tag gelegt. Bleibt zu hoffen, dass es gelingt, eine ähnlich begabte und loyale Persönlichkeit für diesen sicher nicht einfachen Posten zu finden.

Piero Schäfer

 

01.03.2005

Philippe Gaydoul
Denner-Chef

Jahrelang präsentierte sich Denner so wie er ist: billig. Wenn ein Unternehmen den Preis der Produkte als primäre Leistung positioniert, ist das auch nicht anders zu erwarten. So hatte man sich längst an die Tiefpreisziffern gewöhnt, welche zu Karl Schweris Zeiten noch mit Slogans wie «wir sind immer billiger» oder so verziert wurden. Dereinst hatte Schweri auch auf das Fernsehen gesetzt. Vor und nach der Wettersendung waren die Teaser zu sehen, welche der damalige Denner-Boss eines Tages – wie es seine Art war – und ohne Ankündigung vom Mediaplan strich. Man munkelte, ein wenig favorabler TV-Beitrag über sein Unternehmen habe ihn dermassen erzürnt, dass er gleich das ganze Medium eliminierte. Umso erstaunlicher war es deshalb, als dieser Tage Denner werbemässig plötzlich wieder am Fernsehen auftauchte. Und erst noch mit munteren Spots. Die Art und Weise, wie Denner die Tiefpreispolitik mit einer ebenso witzigen wie gut inszenierten Idee kommuniziert, ist ausgesprochen bemerkenswert und verdient eine Auszeichnung, auch wenn die Konkurrenz die Commercials mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen hat. Nach der Krönung mit dem Cash-Oskar wird die erfreuliche kommunikative Leistung des Denner Chefs jetzt auch noch mit dem Titel SW-Kommunikator des Monats gewürdigt.

Piero Schäfer

 

01.04.2005

Geri Aebi
Werber

Das ist ungewöhnlich. Da verliert eine Werbeagentur ein Mandat, das sie jahrelang erfolgreich betreut hat und kommuniziert das an sich Unerfreuliche lustvoll in der NZZ. Über 1000 Anzeigen hatte die Wirz Werbung AG im Auftrag des Schaffhauser Uhrenherstellers IWC kreiert und damit zahlreiche Preise gewonnen. Allerdings hatte die von CD Hanspeter Schweizer entworfene Kampagne nicht nur Freude hervorgerufen: Viele hielten sie für sexistisch, was durch drei Klagen an die Lauterkeitskommission manifestiert wird. Allesamt wurden aber abgewiesen. Dennoch polarisierte die Werbung weiter, sogar bei der IWC selber. Und zwar an oberster Stelle. So erstaunte es nicht, dass man bei Wirz früher oder später mit einer Mitteilung rechnete, welche das Ende des Mandates verkündete. Doch Agenturchef Geri Aebi reagierte ausgesprochen sympathisch und kommunikativ: Er buchte in Zürichs neuester Zeitung eine Seite und zeigte noch einmal 49 Sujets der allseits bekannten Kampagne. Kein Groll, keine Vorwürfe, bloss der mit Schalk verkündete Umstand, man sei jetzt endlich das Macho-Image los. Dass soviel Charme und Esprit von den Medien mit einiger Zuwendung belohnt wurde, ist verständlich und bescherte neben Wirz auch der IWC (gratis und franko) reichlich PR. Das ist Kommunikation vom Feinsten und Geri Aebi deshalb SW-Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer


02.05.2005

Josef Ratzinger
Papst

Aus kommunikativer Sicht kommt man im Monat April kaum um Josef Ratzinger herum, auch wenn sein Vorgänger noch einiges mehr Anhänger nach Rom mobilisiert hatte. Der neue Papst, der weltweit die Titelseiten der Zeitungen zierte und prominente Auftritte in den Fernseh-News feierte, ist innert Stunden zum globalen Medienstar avanciert. Nicht nur weil er das höchste Amt der katholischen Kirche übernahm, sondern weil er als Träger dieser Würde ziemlich umstritten ist. Tagelang diskutierten Fachleute und solche, welche sich dafür halten, am Bildschirm und in Radiostudios über die Wahl des Bayern zum Pontifex. Für einmal darf man auch TV DRS ein Kränzchen winden: Kaum war der weisse Rauch aus dem Kamin gestiegen, sassen die Experten im Ziischtigsclub bereits in den Ledersesseln. Ratzingers erster Auftritt in der Öffentlichkeit überraschte. Als ernster und strenger Dogmatiker vorverurteilt, zeigte der 78-jährige Deutsche erfrischende Züge, Sponstaneität und einen Hauch Selbstironie. Offensichtlich verfügt der neue Papst noch über andere Fähigkeiten als religiöse Wissenschaftskenntnisse. Seine bemerkenswert kommunikative Art, welche zumindest gegen aussen eine gewisse Unbeschwertheit vermittelte, kann vielleicht sogar diejenigen besänftigen, die in ihm einen fundamentalistischen Traditionalisten sehen. Vielleicht überrascht Josef Ratzinger auch weiterhin.

Piero Schäfer

 

01.06.2005

Piano Man

Als der junge, namenlose und stumme Mann am 7. April am Strand der Insel Sheppey in der Grafschaft Kent aufgegriffen wurde, ahnte er wohl nicht, wie sehr sein eigentümliches Schicksal die Weltpresse und die Öffentlichkeit bewegen würde. Einer Lichtgestalt gleich war er aufgetaucht, tropfnass, anonym und orientierungslos. Und als sich herausstellte, dass er ein hervorragender Pianist ist, wurde die Sache noch mysteriöser, ja fast ein wenig märchenhaft. Seit fast zwei Monaten beschäftigt er Fahnder und Journalisten rund um den Globus. Immer wieder tauchen Spuren auf, die alsbald wieder im Sand verlaufen. Einmal soll er ein französischer Strassenmusikant namens Steve Masson sein, dann wieder ein tschechischer Musikant mit Namen Tomas Strnad. Die Hotline für Vermisste in England hat weit über 500 Telefonanrufe erhalten und gut 100 Mails. Hinweise kamen aus Australien, Kanada, Schweden, Holland, Italien, Frankreich und Tschechien. Doch der Piano Man ist immer noch unbekannt. Google hat inzwischen Dutzende von Meldungen im Netz und zahlreiche Zeitungen bieten Links und Infos rund um die Uhr. Und bereits zeigt Hollywood Interesse für den Namenlosen und dessen Geschichte. Das ist der letzte Beweis, dass es der Piano Man trotz Wortlosigkeit und ohne jeden Hinweis auf seine Person global geschafft hat. Auch stumme Kommunikation ist Kommunikation. Und wenn es ein PR-Gag sein sollte, dann ist er hervorragend gelungen.

Piero Schäfer

 

01.07.2005

Danielle Lanz und Markus Ruf

Ein Team ist ein Team. Und kann nicht einfach getrennt werden. Nicht einmal für eine Auszeichnung. Deshalb weichen wir hier ausnahmsweise einmal von der Regel ab, eine Einzelperson zum Kommunikator des Monats zu küren. Verdient haben es nämlich beide, die charmant-kreative Danielle Lanz und der listig-tiefgründige Markus Ruf, die dermassen stark beschäftigt sind, dass sie sich anlässlich des Werbefestivals nicht einmal dem geselligen Müssiggang an der Côte hingeben konnten, sondern zu Hause emsig weiter am Image des kreativen Shops arbeiteten. So kam es, dass das Schweizer Fernsehen, das sich sonst wenig um die ach so kommerzielle Werbebranche bemüht, mit Ruf ein Interview im heimischen Büro durchführen musste. Immerhin. Das zeigt, dass Preise immer noch ein Grund für Aufmerksamkeit sind. Für die Macher, die Auftraggeber und natürlich auch für das Land, woher selbige kommen. Insofern haben Ruf Lanz, die immerhin drei Löwen ergattert haben, nicht nur sich und ihren Kunden, sondern auch der in letzter Zeit von Positivmeldungen nicht eben verwöhnten Schweiz einen kommunikativen und imagefördernden Dienst erwiesen. Ganz klar, dass da die Schweizer Werbung SW nicht lange nach Alternativen suchen musste und die Auszeichnung Kommunikator des Monats im Doppelpack an Danielle Lanz und Markus Ruf verleiht.

Piero Schäfer

 

01.08.2005

Kurt Schaad
Filmemacher

Viereinhalb Jahre konnte sich Kurt Schaad einem denkwürdigen Projekt, der Verfilmung der Flugzeugkatastrophe von Swissair Flug 111, widmen. Der langjährige SF-DRS-Mitarbeiter gewann damit 2003 bereits den kanadischen Gemini-Award und hat nun sogar Chancen einen Emmy zu holen, wurde sein Werk «Feuer an Bord» doch auf die Liste der Nominationen des «TV-Oscars» gesetzt. Und zwar in den zwei Kategorien «Outstanding Investigative Journalism» und «Outstanding Research». Der 55jährige Schaad, der seit 33 Jahren für das Schweizer Fernsehen tätig ist, hat sich bereits früher mit spektakulären Produktionen einen guten Namen geschaffen und dürfte mit der Nominierung im Olymp der Fernsehpreise angekommen sein. In diesen Kategorien nominiert sind u.a. auch so renommierte Produktionen von National Geografic oder Peter Jennings, sowie von Discovery Channel oder History Channel. Die Verleihung der Emmys findet am 19. September 2005 in New York City statt. Bis dann drücken wir von der SW dem sympathischen Filmemacher die Daumen und zeichnen ihn als SW-Kommunikator des Monats aus.

Piero Schäfer

 

01.09.2005

Andreas Gerber
Fussball-Captain

Bisher hat ihn fast niemand gekannt. Höchstens leidenschaftliche Fussballfans. Oder Berner Oberländer. Andreas Gerber, Captain des kleinen, grossen FC Thun, hat sich in den letzten Monaten zusammen mit seinem Team in das Bewusstsein der Schweizer Öffentlichkeit gekickt. Ja sogar international hat der zurückhaltende Berner, der in der letzten Saison als Mittelfeldspieler für seinen Club 9 Tore erzielt hat, für Aufmerksamkeit gesorgt. Er ist, so hört man, stark am Erfolg der Berner Oberländer beteiligt, und er neigt nicht zu Eskapaden der Selbstüberschätzung, sondern ist auch im Rausch, den die Champions-League-Qualifikation zweifellos auslöst, nicht abgehoben. Der 32 jährige Gerber, der ebenso bodenständig wie das Käslein gleichen Namens zu sein scheint, hat gezeigt, dass auch im Fussball solide Arbeit zum Erfolg führen kann. Bei GC hatte man das nicht erkannt und den zurückhaltenden Spieler ziehen lassen. Selber schuld. Inzwischen umgibt den sympathischen Mann mit der Rückennummer 11 nämlich mehr als nur sportliche Anerkennung, der Erfolg hat ihm einen Hauch Glamour verschafft, von dem nicht nur sein Team sondern eine ganze Region, ja vielleicht sogar das Land noch profitieren kann. Eine kommunikative Leistung, welche die SW mit dem Titel «Kommunikator des Monats» honoriert.

Piero Schäfer

 

03.10.2005

Guido Weber
Kampagnenmacher

Am 25. September hat er es wieder einmal geschafft: Die haushohe Zustimmung der Bevölkerung zur Osterweiterung hat nachträglich die Arbeit von Guido Weber promoviert. Der 49jährige PR-Mann, der sich regelmässig mit wichtigen Abstimmungen befasst, hat damit eine glanzvolle Serie bei Abstimmungen über die Europafrage feiern können. Seit 1989 hat der leidenschaftliche Radfahrer alle ihm übertragenen Kampagnen erfolgreich abgeschlossen. Angefangen bei den Schwerverkehrsabgaben, über die Bilateralen I, den Uno-Beitritt, das Schengen-Abkommen und jetzt die Osterweiterung. Wer die Stimmung in diesem Land kennt und weiss, wie populistisch teilweise argumentiert wird, muss dem gelernten Fotografen ein Kränzchen winden. Und Leute, die es wissen müssen, beurteilen den Kampagnenmacher als diesbezügliche Nummer eins im Land. Das Erfolgsrezept von Weber ist einfach und eigentlich naheliegend: Dem Volk zuhören und herausfinden, warum jemand für oder gegen eine Vorlage ist. Und offenbar gelingt dies Weber immer wieder. Solange er mit Kampagnenbegleitung betraut wird, kann man davon ausgehen, dass die Schweiz nicht ins Reduitverhalten zurückargumentiert wird. Für diese konstante kommunikative Meisterleistung zeichnet ihn die Schweizer Werbung SW mit dem Titel Kommunikator des Monats aus.

Piero Schäfer

 

01.11.2005

Peter Sauber
Formel-1-Teamchef

Es ist nicht unbedingt jedermanns Sache, mittels Fernsehbildschirm knallig bemalte Werbeboliden hinter einander herdonnern zu sehen. Früher war das anders: Als Jo Siffert, Clay Regazzoni oder Marc Surer im Kreis herumpreschten, bebte das national gestimmte Herz voller Spannung mit. Das einzige, was hierzulande noch zum Einschalten motivierte, waren die Sauber-Männer. Die Piloten, die mit ihrer Wagemutigkeit Ehre für den einzigen Schweizer Rennstall einlegten. Doch damit ist es jetzt vorbei: Anlässlich des F-1-Saisonfinales in Schanghai hat Peter Sauber den Zündungsschlüssel abgegeben. Sein Team, das im Laufe der Jahre einige Erfolge – wenn auch keine Siege – hatte feiern können, riskiert in Zukunft für BMW Kopf und Kragen. Das dürfte sich spontan auf die Einschaltquoten hierzulande auswirken, denn ohne Peter Sauber, der sein Leben mit Leidenschaft und seit 36 Jahren dem Automobilrennsport gewidmet hat, fällt jeder Bezug zur Schweiz weg. Ihm ist es zu verdanken, dass überhaupt soviele Sportfans jeweils an den Bildschirmen ausgeharrt haben. Sauber hat seinen Rennstall aus schweizerischer Sicht fernsehtauglich gemacht. Ohne diesen Bezug wird die F-1 noch langweiliger als bisher. Gewissermassen im Nachhinein erhält Peter Sauber deshalb die SW-Auszeichnung Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

13.12.2005

Michael Ringier
Verleger

Eine Bombe wars vielleicht nicht gerade, ein Bömbchen aber schon. Die Nachricht, dass der zwei Tage vorher erst aus dem Amt geschiedene, deutsche Bundeskanzler Helmuth Schröder in Zukunft für Ringier arbeiten und auch an der Dufourstrasse residieren wird, wurde jedenfalls mit einiger Überraschung ja Verblüffung aufgenommen. Vor allem natürlich in den Medienhäusern. Dem Tages-Anzeiger war die Nachricht eine Meldung auf der Frontpage, einen Artikel im Wirtschaftsbund sowie ein Interview von Chefredaktor Peter Hartmeier mit Chefpublizist Frank A. Meyer wert, der den wie immer diskreten Michael Ringier wortreich vertrat. In Hartmeiers kritischen Fragen klang ein Hauch von Verletztheit mit, so als wolle er andeuten, Schröder und Ringier passten doch gar nicht zusammen. Vielleicht war er aber auch einfach sauer, dass es nicht ihm gelungen war, den populären Deutschen zu verpflichten. Michael Ringiers Coup mag im Moment noch nicht klar definierte Aufgaben und Ziele erkennen lassen, eine Bereicherung für das Unternehmen ist er allemal. Zumindest eine imagemässige. Und natürlich eine kommunikative. Schröder wird dem Verlagshaus mühelos Türen öffnen können, die andere nur mit erheblichem Aufwand aufkriegen. Schon deshalb ist Michael Ringier der SW-Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

01.02.2006

Jürg Peritz
Coop-Marketingleiter

Irgendwie passte es nicht zusammen: Die Filialen von Coop wirken frisch und neuzeitlich und weisen ein eindrückliches Sortiment von Markenprodukten und allerlei Innovationen auf. Der Werbung dagegen haftete bisher etwas Altbackenes an. Viel Aktionskampagnen, wenig Imagewerbung. Und das über 30 Jahre alte Mittwochstudio am TV strotzte auch nicht gerade vor Erfindungsgeist. Nichts gegen die Kocherei und die Präsentation, das war schon lehrreich, und mit dem Komiker Rindlisbacher kam die Sendung auch etwas munterer daher, aber das Format konnte den Mief der Biederkeit nie ganz abstreifen. Es ist also nicht wirklich schade, dass man sich bei Coop etwas anderes hat einfallen lassen für die Kommunikation. Seit diesem Jahr tritt das zweitgrösste Detailhandelsunternehmen entschieden zeitgemässer auf. Mit dem Claim «Für mich und Dich» wird der Versuch unternommen, die Vielfalt des Angebotes zu kommunizieren. Und wie es scheint, wird dieses Ziel erreicht. Abgesehen von der strategischen Ausrichtung überzeugt die Kampagne aber auch durch mehr Frische. Selbst die TV-Spots, die freilich noch einen Schuss mehr Spritzigkeit und Witz ertragen würden, zeigen auf, dass Coop wirklich neue, und lebhaftere Wege gehen will. Und dafür ist zweifellos der Marketingverantwortliche, Jürg Peritz, hauptverantwortlich. Die SW unterstützt ihn mit der Auszeichnung Kommunikator des Monats Januar 2006 und wünscht ihm noch viele gute Ideen.

Piero Schäfer

 


01.03.2006

Rolf Bloch
Mediator

Der Arbeitskonflikt bei Swissmetal war gewissermassen ein Schulbeispiel dafür, wie man es eigentlich nicht machen sollte: Auf der einen Seite leicht überhebliche und wenig einsichtige Arbeitgeber, auf der anderen verunsicherte Arbeitnehmer, die sich etwas gar willfährig in die Hände der profilierungsorientierten Gewerkschaft begaben. Die Folge waren verhärtete Fronten infolge fehlender Kommunikation. Und Provokationen. Aus der eigenen Sicht waren sie natürlich alle im Recht. Worüber hätte man also diskutieren sollen? In solchen Momenten muss die Lösung von aussen kommen: Bundesrat Joseph Deiss motivierte Rolf Bloch, der bereits bei den Holocaust-Diskussionen gute Dienste geleistet hatte, das Gespräch in Reconvillier wieder in Gang zu bringen. Und der 75jährige Spross des Schokoladenunternehmens Camille Bloch beweist erneut viel Fingerspitzengefühl. Zwar verlief die erste Sitzung einigermassen ernüchternd, immerhin ist der Streik aber mehrheitlich unterbrochen worden. Und Bloch rechnete von Anfang mit harzigen Gesprächen: «Wir haben die Diskussion begonnen, aber noch nicht den Dialog», erklärte er. Wenn einer diesen in Gang und zu einem guten Ende bringen kann, dann ist es Rolf Bloch. Nicht umsonst haben ihn Medien schon als «Nathan den Weisen» bezeichnet. Und für die SW ist er der Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 


03.04.2006

Jolanda Eggenschwiler und Roland Bieri
Award-Projektleiter

Viktor Giacobbo pflegt, sich über den Kanton Aargau lustig zu machen. Das ist sein gutes Recht, immerhin ist er Satiriker, und aus der Sicht der Zürcher gibt es durchaus Ansätze, dem Nachbarn mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Doch jetzt kommen beeindruckende News aus dem Westen. Zum zweiten Mal veranstaltet «Headline», der Kommunikationsclub der Kantone Aargau und Solothurn, den für die Schweiz einzigartigen «Award Corporate Communications». Eine mit rennomierten BranchenvertreterInnen gespickte Jury zeichnet innovative Konzepte für eine integrierte Unternehmenskommunikation aus. Die Initianten wollen damit kreative Ideen und professionelle Leistungen in der Kommunikationsbranche fördern. Die Preise können an Teams oder Einzelpersonen von Agenturen, Unternehmern, Institutionen, Organisationen oder öffentliche Verwaltungen ausgerichtet werden. Bereits die erste Austragung war ein Erfolg, und nachdem es den Projektleitern des Awards, Jolanda Eggenschwiler und Roland Bieri, gelungen ist, zusätzliche gewichtige Sponsoren gar aus der Westschweiz für das Projekt zu motivieren, gebührt ihnen nicht nur Respekt, sondern auch der Titel «SW-Kommunikatoren des Monats».

Piero Schäfer

 


02.05.2006

Doris Leuthard, Bundesrätin seit 2006, 2006-2010 Vorsteherin des Eidgenössischen Vorkswirtschaftsdepartements (EVD), 2010 - Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK)

Beim «Magazin» des Tages Anzeigers hatte man allen Grund zur Freude. Die Redaktorinnen und Redaktoren staunten, und der Verlagsleiter rieb sich zufrieden die Hände. Grund für die Genugtuung war der glückliche Umstand, dass die Titelgeschichte der Ausgabe 17 der CVP-Präsidentin Doris Leuthard gewidmet war. Eine erfreuliche Koinzidenz, denn selbst beim Tagi, wo man meist etwas fixer ist als anderswo, war nicht vorauszusehen, dass zwei Tage vor erscheinen des Magazins, Bundesrat Josef Deiss zurücktreten und die Aargauer Nationalrätin damit automatisch ins Blitzlicht der Berichterstattung rücken würde. «Die Unfassbare», wie das Magazin sie übertitelt, zierte Land auf, Land ab jede Titelseite, spielte die Hauptrolle in den Nachrichten der elektronischen Medien und gab sich dennoch ausgesprochen zurückhaltend. Kaum jemand zweifelt daran, dass die begabte Kommunikatorin, die scheinbar in jedem Moment das Richtige tut und sagt, in das höchste Gremium gewählt wird. Wenn sie denn will, wird ihr wohl niemand den Zutritt verweigern, auch wenn diverse Parteiprotagonisten im Moment wenig Freude daran haben, dass die Chefin sie nach bloss eineinhalb Jahren wieder ihren Problemen überlässt. Schon die Tatsache, dass Doris Leuthard sich weder übermässig von Parteiinteressen leiten noch von den Medien zu einem schnellen Entscheid drängen lässt, zeigt, dass sie mit der Klaviatur der Kommunikation umzugehen weiss.

Piero Schäfer

 


06.06.2006

Jean Etienne Aebi
ADC-Präsident

Zwei Mal im Jahr trat der ADC, dieser reichlich elitäre Club der besonders begabten Gestalter und Texter, bisher an die Öffentlichkeit: Beim ADC-Fest und anlässlich der Präsentation des ADC-Buches. Sonst herrschte Schweigen. Dabei hat der Verband ein ausgesprochen wichtiges Ziel: die Förderung guter Werbung. Das ist seit 30 Jahren so. Aber, und das haben auch die Kreativen des Clubs realisiert, die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber Werbung hat trotz Würfelvergabe stetig abgenommen. Jetzt will man in die Offensive und weitere Kreise in die Bestrebungen einbinden. Und, nicht nur die Strategie ist neu, neu ist auch der Club-Präsident, der diese Idee zu verwirklichen hat: Jean Etienne Aebi. Der wohl immer noch bekannteste Schweizer Werber, der Mitte der 80er-Jahre auch international für Furore gesorgt hatte, ist zweifellos der richtige Mann, um die Anliegen umzusetzen: Als Ex-ADC-Präsident kennt er seine Pappenheimer, er ist politisch interessiert und verfügt über genügend Glaubwürdigkeit als Kreativer. Ausserdem ist er ein hervorragender Motivator. Und über dies hat er die Strategie entwickelt, welche der ADC in Zukunft verfolgen will. Das kommt zwar – angesichts der seit Jahren schwelenden Kommunikationskrise – alles reichlich spät, doch mit seinem Kommunikationstalent wird Aebi sicher dafür sorgen, dass man in Zukunft mehr vom ADC hört. Genügend Potenzial gibt es ja dort. Die SW freut sich auf die Zusammenarbeit.

Piero Schäfer

 

05.07.2006

Köbi Kuhn
Fussball-Nationaltrainer

Einen etwas glücklicheren Abgang von der Weltbühne des Fussballs hätte man der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft zweifellos gegönnt. Jedenfalls hier zu Lande. Getragen von einer Welle der Euphorie war das junge Team ohne Komplexe aufgetreten, hatte sich auf dem Rasen bravourös geschlagen und sogar den Gruppensieg vor Ex-Weltmeister Frankreich errungen. Und das ohne Gegentor. Ein weltmeisterlicher Rekord. Doch als es darum ging, Mann gegen Mann das Glück zu erzwingen, wackelten unvermittelt die Nerven. Plötzlich wurden die bis anhin recht selbstbewusst auftretenden Kicker zu Nervenbündeln, verfielen in die alte Rolle hadernder Zweifler. Da konnte auch Nationaltrainer Köbi Kuhn, der die jungen Hoffnungsträger ansonsten bestens vorbereitet hatte, nichts mehr ausrichten. Es gab einen Rückfall in die Kategorie «unglücklich verloren» welche Kuhn seit seinem Amtsantritt erfolgreich hatte vergessen lassen. Trotz unglücklichem Ende: Die Sympathien, welche die Spieler an dieser WM generiert haben, sind zu einem grossen Teil auch das Verdienst ihres Coaches. Der Köbi aus Wiedikon, der seine Jungs nach wie vor per Sie anspricht, ist zwar ein leiser aber überaus erfolgreicher Kommunikator. Und ein feiner Sympathieträger. Das haben auch die Werber entdeckt: In diversen TV-Spots ist er ein durchaus valabler Darsteller. Auch dafür lobt ihn die SW als Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

31.07.2006

Roger Köppel
Chefredaktor Weltwoche

Als ich ihn kennen lernte, war er Student und machte ein Praktikum bei der NZZ. Nicht etwa im Ressort «Ausland» oder «Wirtschaft», sondern bei den Kollegen vom Sport. Obschon eher schüchtern, blitzte bereits damals jene Mischung aus Intelligenz und Cleverness aus seinen spitzbübischen Augen, welche einiges an Ehrgeiz verrät. Trotzdem: Gewettet, dass er dereinst einer der bekanntesten Journalisten der Schweiz werden würde, hätte ich nicht. Es ging aber dann ziemlich schnell: Bereits beim Tagi Magi bewies er Mut zum Unkonventionellen, und überschritt mitunter sogar die Grenze des guten Geschmacks. Lotete er aus, oder war es Kalkül? Der junge Mann jedenfalls fiel schnell auf, und als er dann in gewagter Manier und entgegen der berufsimmanenten Ideologie nach rechts driftete, fragte man sich wieder: Ist das Kalkül? Inzwischen ist der ehemals schüchterne Roger zu einem mächtigen Mann geworden, gewichtige Protagonisten des Landes, wie der Financier Tito Tettamanti und Christoph Blocher, suchen seine Nähe, übertragen ihm Aufgaben. Und ihm scheint es egal zu sein, was andere von ihm halten. Jedes Mal, wenn ich etwas über den pfiffigen Köppel lese, sehe ich den jungen Burschen von damals vor mir und frage mich: Wohin treibt’s ihn noch? Wetten, dass die Weltwoche nicht Endstation ist? Köppel ist ein Kommunikationstalent und wird dies sicher auch weiter nutzen.

Piero Schäfer

 

01.09.2006

Dominik Kaiser
TV 3+-Produzent

Österreich 2 muss über die Klinge springen. Wenigstens was den Sendeplatz auf dem Kabelnetz der Cablecom betrifft. Verantwortlich für den Rausschmiss ist Dominik Kaiser, seines Zeichens Film-, Fernseh- und Musikproduzent, der mit seinem gewagten neuen Sender 3+ den Sendeplatz von ORF 2 in Anspruch nimmt. Kaiser ist ein Mann mit Wagemut, er war Mitinitiant der Street-Parade und hat The Ring Thing, eine Parodie auf The Lord of the Rings, produziert. Verglichen mit seinem jüngsten Abenteuer waren das freilich eher peanuts. Es braucht Courage, um im Schweizer TV-Markt einen neuen Sender zu lancieren, vor Kaiser haben das schon ganz andere Medienkaliber vergeblich versucht. Zugegeben, der 3+-Initiant verzichtet klugerweise weitgehend auf das Teuerste am Fernsehen, aufwändige Informationssendungen und Eigenproduktionen. Dennoch wird es für den TV-Neuling nicht einfach, sich auf dem ohnehin ziemlich harten Pflaster des Schweizer TV-Marktes zu etablieren. Immerhin ist nicht aus zu schliessen, dass ein spannendes Unterhaltungsprogramm seine Zuschauer findet. Und wenn es Kaiser wirklich schafft, komplementär zu programmieren, sehe ich durchaus Chancen für sein Projekt. Gewissermassen als Vorschusslorbeeren ernennt ihn die Schweizer Werbung jedenfalls mit den besten Wünschen für einen glanzvollen Start zum Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

02.10.2006

Jürg Bühler
Wirt

Eigentlich ist die Sache zu ernst, um Witze zu machen, aber gleichwohl ist es erfrischend, wenn sich endlich einmal jemand gegen die grassierende «Verbotitis» auflehnt. Jürg Bühler hat entgegen dem landläufigen Trend eine Kampagne gegen die mühsame und fundamentalistisch anmutende Verbotswelle lanciert. Zusammen mit der Agentur Reinhold hat der Wirt des Restaurants Bü’s in Zürich Zündholzschachteln und Plakate mit lockeren Sprüchen kreiert, welche die Griesgrämigkeit der Politiker aufs Korn nehmen. Natürlich kann man geteilter Meinung sein, und wer das Rauchverbot (im Gegensatz zu den nutzlosen Werbeverboten) als sinnvolle Prävention betrachtet, hat keine Freude an den putzigen Texten. Dass die Schweizer Werbung SW Bühler aber dennoch als Kommunikator des Monats auszeichnet, hängt vor allem damit zusammen, dass der «Beizer» erstens couragiert gegen die verordnete Einheitsmeinung antritt und zweitens, weil seine Aktion eine intensive Korrespondenz ausgelöst hat: Innert kürzester Zeit gingen zahlreiche Mails beim Newsletter-Service ein, welche in überwiegendem Masse lobenden Inhalt haben. Besonders auffallend dabei die Anregung, Warnaufdrucke für die «fanatisierte euro-helvetische Polit-Mafia» zu fordern. Die Verbots-Fanatiker sollen auf dem Hemdenkragen Hinweise tragen, die sie als ziemlich mühsame Zeitgenossen etiketiert. Und ein Mailabsender hat sich sogar bereit erklärt, die nächste Aktion zu sponsern. Bühlers Aktion hat also durchaus kommunikationsrelevante Konsequenzen.

Piero Schäfer

 


02.11.2006

Bruno Ravaioli
Geschäftsleiter Verlage und Marketing «Die Südostschweiz»

Wie man dem Abstimmungsergebnis in Baselland entnehmen kann, sind Werbeverbote im Moment äusserst populär. Innerhalb von zwölf Jahren, als die Zwillingsinitiativen mit ähnlichem Inhalt in Bausch und Bogen abgelehnt worden waren, hat sich die Stimmung in der Bevölkerung um 180 Grad gedreht. Als Kommunikationsverband haben wir die verdammte Pflicht, uns gleichwohl gegen diese wirtschaftsbeschneidenden Massnahmen, die nota bene kaum etwas bewirken werden, zu stellen. In diesem Bestreben sind wir auf die Unterstützung unserer Partner bei den Medien angewiesen, die ja letztlich von der kommerziellen Kommunikation leben. Eine Verlagsgruppe hat sich dabei ausserordentlich engagiert gezeigt: Die Südostschweiz mit ihren diversen Ausgaben. Innerhalb des Monats Oktober haben die diversen Blätter nicht weniger als 18 Mal ein Sujet der Kampagne gegen die Werbeverbote abgedruckt. Ein besonders beispielhaftes und nachahmenswertes Vorgehen, wofür sich die SW herzlich bedankt. Und da steht natürlich jemand dahinter, der das ermöglicht hat. Dieser Jemand ist der Verlagsdirektor, Bruno Ravaioli. «Wir unterstützen diese Kampagne, und weil es attraktive Sujets sind, werden sie auch mehrfach eingesetzt», meinte er auf Anfrage. Die Schweizer Werbung belohnt diese Unterstützung mit der Auszeichnung «Kommunikator des Monats».

Piero Schäfer

 

01.12.2006

Alexander Jaggy und Michael Rottmann
Werber

Allzu viele TV-Spots, die begeistern, gibt es nicht. Mitunter kommt es aber schon vor, dass ich einen Commercial von Anfang bis Schluss anschaue, nicht hurtig wegzappe, sondern ihn stets gerne wieder sehe. Der Spot für Migros-Teigwaren etwa mit der Hommage an das nostalgische Italien. Wunderschön gefilmt, behagliche Musik, spannende Dramaturgie, einfach sehenswert. Und jetzt neuerdings der Werbefilm für Swiss. Ein echtes, kleines Meisterwerk. Originell und geheimnisvoll. Die breite Spanne der potentiellen Kundschaft aufgefächert in banalen Szenen des Lebens, deren Protagonisten für ein paar Takte die Begleitmusik mitsummen. Und dieser Song hat es mir angetan: Das von Dominique Grandjean in den 70er-Jahren geschriebene Lied, verursacht mir heute noch Hühnerhaut, lässt mich träumen und sanft abheben, wie die Darsteller im Swiss-Spot. Statt bunte Postkartendestinationen portraitiert der Film graumelierte Alltagssituationen. Und die Melodie «Campari Soda» übertüncht sie sanft mit befreiender Sehnsucht nach der Ferne. Eine anmutige und treffende Umsetzung voll schwärmerischer Poesie. Etwas vom Überzeugendsten, was man auf unseren Bildschirmen in letzter Zeit gesehen hat. Das fanden auch diverse Medien, der Spot war jedenfalls vielen eine Story wert. Verantwortlich für die sensible Episode mit der gelungenen Symbiose von Handlung und Musik und dem enorm kommunikativen Impact sind die kreativen Köpfe der Werbeagentur Jung von Matt, Alexander Jaggy und Michael Rottmann. Noch selten hat die SW die Auszeichnung «Kommunikator des Monats» dermassen begeistert verliehen.

Piero Schäfer

 

15.01.2007

Peter Spuhler
Nationalrat

Es gibt schon viele Auszeichnungen. Zahlreiche betreffen die Ökonomie im Allgemeinen und noch fast mehr die Kommunikation im Besonderen. Und die meisten davon sind ernst gemeint. Angefangen beim Effie über die Cannes-Löwen und den ADC-Würfeln bis zum Werber des Jahres und dem Kommunikator des Monats wird haufenweise Lob ausgeleert über der Branche. Und jetzt kommt noch der «rostige Paragraf», ein Preis, der für das unnötigste Gesetz ausgeschrieben wird. Die Sache scheint also eher ironisch gemeint, obschon der Initiant, Nationalrat Peter Spuhler, durchaus ernste Absichten hat. Er und seine \"Interessengemeinschaft Freiheit\" wollen die Unsinnigkeit gewisser Normen aufzeigen und anprangern. Und solche gibt es tatsächlich zur Genüge. Gerade in der Werbebranche häufen sich die Verbote in einem fast unerträglichen Mass. Kaum eine Woche vergeht, in welcher nicht irgend eine Gemeinde oder ein Kanton ein neues Gesetz vorschlägt, das die kommerzielle Kommunikation zensuriert und die Bürger bevormundet. Praktisch alle Übel der Menschheit werden der Werbung angelastet, und viele hoffen mit einem Werbeverbot die Menschen zu perfekten Erdenbewohner zu erziehen. Daran wird der «rostige Nagel» zwar kaum etwas ändern, aber vielleicht signalisiert er den Anfang eines Umdenkens. Und dafür sind die Werber Peter Spuhler dankbar.

Piero Schäfer

 

01.02.2007

Pius Walker
Werber

Eigentliche hätte Pius Walker den Titel «Kommunikator des Monats» schon lange vor der ADC-Verleihung verdient gehabt: Sein ebenso wunderbarer wie ergreifender Film «Hochzeitstag» für Fleurop, bei welchem niemand geringerer als der oscarpreisgekrönte Regisseur Anthony Minghella Regie führte und die britische Filmlegende Anna Massye die Hauptfigur spielt, gehört zum Feinsten, was der Werbefilm hierzulande zu Stande gebracht hat. Und jetzt, nachdem der Inhaber der 2003 gegründeten Walker Werbeagentur beim Art Directors Club nicht weniger als fünf der sieben Goldwürfel geholt hat, war die Auszeichnung mehr als fällig. Erst relativ kurz unter eigenem Namen tätig, hat sich Walker schnell einen guten Namen geschaffen und ist daran, in die Fusstapfen eines Aebi, Weber, Bodin oder Ruf zu treten. Titel hat er bereits zahlreiche eingeheimst, er war zweiter im Ranking «Werber des Jahres» und seine kleine Agentur wurde Newcomer des Jahres 2006. Ausserdem weist die Liste seiner Kreativpreise eine hohe zweistellige Zahl aus. Da kommt der respektvoll verliehene Titel «Kommunikator des Monats» der Schweizer Werbung sicher nicht zu früh.

Piero Schäfer

 

05.03.2007

Ernst Sieber
Pfarrer

Wenn es in der Kommunikation so etwas gäbe wie den Oscar, müsste man diesen Ernst Sieber zusprechen und zwar für sein kommunikatives Lebenswerk. Der gottesfürchtige Mann, der soeben seinen 80. Geburtstag feiern konnte und dabei jugendlicher und vor allem dynamischer wirkt als manch 20-jähriger, ist ein kommunikatives Multitalent. Ob auf Papier oder im Äther, ob von der Kanzel, im Parlament oder im TV-Studio, immer gelingt es ihm, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Seine Worte sind direkt, klar, humorvoll und vermitteln Religion in unprätentiöser Form. Für viele war und ist Ernst Sieber das Synonym für Hoffnung, andere sehen in ihm den Inbegriff von Integrität und Güte. Wie populär der Jubilar ist, der sich Zeit seines Lebens für die Unterprivilegierten einsetzte, und dies auch weiterhin tut, zeigte die Geburtstagsfeier in Zürich: Das Grossmünster war hoffnungslos überfüllt und Hunderte sahen sich gezwungen, das festliche Ereignis draussen auf einer Grossleinwand zu verfolgen. Wem sowas in der heutigen Zeit gelingt, in welcher Kirchen nur noch spärlich besetzt sind, muss ein begnadeter Kommunikator sein, muss wissen, wie man mit Menschen spricht und ihre Anliegen ernst nehmen. Vermutlich wären die Gotteshäuser weniger leer, wenn es mehr Ernst Siebers gäbe.

Piero Schäfer

 

02.04.2007

Urs Riedener
Marketingchef

Dass sich Migros-Marketingchef Urs Riedener etwas Spezielles zum 10-Jahre-Jubiläum der Cumulus-Karte würde einfallen lassen, war anzunehmen. Dass es aber gerade ein Exklusiv-Konzert der Rolling Stones sein würde, war dann aber doch eine gehörige Überraschung. Auch wenn man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, die Band passe nicht wirklich zum Durchschnitts-Migros-Kunden, kann es sich die Genossenschaft leisten, die Superband zu engagieren, finden sich unter den Cumuluskarten-Inhabern doch bestimmt 30000 Interessenten, die echte Fans von Mick Jagger und seiner in die Jahre gekommenen Boys sind. Wie man liest, hat sich der Bandleader vor der Zusage genau informiert über den neuen Auftraggeber, und offenbar hat ihm gefallen, was man über den Detailhandelsriesen berichtete. Ob die Gruppe ihrerseits dem Ideal des Migros-Gründervaters entspricht, mag man angesichts des wenig musterhaften Lebensstils der 60-jährigen bezweifeln, die Tatsache aber, dass man mit 6000 Cumulus-Punkte dabei ist, hätte Duttweiler aber sicher gefallen. Kommunikativ jedenfalls ist das Engagement der rollenden Steine ein Hit, vermutlich sogar marketingmässig. Fans, die noch nicht im Besitz einer Cumulus-Karte sind, werden sich die Anschaffung einer solchen jetzt ernsthaft überlegen. Und im Gegensatz zu früher werden sie in Zukunft die hierzulande am häufigsten gestellte Frage («Haben Sie eine Cumulus-Karte?») voller «Satisfaction» mit «Ja» beantworten.

Piero Schäfer, Schweizer Werbung SW

 

01.05.2007

Klaus Kappeler
CEO Goldbach Media

Wer ihn kennt, ist nicht überrascht über den Deal. Immer wieder hat sich Klaus Kappeler, Chef der Goldbach Media, als initiativer und pfiffiger Stratege erwiesen. Das war schon bei der Gründung des Privatradio-Pools so und später auch im Zusammenhang mit den Werbefenstern der deutschen Privat-TV-Sender. Auch bei der Lancierung des Experimentes Züri1, einem alternativen Lokal-TV-Programm für die Limmatstadt sowie dem RTL/Pro7-Programmfenster der deutschen Privaten war der 53-jährige als jener aufgefallen, der die Fäden in der Hand hielt und Partner zusammenführte. Dass diese Projekte nicht reüssierten, schmälert sein Talent, Interessen zu verbinden nicht. Auch wenn ihm der Verkauf von Radio Energy, das er von Kindsbeinen an aufgezogen hat, nach 21 Jahren sicher nicht leicht fiel, scheint der Schritt nachvollziehbar. Die Implementierung des Radios im Ringier Verlag kann möglicherweise tatsächlich zu redaktioneller Synergie führen, auch wenn dies aus Kappelers Sicht wohl nicht der Hauptgrund für den Handel war. Sein Herz schlägt für den Verkauf, und dieser bleibt ja exklusiv bei seiner Firma. Und wie man den Andeutungen, die der Gewinner des GSBA-Unternehmer-Awards 2007 in Interviews gemacht hat, entnehmen kann, war dieser Deal erst der Anfang einer neuen Partnerschaft. Als gewieftem Kommunikator wird ihm bestimmt noch das eine oder andere einfallen.

Piero Schäfer

 

01.06.2007

René Baumann, Entertainer

Kaum jemand kennt ihn unter seinem bürgerlichen Namen, dafür ist er als DJ Bobo fast weltberühmt. Dass es beim «fast» geblieben ist, erklärt sich mit dem Umstand, dass der Aargauer beim European Song Contest gescheitert ist. Nicht etwa weil er schlechter sang oder sonst wie abgefallen wäre, aber weil die Schweiz in Osteuropa nicht solidarisch vernetzt ist. Dass sein Vampir nicht gebissen hat, wäre freilich noch kein Grund als Kommunikator des Monats gefeiert zu werden, es ist vielmehr seine Rolle als Botschafter gegen den Hunger, die ihn dazu legitimiert: Im Oktober 2006 schloss sich DJ BoBo dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) an. Es ist dies die grösste humanitäre Organisation der Welt, welche rund 100 Millionen Menschen, darunter etwa 60 Millionen Kinder, in über 80 Ländern erreicht. Dieses Programm hat soeben ein kostenloses Computerspiel «Food Force» lanciert, in welchem ein Starpilot namens Carlos vorkommt. Und Letzterem hat DJ Bobo seine Stimme geliehen. In diesem Videogame sollen Kinder in der industrialisierten Welt lernen, was Hunger bedeutet. Sie können anhand einer fiktiven Insel «Sheylan» miterleben, wie eine Hungersnot bekämpft wird. Für diesen kommunikativen Auftritt in einem jugendgerichteten Medium zeichnet die Schweizer Werbung DJ Bobo als Kommunikator des Monats aus. Flügellahmer Vampir hin oder her.

Piero Schäfer

 

02.07.2007

Sascha Wigdorovits
Verleger

Das Hauptgesprächsthema am Verlegerkongress steht jetzt schon fest: Drei Tage bevor sich die Printmedien-Branche am 20. September in Luzern zur glamourösen Jahresversammlung trifft, erscheint nämlich die neue Gratiszeitung .ch von Sascha Wigdorovits, und ich muss sagen, ich bewundere den Neo-Verleger und beneide ihn ein wenig um seine Courage. Rund 30 Jahre ist es her, als Sascha und ich uns jeweils als Berichterstatter begegneten. Er war für den Tagi unterwegs, ich für die NZZ, und nichts wies damals darauf hin, dass er dereinst selbst unter die Herausgeber gehen würde. Die Jahre haben ihn geformt, er hat viel Selbstbewusstsein getankt und ein feines Netzwerk aufgebaut. Und ich bin überzeugt, dass er diese Kiste flott kriegen wird. Eine andere Frage ist die nach der Verbreitung. Ob das wirklich funktioniert, wird sich bald zeigen, denn damit steht und fällt die Idee, selbst wenn .ch inhaltlich 20 Minuten und Blick bedrängen kann, Offensichtlich rüsten sich die grossen Verlage aber bereits und überlegen Strategien, um .ch mit eigenen Waffen, einer örtlichen Zustellung, zu schlagen. Wie auch immer: Wigdorovits ist in der Szene «Mann der Stunde» und wird in Luzern zweifellos zum «Mann des Kongresses». Und SW-Kommunikator des Monats ist er eh schon.

Piero Schäfer

 

01.08.2007

Joanne K. Rowling
Autorin

Gut, es hätte vielleicht auch bei der Tour de Farce den einen oder anderen gegeben, den man zum Kommunikator des Monats hätte erküren können. Da wir in dieser Rubrik aber eher positiv Auffallende würdigen wollen (wobei natürlich Gedopte ebenfalls positiv sind), haben wir unser Augenmerk auf das zweite medienmässig herausragende Ereignis im Monat Juli gerichtet: Auf Harry Potter respektive auf dessen Erfinderin Joanne K. Rowling. Das sind zwar keine Schweizer, aber kommunikativ haben die beiden Aussergewöhnliches ausgelöst beim Erscheinen des siebten und letzten (?) Buches. Was die Medien im Vorfeld alles publizierten, ist mit einer Papstwahl zu vergleichen. Sogar die seriöse Presse liess es sich nicht nehmen, das literarische Ereignis des Jahres episch zu würdigen. Die Zeitungen und TV-News waren voll mit Berichten über tapfer ausharrende Fans und über solche, die glückselig mit einem Band in den Händen sich an der nächsten Ecke zum Lesen niederliessen. Andere Medien warfen ein Augenmerk auf die Befindlichkeit der Autorin, die nach Abschluss der Ära Potter in eine eigentliche Sinnkrise zu gleiten droht. Unser Problem ist: Wer der beiden soll denn nun Kommunikator des Monats sein? Harry oder Joanne? Oder gar beide? Angesichts der Tatsache, dass Harry ohne Joanne real gar nicht existieren würde, haben wir uns für Joanne K. Rowling entschieden. Das wird sie zwar wenig beeindrucken, aber wenigstens freut es jene, die Harry Potter mögen. Und davon gibt es auch bei uns nicht wenige.

Piero Schäfer

 

01.09.2007

Marco Solari
Tourismusdirektor

Das ist clevere und nachhaltige Kommunikation: In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger hat der Tessiner Tourismusdirektor, Marco Solari, erstmals seine Idee einer Expo 2020 portraitiert. Das Blatt hat die Brisanz des Themas sofort erkannt und das Gespräch mit dem Südschweizer auf der Frontseite zugespitzt und prominent platziert. Mehr brauchte es nicht. Das Ding wurde zum Selbstläufer. Kaum war der Artikel erschienen, stürzten sich die übrigen Medien auf den Primeur, jede Agentur, Zeitungen, Magazine, Fernsehen und Radio nahmen den visionären Plan auf, und sorgten breitflächig dafür, dass dieser zur Galionsnews wurde und sich die Politiker des Themas bemächtigten. Immerhin stehen ja Wahlen ins Haus. Und das Erstaunliche daran: Solari behauptet, der mediale Blowup sei eigentlich gar nicht beabsichtigt gewesen, das Thema sei im Laufe des Interviews vertieft worden. Erst da habe er anhand der Reaktionen der Redaktoren festgestellt, dass dies eine Sache sei, die auf ein gutes Echo stösst. Bemerkenswert war, wie sich die Politik und die Wirtschaft äusserten. Ausser den chronischen Neinsagern halten praktisch alle Solaris Idee für durchaus sinnvoll und begrüssen die visionäre Idee. Ob sie umgesetzt wird, ist eine andere Frage, fest steht aber zweifelsfrei, dass sie für die Lancierung Kommunikationshöchstnoten erhält.

Piero Schäfer

 

01.10.2007

Giuseppe Scaglione
Medienunternehmer

Wer noch die guten, alten Zeiten von Radio Beromünster erlebt hat, staunt. Da kommt ein Unternehmer und lanciert ein Radio ums andere. Zuerst Radio 105, dann Radio Monte Carlo und zahlreiche Spartensender für klassische Musik, populäre Hits und Rock. Und weil das technisch nunmehr auch keine allzu grossen Probleme mehr bereitet, schaltet er gleich noch einen TV-Musiksender auf. Giuseppe Scaglione heisst der umtriebige Mann, der mit seinem auf Internet empfangbaren Fernsehsender einen Siebenmeilenschritt getan hat. Denn es ist nicht bloss ein Sender für Clips, da warten diverse Rubriken wie Nightlife, Freestyle, insgesamt neun Spartenkanäle mit Content auf spezifisches Zielpublikum. Und sogar Kinotrailer gibt es anzuschauen. Der individuelle Zugriff geschieht sekundenschnell und erfüllt den Anspruch nach «Video on demand» total. Da das Ganze zudem interaktive Möglichkeiten aufweist, kann man feststellen, dass Scaglione, dessen Brand 105 über Jahre aufgebaut worden ist, im Jugendsektor und dank diesem breiten, interaktiven Angebot einmalig ist. Seit langem bemüht sich Medienunternehmer Scaglione vergeblich um eine UKW-Frequenz für seine Radios. Dank dem Internet braucht er dieses kaum mehr. Und so wie ich die Werbebranche kenne, wird sie den innovativen TV-Kanal schnell berücksichtigen. Ich gehöre zwar nicht mehr zum Zielpublikum, muss aber zugeben, dass ich den halben Morgen im 105-TV verbracht habe. Resultat: Giuseppe Scaglione ist der SW-Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

01.11.2007

Ueli Maurer, SVP-Politiker, Bundesrat seit 2008., Vorsteher des Eidg. Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS)

Man kann sich fragen ob Piero der Amokfahrer sich als Kommunikator des Monats eignet. Wohl eher nicht, denn seine ebenso verwegene wie dummdreiste Aktion trägt nicht den Charakter einer durchdachten Kommunikationsstrategie. Gleichwohl hat sie einiges ausgelöst. Bundesrat Moritz Leuenberger signalisierte Verständnis für das Verhalten, was einige Medien, darunter Kolumnist Kurt W. Zimmermann ihrerseits auf den Plan rief. Insofern verfügt die Kurzschlusshandlung des Sängers durchaus über kommunikatives Potential. Da letzteres aber reichlich negativ ist, drängt sich ein anderer Kandidat auf: Ueli Maurer. Sein kommunikatives Talent ist unbestritten, und nur schon der Erfolg seiner Partei an der Urne würde die Verleihung des SW-Titels rechtfertigen, den entscheidenden Schritt zum Titel machte er aber mit der Ankündigung, er werde sich als Kommunikationsspezialist selbständig machen. Man muss kein Freund der Kommunikationsstrategie der Blocher-Partei sein, um anzuerkennen, dass die SVP auf der Klaviatur der Kommunikation am virtuosesten spielt. Konsequent und professionell setzt sie auf integrierte Kommunikation samt Eventmarketing und löst mit dem teilweise provokativen Stil das aus, was sie bezweckt: Hohen Beachtungsgrad. Auch wenn nicht alles auf dem Mist von Maurer gewachsen ist: Wenn er sich tatsächlich als Kommunikationsfachmann selbständig macht, liegt die Annahme nahe, dass er auch damit Erfolg haben wird. Denn die Referenzen sind ausgezeichnet. An Auftraggebern wird es dem begabten Kommunikatoren jedenfalls kaum fehlen.

Piero Schäfer

 

01.12.2007

Ben Vatter
Chorleiter

Es ist ein gewagtes Experiment: Ben Vatter hatte die Courage, eine Gruppe von straffälligen Insassen im Jugendheim Aarburg mit Gymnasiastinnen zu einem «Chor auf Bewährung» zusammen zu bringen. Eine verrückte Idee, welche von SF Zwei in einer berührenden Serie ausgestrahlt wird. Das Motivationstalent des 36-jährigen Chorleiters ist ebenso eindrücklich wie seine kommunikativen Fähigkeiten. Die Jungs sind alles andere als leicht zu begeistern, flüchten sich in ihrer Unsicherheit immer wieder in pomadige Interesselosigkeit. Doch Vatter gelingt es, sie immer wieder bei Laune zu halten. Die beiden ersten Sendungen zeigten auf ergreifende und spannende Weise, wie diese Burschen zwischen gelangweiltem Desinteresse und Aufmerksamkeit oszillieren. Vatters pädagogisches Geschick ist grossartig, und wer die Veränderung in der Physiognomie von Raffaele, Dardan und Co. mitverfolgte, als die Mädchen ins Spiel kamen, spürte, wie sich die Gemütsverfassung der Jungs aufheiterte. Trotz kleinerer Machospiele ist es Vatter gelungen, die Burschen aus dem dumpfen Alltag in eine für sie neue Welt zu führen. Dass dann eine Plattenfirma sich sogar bereit erklärt, eine CD mit den zwei besten Stücken zu produzieren, ist wohl mehr, als Vatter selbst zu Beginn geglaubt hatte. Sein Erfolg ist beeindruckend und ergreifend. Die SW würdigt ihn mit dem Titel Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

03.01.2008

Andrea Hämmerle
Nationalrat

Die Bundesratswahl hat die ganze Nation aufgewühlt. Die einen konnten ihre Freude über die Abwahl von Christoph Blocher kaum verheimlichen, die anderen waren geschockt, konsterniert. Kaum jemand hatte es für möglich gehalten, dass man den häufig als Nr. 1 im Bundesrat apostrophierten Minister so sang und klanglos abwählen könnte. Ehrlich gesagt, nur wenige hätten es den Widersachern Blochers zugetraut. Zu fest schien er im Sattel zu sitzen, zu gross der Respekt vor unbekannten Konsequenzen. Nur aufgrund eines intensiven, kommunikativen Präludiums konnte diese Aktion gelingen. Wie man der Presse entnehmen kann, hat vor allem der Bündner Nationalrat Andrea Hämmerle hektische Betriebsamkeit entwickelt. Was man vorher eigentlich vor allem von den SVP-Politikern kannte, aktivierten plötzlich auch die anderen Parteien: E-Mails, Handys und andere Kanäle liefen in jener Nacht heiss, es wurde diskutiert, debattiert und überzeugt. Und sogar das TV war involviert: Woher wusste der Kameramann, dass die künftige Bundesrätin in jenem Zug sitzen würde? Auch wenn es für die BürgerInnen dieses Landes total überraschend zum Wechsel kam, scheint im Hintergrund mehr gelaufen zu sein, als man gemeinhin annahm. Hämmerle hat sich offensichtlich im wahrsten Sinne die Stimme wundgeredet. Am Tag der Abwahl stand der 61-jährige SW-Kommunikator des Monats jedenfalls den Medien mit ausgesprochen heiserer Stimme Red und Antwort.

Piero Schäfer, Schweizer Werbung SW

 

01.02.2008

Oliver Scotoni und Miguel Alvarez¨
Radiomacher

Es gibt mehrere Gründe, weshalb die beiden Radio-Initianten Oliver Scotoni und Miguel Alvarez für ihre Idee gelobt werden, ein Radio während der Euro 08 zu betreiben. Erstens wird die Sendung zweifellos mehr Begeisterung wecken können als die kürzlich angelaufene TV-Testimonial-Kampagne (vergl. dazu die Rubrik KomKom auf dieser Homepage), und zweitens ist «Radio 11 – The Rhythm of Football» das erste Schweizer Privatradio, das für alle vier Landesteile konzipiert ist. Das ist an sich schon ein Preis wert oder zumindest die Auszeichnung SW-Kommunikator des Monats. Worum geht es bei Radio 11, das soeben vom Bakom eine Konzession erhalten hat für die Dauer der Euro 08? In erster Linie natürlich um Resultate, um Matchberichte, Infos und Interviews. Daneben hat der Sender aber auch die Absicht, die vor Ort mitfiebernden Fans zu unterhalten. Da diese aus vielen Regionen des alten Kontinentes stammen, wird die Musik je nach Match oder Sieger mal mehr Zucchero und Eros Ramazotti spielen, dann wieder mehr Christoph Willem oder Enrique Iglesias. Und hoffentlich gelegentlich auch Züri West, Baschi oder Stephan Eicher. Abgesehen davon, dass die Idee innovativ ist, besticht sie durch die kommunikative Möglichkeit, für ein paar Wochen, die Fans aller Länder auf einer Wellenlänge zu vereinen. Und wenn das gelingt, werden die Fussballfreunde eindrückliche Erinnerungen an die Euro 08 mit nach Hause nehmen: Solche an eine innovative, kommunikative und multikulturelle Schweiz.

Piero Schäfer

 

02.03.2008

Monika Stocker
Verbandssekretärin

In der Regel treten Mitglieder der Werbebranche mit kreativer Arbeit in Erscheinung. Sie profilieren sich mit überraschenden Einfällen, bemerkenswerten Kampagnen oder überzeugendem art-work. Und dafür werden sie dann auch gelobt oder gar belohnt und ausgezeichnet. Mit Titeln, ADC-Würfeln oder anderen Erfolgssymbolen. Dabei vergisst man gern, dass auch hinter den Kulissen der Branche kommunikativ gewirkt wird. Dafür gibt es bisher aber (leider) keinen Preis. Eine ehrenvolle Erwähnung aber allemal: Die Schweizer Werbung hat die Nachricht, dass die Sekretärin der BSW-Geschäftsstelle, Monika Stocker, ihr 25-jähriges Berufsjubiläum beim Werbeagentur-Verband feiern kann, zum Anlass genommen, der engagierten, zuverlässigen und treuen Mitarbeiterin neben einem symbolischen Strauss Blumen den Titel «Kommunikatorin des Monats» zu überreichen. Wer es 25 Jahre mit den nicht immer ganz pflegeleichten Werbern aushält und dabei über ein Dutzend Präsidenten, zahllose Vorstandsmitglieder und drei Geschäftsführer verkraftet, muss über erstaunliches Einsteckvermögen und Kommunikationstalent verfügen. Und im Gegensatz zu vielen anderen hat sie ihre Fähigkeit gegen innen wirken lassen und nicht nach aussen getragen. Auch das für diesen Berufsstand eher ungewöhnlich.

Piero Schäfer

 

01.04.2008

Andy Hostettler
WerberInnen-Vermittler

Gemäss Werbewoche leben 40 Prozent der Werberinnen und Werber allein. Auch wenn die Umfrage nicht wirklich repräsentativ war, die Zahl lässt aufhorchen. Und bei manchen entwickelt sich ob des trüben Bildes gleich eine Idee: Andy Hostettler, kreativer TBWA-CEO und neues Vorstandsmitglied im Zürcher Werbeclub, liess sich zu einer bemerkenswerten Aktion inspirieren: Gemeinsam mit der Sendung SwissDate von Tele-Züri wurden Werberinnen und Werber gesucht, die genug haben vom traurigen Single-Dasein und sich per Bildschirm verkuppeln lassen wollen. Zusammen mit dem ebenfalls neuen Präsidenten des Werbeclubs, Carlo Steiner, wurde die ungewöhnliche Aktion anhand eines Leaflets, Inseraten und redaktionellen Beiträgen in der Fachpresse lanciert. Der Feedback soll beachtlich sein, und vor allem hat die kommunikative Idee einen sinnfördernden zweiten Hintergrund. Da man nicht davon ausgehen kann, dass die Zahl jener, die sich per TV verbandeln lassen wollen, enorm hoch ist, bietet sich als Alternative der Zürcher Werbeclub als Podium für Kontaktsuchende an. Der Werbeclub will vermehrt zur Begegnungsstätte für Fachanlässe und soziale Branchentreffs werden. Darum erhalten Interessenten eine Gratis-Mitgliedschaft des Zürcher Werbeclubs für drei Monate. Selbst wenn sich beim SwissDate-Special kein bindungswilliges Werberpaar finden lassen sollte: Die Aktion hat zu reden gegeben, und deshalb ist der Erfinder, Andy Hostettler, SW-Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

01.05.2008

Samuel Schmid, Bundesrat 2001 - 2008, Vorsteher des Eidg. Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS)

Er kam etwas zu früh. Weil sich der statutarische Teil der Mitgliederversammlung der Schweizer Werbung ein wenig in die Länge gezogen hatte, stand Bundesrat Samuel Schmid in Begleitung einer Journalistin und in aufgeräumter Stimmung im Foyer des Casinosaales in Luzern. Trotz geschlossener Türe konnte der Magistrat mitverfolgen, wie ihn Moderator Frank Baumann als halben Bundesrat ankündigte. Schmid nahm’s gelassen. Mehr noch, er konterte witzig und verdiente sich mit seiner launigen Rede überaus herzlichen Applaus. Der Vorsteher des VBS hatte es sich nicht nehmen lassen, diverse branchenspezifische Äusserungen in seinen Speech einzubauen. Die Werber suchten ganz offensichtlich die Nähe zur Politik, stellte Schmid fest. Er gehe freilich nicht davon aus, dass die glamouröse Welt der Werber durch die Anwesenheit eines leibhaftigen Bundesrates, vor allem eines nicht weiblichen Bundesrates, noch wesentlich glamouröser werde. Er wisse auch nicht, ob man ihn eingeladen habe in der Hoffnung, hinter das Geheimnis der Politplakate seiner Partei zu kommen, die ja bekanntlich ziemlich erfolgreich sind. «Nun», erläuterte Schmid schmunzelnd, «diese Plakate sind eben …plakativ. Deshalb heissen sie ja auch so. Mehr sage ich dazu nicht.» Eleganter hat noch nie ein Bundesrat Kritik geübt. Schon deshalb und weil er die Teilnehmer an der SW-Mitgliederversammlung auf’s beste unterhalten hat, ist Samuel Schmid der SW-Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

01.06.2008

Fredy Collioud
Werber

Gut Ding will Weile haben, heisst es, und offenbar haben sich die Verantwortlichen der Kommunikation von Swiss bei der Vergabe des Werbeetats ausgiebig an dieses Sprichwort gehalten. Die Branche (und natürlich die Pitch-Kandidaten) wurden jedenfalls gehörig auf die Folter gespannt, seitdem im Dezember 2007 bekannt wurde, dass die sechsjährige Zusammenarbeit zwischen der Fluggesellschaft und Jung von Matt/Limmat zu Ende ging. In einem ersten Schritt war der Kreis der Anwärter im Februar auf fünf reduziert worden, und eigentlich erwartete man den Entscheid auf Ende März. Doch es vergingen nochmals zwei Monate, bis der Vertrag bei Publicis eintraf. Als Begründung für die Vergabe an die Stadelhoferstrasse werden unter anderem das weltweite Netzwerk der Agentur sowie (logischerweise) ein überzeugendes und zukunftsweisendes Konzept genannt. Nicht erwähnt wird die Rolle von Publicis-Chef Fredy Collioud. Wer den umtriebigen und ehrgeizigen Werber kennt, liegt mit der Annahme, dass er alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, zweifellos nicht weit von der Wahrheit entfernt. Netzwerk hin oder her, Collioud hat sein Team offensichtlich zu Höchsteinsätzen angespornt und sich selbst kaum eine ruhige Minute gegönnt. Jetzt wo der Etat bei Publicis gelandet ist, kann er zurücklehnen und die Gratulationen entgegennehmen. Und den Titel SW-Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 


01.07.2008

Urs Beer
IAA-President

Am Anfang Richard Strauss’ Siegerhymne «Also sprach Zaratustra» und zum Schluss eine Standing Ovation. Urs Beer konnte sich über die Zuwendungen nicht beklagen, die ihm von den Mitgliedern der IAA anlässlich der 45. Mitgliederversammlung zuteil wurden. 1989 war der langjährige Advico-Y&R-Werber dem Verband beigetreten, ein Jahr später wurde er Vorstandmitglied und 1998 übernahm er dessen Präsidium. Otto Meier, ebenfalls lange Jahre in der IAA, fiel die Ehre zu, die Laudatio für den ehemaligen Primarlehrer zu halten. In launigen Worten hob er die Qualitäten des inzwischen zum Past President mutierten Beer hervor und lobte sein Engagement und seinen enormen Einsatz. Ihm sei es zu verdanken, dass die IAA heute zum Aushängeschild mit internationalen Dimensionen geworden sei. Unter seiner Ägide ist die Mitgliederzahl des Clubs praktisch verdoppelt worden. Beer hat sich stets auch als Präsentator und Moderator hervorgetan: Als sich einmal ein Referent kurzfristig abmeldete, übernahm er spontan den Part des Entertainers und machte die GV zur Show. Der nunmehr abgetretene Präsident zeichnet auch verantwortlich für die überaus erfolgreichen und beliebten Study Tours, während welchen man manches Abenteuer erleben und vor allem interessante Kontakte knüpfen konnte. Für seine lobenswerte Leistung wurde Urs Beer zum IAA-Ehrenmitglied ernannt, ausserdem erhielt er ein Bild der Genauigkeits-Virtuosin Kira Weber. Bei soviel Ehr kann auch die SW nicht zurückstehen: Urs Beer ist der Kommunikator des Monats. Schade, dass er geht!

Piero Schäfer

 

01.08.2008

Peter Hürlimann
Kinobetreiber

Wie viele erfolgreiche Unternehmer verweilt Peter Hürlimann meist im Hintergrund. Man hört und liest nur wenig über den couragierten Kinobetreiber, der vor 20 Jahren mit der Lancierung des Kinos am See nicht nur Neuland betreten und Mut bewiesen, sondern eine ganze Reihe von ähnlichen Events initiiert hat. Dieses Jahr ist alles ein wenig anders: Kino am See feiert sein 20-jähriges Bestehen und für einmal musste der zurückhaltende Hürlimann das Mikrofon in die Hand nehmen und ein wenig aus der Schule plaudern. Seit damals, als die Veranstaltung sehr bescheiden und ohne Komfort für die Zuschauer erstmals stattfand, hat Hürlimann ein regelrechtes Imperium auf die Beine gestellt: Seine Lichtspieltheater, die mancherorts die Attraktion des Sommers darstellen, flimmern heute auch in Basel, Bern, Lausanne, Genf, Düsseldorf, Lissabon, Sydney, Brasilia, Rio de Janeiro und Sao Paolo. Doch damit nicht genug; Auch in Dubai, Abu Dhabi und Doha werden die über 300 Quadratmeter grossen Leinwände in Bälde hochgezogen. Wenn man bedenkt, dass jeden Sommer über 50\'000 Filmbegeisterte ins Zürihorn pilgern, dort vorher bei einem oder zwei Drinks und einem feinen Menue Kontakte knüpfen oder auffrischen, dann kann man mit gutem Gewissen behaupten: Das Kino am See ist die Kommunikationsplattform schlechthin. Und der sie erfunden hat, ein Kommunikator. Zumindest der SW-Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

01.09.2008

André Béchir
Konzertorganisator

72'000 kamen zum Konzert von Madonna nach Dübendorf, unter ihnen auch die ehemalige Bundesrätin Ruth Metzler und Altbundesrat Christoph Blocher. Und das Konzert war ein Erfolg, wie eigentlich alle Events, welche André Béchir veranstaltet hat. Und das waren immerhin rund 3000. Begonnen hat alles vor 36 Jahren, als der gelernte Eisenbetonzeichner die Good News Production AG gründete und Deep Purple in die Eishalle von Wetzikon brachte. Als Geschäftsführer engagierte er sich von der ersten Stunde an mit Leidenschaft für die Idee, Stars aus aller Welt für Auftritte in die Schweiz zu bringen. Die Visionen waren da, und die Ideen. Mit Durchhaltewillen und feinfühligem Verhandlungsgeschick gelang es André Béchir, nahezu alle Künstler von Rang und Namen in die Schweiz zu holen. Dennoch war Madonna eine besondere Herausforderung: Es brauchte drei Anläufe, um die Popdiva hierher zu bringen. Das ist eine besondere Leistung, welche dem 59-jährigen Béchir bereits zum zweiten Mal den Titel Europäischer Veranstalter des Jahres eingetragen hat. Wem es gelingt, eine Madonna in die Zürcher Provinz zu holen, der muss über ein ausserordentlich ausgeprägtes Kommunikationstalent verfügen. Mit dem Titel Kommunikator des Monats bedankt sich die SW für Béchirs Engagement. Ohne ihn hätten wir viele Künstler nie zu sehen bekommen. Merci André.

Piero Schäfer

 

01.10.2008

Urs Gossweiler
Verleger

Der Mann ist dermassen bekannt, dass es sogar auffällt, wenn er einmal fehlt: Die WerbeWoche meldete jedenfalls, dass Urs Gossweiler, ebenso umtriebiger wie unkonventioneller Verleger der Jungfrauzeitung, heuer dem Verlegerkongress fern geblieben ist. Möglich, dass ihn sein neuestes Projekt davon abgehalten hat. Gossweiler Media produziert nämlich eine Kochsendung. Und das nicht für irgendein bescheidenes Lokal-Programm, sondern für Pro 7. Gossweiler gelingt es immer wieder, die Branche zu überraschen. Mal mit einem putzfrechen Vortrag oder verblüffenden Aussagen in einer Diskussionsrunde. Seine Zeitung, die dereinst unverholen belächelt wurde, gilt heute als beispielhaft. Gossweilers Wort hat fachmännisches Gewicht. Bereits 2004 begann das Interlakener Verlagsunternehmen auf der Website der Zeitung eigene Web-TV-Inhalte auszustrahlen und lag damit vor den meisten seiner Konkurrenten. Insofern ist es nicht weiter erstaunlich, dass auch die Kochsendung sich wohlwollend von vergleichbaren Gefässen unterscheidet und ziemlich schräg daher kommt, was bereits der Titel «Funky Kitchen Club» andeutet. Funky ist aber nicht bloss die Sendung, die vom Best Swiss Gastro Award 2006 Träger René Schudel entworfenen Gerichte sind es ebenso. Oder haben Sie schon mal Treberwurst mit Taboulé und Wasabi-Sojasauce gekostet? Eben. Die SW vergibt zwar keine Koch-Awards aber immerhin den Titel Kommunikator des Monats. Und den hat Urs Gossweiler durchaus verdient.

Piero Schäfer

 

01.11.2008

Hanspeter Danuser
Kurdirektor

Er ist der geborene Kommunikator. Seine extrovertierte Art, sein Hang zum Ausgefallenen und Originellen und seine vielsprachige Eloquenz sind zugeschnitten auf den Job eines Tourismusfachmanns. 30 Jahre lang hat Hanspeter Danuser gewirbelt, mit Alphorn, Cleverness und spitzbübischer Freude St. Moritz zu einem starken Brand aufgebaut. Kein anderer Tourismus-Vermarkter hat sich dermassen deckungsgleich mit einem Ferienort identifiziert. Der 61-jährige hat aber auch wenig Rücksicht auf die Sensibilitäten der Region genommen, seine Dominanz, sein unvergleichliches Engagement haben ihm nicht nur Freundschaften eingetragen. Besonders in der Region fühlten sich viele überfahren. Dennoch: Wer Danuser, in seinem Element erlebt hat, wer seinen Esprit spürte und die Freude «sein» St. Moritz wie ein wertvolles Monument zu vermarkten, muss zugeben, dass es keinen Besseren gab. Danuser sprühte förmlich vor Ideen und spontanen Einfällen, und er verstand es, auch weniger Positives sofort in gutem Licht erscheinen zu lassen. Anlässlich einer Presseorientierung gab der begnadete Kommunikator ein Müsterchen seines Talentes: Dummerweise schien im Engadin nicht wie sonst meist die Sonne, sondern es goss wie aus Kübeln, es war grau und unfreundlich. Doch Danuser grinste und begrüsste die internationale Journaille mit den Worten: «Willkommen im Champagnerklima von St. Moritz». Ich fürchte, viele wissen nicht, was sie mit Danuser, der sein Amt Ende Oktober abgeben musste, verlieren.

Piero Schäfer, SW

 

01.12.2008

Markus Tellenbach
Internet-Unternehmer

Rund eineinhalb Jahre lang war es ruhig um Markus Tellenbach. Der Medienmanager aus Zollikon hat eine steile Karriere bei Robert Murdoch und Leo Kirch gemacht. Unter anderem war Tellenbach Chef von Premiere und Vox, und als Vorstandschef hat er den europäischen Fernseh- und Radiokonzern SBS zum Erfolg geführt. Im März 2007 trat er als Aufsichtsrat von SBS zurück. Danach hörte man nichts mehr von ihm. Bis im vergangenen September. Da wurde bekannt, dass Tellenbach die Convers Media Services in Zürich gegründet hat. Anlässlich eines von Personalvermittler Hans Hofmann organisierten «Media Hubs» präsentierte Tellenbach zwei neue Web-Magazine, welche aufzeigen, wie in Zukunft die Medien aussehen werden. Der erfolgreiche Medianmanager präsentierte vor einer staunenden Zuhörerschaft seine zwei als «Blätter-Magazin» bezeichneten Produkte InBeauty und InTravel, für welche in Berlin und München gegen 30 Journalisten tätig sind. Erfreulich für die anwesenden Vertreter der Verlagsbranche (unter Ihnen NZZ-CEO Albert P. Stäheli) war die Erkenntnis, dass es auch für das Internet vor allem Content braucht. Knowhow also, das in den Verlagshäusern durchaus vorhanden ist. Insofern seien die Printmedien in absoluter Poleposition. Als Überbringer dieser nicht unerheblichen Nachricht verleiht die SW dem umtriebigen Markus Tellenbach den Titel «Kommunikator des Monats».

Piero Schäfer, SW

 

01.01.2009

Peter Haag
Verleger

Das beworbene Büchlein «50 Erfolgsmodelle» hat einen durchaus zweckmässigen Inhalt. Es hilft strategische Entscheidungen im Alltag zu fällen. Wesentlich aufregender als der Content war freilich die Werbung, welche demonstriert, wie sich kommerzielle Kommunikation mitunter verselbständigen kann. Peter Haag, Inhaber des Verlagshauses Kein&Aber hatte die Courage, eine schlüpfrige und doppelseitige Anzeige der Werbeagentur Pius Walker bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Auftrag zu geben. Darauf waren Tipps zu lesen, wie man sich beim Sex rhetorisch am besten gebärdet. Die Anzeige war ein klassischer Teaser: Im Buch selbst steht über erotische Aktivität und deren verbale Untermalung kein Wort. Dennoch sorgte das Inserat für Aufregung: Bild bezeichnete das Werk als «geilste Anzeige des Jahres», was andere Medien zum Anlass nahmen, ebenfalls über die Reklame und das beworbene Produkt zu berichten. Derweil sich der FAZ-Geschäftsführer Tobias Trevisan bei seinen LeserInnen für den Fauxpas entschuldigte, sorgten andere Marktpartner für die nötige Verbreitung. Und Haag kann sich über enormes Interesse und grosse Publizität des Buches und seines Verlages freuen. Sein Ziel «eine Detonation zu veranstalten, die sich von selbst ausbreitet», hat er erreicht. Die kommunikative Wirkung war enorm. So gross, dass Peter Haag von der SW den Titel «Kommunikator des Monats» erhält.

Piero Schäfer, SW

 

01.02.2009

Dominique von Matt
Werber

Migros Werbung war in letzter Zeit ein häufig behandeltes Thema in den Medien. Dankbar nahmen vor allem die Branchen Newsletters die Kritik von Migros-Chef Herbert Bolliger auf und kolportierten dessen Aussagen genüsslich. Es kommt ja nicht allzu häufig vor, dass ein Firmenboss die eigene Werbung in die Pfanne haut Und dies obschon die Migros-Werbung traditionellerweise als mustergültig wahrgenommen wird. Vielleicht ist Bolligers Kritik in Zukunft obsolet: Sein Marketingmann Oskar Sager hat sich nach langwierigem Evaluationsverfahren entschieden und das Mandat für die Dachmarken-Kampagne der Agentur Jung von Matt/Limmat übertragen. Natürlich ist Geschäftsführer Dominique von Matt nicht allein verantwortlich für den Etatgewinn, sein persönliches Engagement dürfte aber zweifellos mit dazu beigetragen haben, dass der Auftrag in seiner Agentur gelandet ist. Und von Matt ist sich im Klaren, dass dieser Job anspruchsvoll sein wird. Die guten Wünsche und der Titel «Kommunikator des Monats» der Schweizer Werbung SW begleiten ihn dabei.

Piero Schäfer, SW

 

01.03.2009

Sabine Dahinden
Moderatorin

Naben den Weltmeistern Carlo Janka, Didier Cuche und Andreas Küttel haben wir jetzt auch noch Sabine Dahinden. Sie ist zwar nicht Beste in einer Sportdisziplin, aber «beste Moderatorin des deutschsprachigen Raumes». Sie selbst mag ebenso überrascht gewesen sein über diese Auszeichnung, wie all jene, die die Walliserin vorher gar nicht kannten. Die 40-jährige Newsfrau bei «Schweiz aktuell» hat den Lorbeer im Rahmen der Berlinale erhalten, und die versammelte Prominenz gratulierte auf YouTube der Schweizerin zu diesem Erfolg. Das Ganze scheint allerdings eine PR-Aktion des Fernseh-Senders Art-TV gewesen zu sein, denn weder werden Kriterien transparent gemacht, noch die weiteren Konkurrenten genannt. Als Argument wird lediglich kundgetan, dass Dahinden einen IQ von über 150 habe. Obschon sie sich zu den klügeren Moderatorinnen zählt, bezweifelt sie das allerdings selbst. Hintergrund ist wohl eher die Tatsache, dass Dahinden am 16. Mai die Gala zum fünfjährigen Bestehen des Kultursenders moderieren wird. Und da ist klar, dass die Veranstalter alles unternehmen, um der Welt kund zu tun, dass sie die beste Moderatorin engagiert haben. Wie auch immer: Eine solche Auszeichnung ist – auch wenn sie konstruiert ist – bemerkenswert und Anlass genug, Sabina Dahinden auch gleich noch als SW-Kommunikatorin des Monats zu feiern.

Piero Schäfer

 

01.04.2009

André Simonazzi
Regierungssprecher

Die Wenigsten wissen, was ein Regierungssprecher eigentlich so tut. Klar ist, dass er vor die Medien tritt, wenn der Bundesrat am Mittwoch Entscheidungen gefällt hat, die an die Öffentlichkeit gehören. Darüber hinaus koordiniert er die Kommunikation der sieben Departemente, und ausserdem betreut er die Internetseite des Bundesrates. Mit anderen Worten: Er muss die Haltung der Landesregierung dem Volk vermitteln. Am 1. April hat der Westschweizer André Simonazzi diesen Job übernommen. Der 40-jährige Walliser ersetzt den knorrigen Oswald Sigg, der das Amt dreieinhalb Jahre inne hatte. Simonazzi, ein ehemaliger Journalist und langjähriger Mitarbeiter von Caritas wird gleichzeitig Vizekanzler. Er wirkt zurückhaltend, charmant und ausgewogen und gehört nicht zu jenen, die vor allem sich selbst ins Rampenlicht stellen wollen. Sein Credo hat der Hobby-Geiger und Vater von drei schulpflichtigen Kindern der Musik entliehen: In der Kommunikation und beim Spiel mit einem Instrument komme es auf die Präzision und die Wahrheit an, erklärte er dem TA. Insofern nimmt man dem in Monthey aufgewachsenen Sprecher ab, dass er für die Landesregierung keine PR-Übungen veranstalten will. Und schon dafür kriegt er im Voraus Lob und den Titel «SW-Kommunikator des Monats».

Piero Schäfer

 

01.05.2009

Peter Hartmeier
Journalist

Fast sieben Jahre hat Peter Hartmeier die nicht ganz einfache Aufgabe gehabt, die wohl kantigste Zeitungsredaktion des Landes zu leiten. Und dies nachdem er vorher vor allem eher gleichgeschalteten Wirtschaftstiteln vorstand. Nicht wenige gaben dem charismatischen Schaffhauser kaum Chancen, die heterogenen Persönlichkeiten an der Werdstrasse auf eine kontinuierliche Linie zu führen. Doch der begabte Kommunikator, der verärgerte Leser jeweils persönlich besänftigt haben soll, strafte alle seine Kritiker Lügen. Zu den grossen Talenten des scheidenden Chefredaktors gehört zweifellos die Motivationskraft. Seine Argumente scheinen keinen Widerspruch zuzulassen, und seine Überzeugungsfähigkeit nahm manchem den Wind aus den Segeln. Hartmeier scheute sich auch nicht, klare Worte zu verwenden, und er engagierte sich mit markanten Kommentaren auch in unpopulären Themen. All diese Eigenschaften werden dem eingefleischten Journalisten, der stets auch ein Flair für kommerzielle Zusammenhänge hatte, zweifellos auch bei seiner neuen Aufgabe als Verleger zustatten kommen. Die Schweizer Werbung wünscht ihm dazu viel Glück und begleitet ihn mit dem Titel «Kommunikator des Monats» an den Start seiner neuen Aufgabe.

Piero Schäfer

 

01.06.2009

Armin Müller
Journalist

Wer sich, wie die Schweizer Werbung SW, für die Freiheit der Kommunikation engagiert, sieht sich ständig mit einer breiten Gegnerschaft konfrontiert. Neben den ideologischen Gruppierungen, in deren Augen die Wirtschaft und damit die Werbung des Teufels sind, gehört auch ein Grossteil der JournalistInnen zu den Befürwortern von Werbeverboten. Im Bestreben, die scheinbar von der raffinierten Werbung verführten Konsumenten schützen zu wollen, ergreifen sie gerne Stellung gegen die Werbung. Und verkennen dabei, dass sie Letzterer ihr Auskommen verdanken. Einer, der sich diesem leicht heuchlerischen Verhalten widersetzt, ist Armin Müller, stv. Chefredaktor der SonntagsZeitung. In einem forschen Kommentar, stellte er die Kausalität einer deutschen Studie in Frage, welche die Werbung für den Alkoholkonsum von Jugendlichen verantwortlich macht. «Man muss schon den gesunden Menschenverstand ausschalten, um die Werbung für den Alkoholmissbrauch verantwortlich machen zu können», schreibt der Journalist, der couragiert als einer der wenigen aus dem Reigen der gleichgeschalteten RedaktorInnen ausschert und damit nicht nur den Nagel auf den Kopf getroffen, sondern sich auch den Titel «Kommunikator des Monats» gesichert hat.

Piero Schäfer

 

01.07.2009

Marc Forster
Filmregisseur

Ist das nun Werbung oder schon Kunst? Wie hat man den Swiss-Film «LX forty» aus Sicht der kommerziellen Kommunikation einzuordnen? Ist das ein Spot für Swiss, oder doch eher einer für den Regisseur, Marc Forster? Die Meinungen gehen auseinander. Wie immer. Entscheidend ist wohl, dass «LX forty» anders ist. Statt auf klassische Kanäle setzt man auf Online, PR und Events. Und der Inhalt reflektiert kein Produkt, sondern die Gedankenwelt des Hollywood-Stars. Der von Forster geschriebene und selbst gesprochene Text geht unter die Haut, und hebt sich wohltuend von den Messages üblicher Commercials ab. Nur logisch auch, dass der Schweizer Regisseur als Darsteller auftritt und seine Gedanken selber artikuliert. Zusammen mit den wunderbar schönen Bildern, die in atemberaubender Kadenz Realität und Traum psychedelisch verbinden, wird das kommuniziert, was für Swiss erheblich ist: Swissness, Internationalität und Qualität. Wer sich von den Bildern des Streifens nicht angesprochen fühlt, gehört sicher nicht zu jenen Menschen, die träumen können. Marc Forster hat mit «LX Forty» eine andere Dimension in die Welt der Werbung gebracht. Die SW bedankt sich mit dem Titel «Kommunikator des Monats».

Piero Schäfer

 

01.08.2009

Markus Ruf
Werber

So müsste gute Werbung eigentlich immer sein. Sie ist nicht aufdringlich, man nimmt sie vielmehr wahr als ein ganz normales Ereignis im täglichen Leben. Und merkt erst nachher, dass das kommerzielle Kommunikation war. Zum konkreten Fall: Anlässlich der Premiere des Zürcher Openair Kinos im Seefeld verkündet eine streng und amtlich klingende Stimme, der Besitzer des Wagens mit der Autonummer ZH 221577 habe seinen Wagen ordnungswidrig parkiert und müsse das Gefährt umgehend entfernen. Ein Augenblick später springt ein Mann auf, hetzt zum Eingang verfolgt von tausend Augenpaaren und einem mitleidigen Lächeln. «Blödmann» denk wohl der eine oder andere, und ist noch nicht fertig mit dem Gedankengang, da flimmert auf der Riesenleinwand die werbeträchtige Belehrung: «Umsteigen lohnt sich – VBZ Züri Linie.» Heiterkeit und Applaus belohnen die ebenso simple wie überzeugende Idee. Applaus für einen Spot, wann gibt es das schon? Werbung kann so einfach sein. Man muss nur den richtigen Einfall haben. Markus Ruf ist im Besitz dieses seltenen Talentes und deshalb der SW-Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

01.09.2009

Hans-Rudolf Merz, 2009 Bundespräsident, 2003 - 2010 Bundesrat, Vorsteher des Eidg. Finanzdepartements

Wer in diesen Tagen Medien konsumiert, begegnet praktisch ununterbrochen einem Namen: Hans-Rudolf Merz. Der Bundespräsident, dessen Standfestigkeit nach seinem gesundheitlichen Einbruch mehr als erstaunt, ist je nach Standpunkt und Ereignis Held oder Clown.

Eifrige Politiker, Journalisten, Moderatoren und Experten äussern sich unablässig über das Verhalten und Vorgehen des Appenzellers im unappetitlichen Gerangel mit dem libyschen Diktator Muammar al-Ghadhafi. Erstaunlich milde Kritik von rechts, ungewohnt angriffige von links. Fast stündlich wechseln die Meldungen im Internet und praktisch im selben Rhythmus der Grad der Zustimmung oder Ablehnung. Auch wenn die Geschichte, was zu hoffen ist, gut ausgeht, die letzten Tage des Monats August 2009 wird Hans-Rudolf Merz so schnell nicht vergessen. Und auch wenn er es nicht gesucht hat, er wird als der am meisten erwähnte und am heftigsten gelobte respektive kritisierte Mann des Monats haften bleiben. Und als dieser kommt die SW nicht darum herum, Hans-Rudolf Merz zum Kommunikator des Monats zu wählen.

Piero Schäfer

 

01.10.2009

Jacques Pilet
Journalist

Es ist zwar in letzter Zeit etwas ruhiger geworden um Jacques Pilet, doch vergessen ist er nicht. Schon gar nicht in Frankreich. Das Komitee der Légion d’Honneur hat dem 65-jährigen Westschweizer Journalisten den Ritterorden verliehen. Ausgezeichnet werden damit zivile und militärische Verdienste, hervorragende Tugenden oder Leistungen. Pilet, der sich stets als Europäer sah, gehört zu den wenigen Romands, die keine Berührungsängste mit der Deutschschweiz haben. Als engagierter Journalist hat er nicht nur die Wochenzeitung l’Hebdo zum Erfolg geführt, sondern auch den qualitativ hochstehenden Nouveau Quotidien (ging später in Le Temps auf) aufgebaut. Pilet ist zweifellos einer der besten und profiliertesten Journalisten des Landes. Ausserhalb der Norm war er auch deshalb, weil er stets einen Funken Rebellion in sich trug, ein Wesenszug, den er auch nach der grossen Ehre nicht ablegte: Er sei nicht stolz, aber glücklich den Orden erhalten zu haben, meinte er, der sich Zeit seines Lebens weigerte, in Socialclubs einzutreten. Stolz oder nicht, verdient hat Pilet den Orden zweifellos. Die Schweiz kennt zwar keine Légion d’Honneur, dafür kann die SW ihn als Kommunikator des Monats auszeichnen.

Piero Schäfer

 

01.11.2009

Ivan Engler
Regisseur

Haben Sie seinen Film schon gesehen? Das Erstlingswerk «Cargo» des Winterthurers Ivan Engler ist ausgesprochen bemerkenswert. Zuschauer und Kritiker sind vor allem begeistert vom überwältigenden Look und dem Soundkostüm des Streifens. Man wähnt sich tatsächlich in einem Raumschiff. Über ein Jahr lang hat der 38-Jährige zusammen mit dem Designer Matthias Noger seine Raumstation am Computer virtuell erschaffen. Es ist diese ausgefeilte und akribische Machart, welche sogar bei den Profis in Hollywood auf positive Resonanz und grosses Interesse gestossen ist. Seitdem Englers Agent dort an den einschlägigen Adressen vorstellig geworden ist, erhält der Schweizer Regisseur fast täglich Anfragen von Produzenten. Das Brancheninteresse lässt sich nachvollziehen, wenn man weiss, dass Engler für die Realisierung seines Werkes lediglich drei Millionen Franken zur Verfügung hatte. Da kriegen seine Kollegen in den USA den Mund vor Staunen wohl nicht mehr zu. Und er sagt selbst: «Wenn die Leute sehen, was ich mit drei Millionen Budget geschaffen habe, ahnen sie, was mit dem Zehnfachen möglich ist». Auch wir ahnen das, und wählen deshalb Ivan Engler zum Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

01.12.2009

Dany Ryser
Fussballtrainer

Vor der Siegesserie der U-17-Mannschaft sprach kein Mensch von der Multikultitruppe, die sich fussballenderweise mit dem Schweizerkreuz auf der Brust erstmals ans Abenteuer Weltmeisterschaft gewagt hatte. Im feuchtheissen Nigeria wuchsen die Jungs dann über sich hinaus, reihten Erfolg an Erfolg, und mit jedem Sieg wuchs das Interesse der Medien für die Nachwuchsmannschaft. Spätestens nach dem Einzug in den Halbfinal eroberte das Team die Frontseiten der Tagespresse, und die TV-Quoten stiegen auf jene der A-Nationalmannschaft. Neben Talent und glücklicher Konstellation ist vor allem einer für den sensationellen Anstieg an Popularität verantwortlich: Der Trainer, Dany Ryser. Der schüchtern wirkende, 52-jährige ehemalige Lehrer aus Grenchen hat es verstanden, die jungen Talente taktisch und mental hervorragend zu konditionieren. Oder wie ein Kenner sagt, «Das Wesentliche des Fussballs hinüberzubringen». Das ist ihm hervorragend gelungen und mit dem Weltmeistertitel belohnt worden. Die SW gratuliert Ryser und würdigt sein kommunikatives Schaffen mit dem Titel Kommunikator des Monats.

Piero Schäfer

 

01.01.2010

Guillaume Morand
Besitzer einer Ladenkette und «Minarett»-Erbauer

Irgendwie hat er mit seiner Aktion die Abstimmung zur Minarett-Initiative fast schon ad absurdum geführt: Der Schweizer Guillaume Morand, Besitzer einer Schuhladenkette und – nicht Muslim – liess wegen seines Ärgers über den Ausgang der Abstimmung von anfangs Dezember ein Karton-Minarett auf dem Schornstein seines Firmengebäudes errichten. Und obschon sich die SW keinesfalls in eine gesellschaftspolitische Debatte einmischen will; was die Kommunikationsleistung dieser «Tat» angeht, dafür kann eigentlich nur der Geschäftsmann aus der Region Lausanne «Kommunikator des Monats» werden. Er habe mit seiner Aktion vor allem darauf aufmerksam machen wollen, dass ihm der Ausgang der Abstimmung nicht gefalle, zumal es, so liess sich Guillaume Morand verlauten, in der Schweiz keine Probleme mit Muslimen gibt. Es ärgere ihn jedoch, dass hierzulande aktiv um arabische Besucher geworben werde, damit diese ihr Geld im Land liessen. Handkehrum gefällt ihm offenbar nicht, dass im Gegenzug den muslimischen Bewohnern unseres Landes nicht die «gleichen Rechte zugestanden würden» wie den anderen Bürgerinnen und Bürger.

Was nun aber eben aus kommunikativer Sicht erstaunt und bemerkenswert ist, ist die Tatsache, dass Morand mit seiner spontanen Aktion eine gewaltige (Medien-)Lawine ausgelöst hat, was – obschon keine eigentliche Kommunikationsstrategie hinter Morands tun stand –, den Schweizer Unternehmer in die internationalen Medien brachte und ihm eine weltweite mediale Beachtung eingetragen hat, die auf konventionellem Weg nicht bezahlbar wäre. Damit hat er den Titel «Kommunikator des Monats» locker verdient.

Urs Schnider

 

01.02.2010

Endlich mal präsidial, Herr Lebrument!

Eigentlich hätten die Agenturen, welche sich am vergangenen Samstag ihre ADC-Würfel abholen durften, es verdient, zu «Kommunikatoren des Monats» gemacht zu werden (siehe auch «Kommunikations-Kommentar»). Aber da wir hier Einzelpersonen «auszeichnen» kommt ein Mann aus der Medienbranche zu Ehren: Hanspeter Lebrument, seines Zeichens Präsident Schweizer Presse und Verleger der Suedostschweiz. Dieser hat an der Dreikönigstagung vom 5. Januar endlich einmal eine präsidiale Ansprache hingelegt, nachdem er die letzten Jahre unverständlicherweise jeweils die Rolle als Unternehmer einnahm und über Befindlichkeiten in seinem Unternehmen sprach. Was die Zuhörer natürlich nicht interessierte, ja sogar befremdete und immer wieder Kopfschütteln auslöste. Weil es eben nicht die Aufgabe des Verlegerpräsidenten ist, auf seine ureigenen Bedürfnisse hinzuweisen, sondern «für seine Klientel», die Presse, zu sprechen. Und dies tat er dieses Jahr klar und deutlich. Er geisselte den Masochismus der Verleger, die jeweils an ihrem Jahreskongress einem Bundesrat oder einer Bundesrätin zujubeln, nachdem diese ihnen vorab furchtbar die Kappe gewaschen hatten.

Auch wenn diese Ernennung im Umkehrschluss eben heisst, dass die bisherigen Reden Lebruments seiner Rolle als Verlegerpräsident keinesfalls gerecht wurden; dieses Jahr hat er es gepackt – endlich, möchte man rufen – und seinen Kollegen aufgezeigt, dass es grotesk ist, einem bundesrätlichen Gast zu applaudieren, der einem zuvor an den Kopf geworfen hat, wie unsäglich unprofessionell doch die Schweizer Medien seien…

Urs Schnider

 

01.03.2010

Simon Ammann
Naturtalent

Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick prägte den Satz: «Man kann nicht nicht kommunizieren!» («Jedes Verhalten hat kommunikativen Charakter.»). Dies wurde dieser Tage wieder einmal sehr schön bestätigt. Von Skispringer Simon Ammann. Er ist offenbar nicht nur in seiner Sportart ein grosses Talent, sondern auch, was die Kommunikation angeht. Egal, ob man vom Skispringen etwas versteht oder nicht: Flimmert Simon Ammann über den Bildschirm, bleibt sogar manch ein Sportmuffel hängen. Und das liegt nicht nur an seiner – nun: sehr speziellen – Sonnenbrille, die er beim einen oder anderen Siegerinterview an den Olympischen Winterspielen in seinem freudestrahlenden Gesicht trug; nein es liegt daran, dass er sich nicht versteckt, sich selber ist und sich dabei nicht durch Mikrophone oder Kameras beirren lässt. Wie Ammann, nachdem er seine erste Goldmedaille an der Olympiade auf sicher hatte, Bundespräsidentin Doris Leuthard in die Arme nahm, war schon grosses Kino. Er sagte der ganzen Welt, ohne ein Wort zu verlieren: Ich bin überglücklich. Ich möchte meine Freude mit allen teilen. Und: Ich könnte die ganze Welt umarmen. Und wie ansteckend das ist – sprich: wie echt diese Botschaft, diese Kommunikation war, bestätigte Doris Leuthard gleich selbst. Sie machte nicht etwa auf staatsmännisch, sondern liess sich herzen…Man stelle sich vor, Barack Obama hätte sich im Zielraum aufgehalten und Lindsey Vonn wäre ihm – an all den Sicherheitsleuten vorbei(!) – um den Hals gefallen. Undenkbar.

Und was ist der Effekt des Ganzen? Bundespräsidentin Doris Leuthard sagte der Schweizer Illustrierten gegenüber: «Die Umarmung von Simon Ammann werde ich lange in Erinnerung behalten». Und dies wird wohl auch der halben Schweiz so gehen. Kann man besser kommunizieren? Seine Botschaft nachhaltiger platzieren?

Urs Schnider

 

01.04.2010

Martin Werlen
Abt

Es war das beherrschende Thema des Monats März, und es wird die Öffentlichkeit wohl noch einige Zeit beschäftigen: die Missbrauchsvorwürfe an die Katholische Kirche. Nun gab es auf Seiten der Beschuldigten unzählige Auftritte, die irgendwo zwischen hilflos bis arrogant schwankten. Wenige stechen dabei löblich heraus. Einer von ihnen wird Kommunikator des Monats März 2010: Abt Martin Werlen, Vorsteher des Klosters Einsiedeln. Nicht nur, dass er mutig und authentisch hinsteht und unangenehme Fragen sachlich und ehrlich beantwortet; in der Sendung «Duell Aktuell» auf Tele M1 forderte Werlen am 30. März zudem die Abschaffung des Pflichtzöllibats, was nach Kirchenrecht heute schon möglich sei. Martin Werlen, der sich Medien-Auftritte gewohnt ist und für diese auch immer wieder gelobt wurde, sagte in der Sendung: Nach dem Kirchenrecht der orientalischen Kirchen – es gibt zwei Kirchenrechte in der Römisch-Katholischen Kirche – sei es bereits heute möglich, als verheirateter Mann Priester zu werden. Und: Diese Regelung könne problemlos auf die westliche Kirche ausgedehnt werden. Mitten in der Krisenkommunikation selbstbewusst einen lösungsorientierten Vorschlag zu lancieren, das allein verdient den Titel.

Zudem: Abt Martin Werlen hat bereits mehrfach bewiesen, dass er und «sein» Kloster Einsiedeln auch auf moderne Kommunikationsmittel setzen. Dies wurde anfangs März belohnt: Die Stiftung Pro Kloster Einsiedeln (klosterplatz.com) hat in der diesjährigen Marketingtrophy in der Kategorie «Non-Profit-Organisationen «mit ihrer originellen und wirkungsvollen Online-Aktion zur Mittelbeschaffung für die Sanierung des Einsiedler Klosterplatzes» (Zitat Jury) den ersten Preis abgeräumt. Es gibt also gleich mehrer Gründe für diese Wahl…

Urs Schnider

 

01.05.2010

Doris Leuthard, 2010 mBundespräsidentin, Bundesrätin seit 2006, 2006-2010 Vorsteherin des Eidgenössischen Vorkswirtschaftsdepartements (EVD), 2010 - Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK)

Um es gleich vorwegzunehmen: Ja, Doris Leuthard war mit der Schweizer Werbung SW verbunden. Sie war von 2000 bis 2006 Präsidentin der Schweizerischen Lauterkeitskommission, dem Selbstkontrollorgan der kommerziellen Kommunikation, welches sich für lautere Werbung einsetzt. Wir lassen es uns jedoch nicht nehmen, Bundespräsidentin Doris Leuthard zur Kommunikatorin des Monats April 2010 zu ernennen. Würde ein Verband wegen politischer Rücksichtnahme etwas nicht tun, wäre wohl seine Existenzberechtigung in Kürze dahin.

Deshalb: Doris Leuthard ist Kommunikatorin des Monats April. Nicht etwa wegen ihres Lachanfalls, der sie in der Frühlingssession überkam, als sie die Antwort auf eine Frage von SVP-Nationalrat Ernst Schibli zu Pferdeprüfungen verlas – und sich eben vor Lachen nicht mehr halten konnte. Dafür erhielt sie ja bereits eine Nomination für den ersten «Swiss Humor Award». Und auch wenn Lachen als eine Form von Kommunikation durchgeht; die SW zeichnet Leuthard in einer ernsten Angelegenheit aus, bei der sie bewiesen hat, dass gute Kommunikation eben auch darin besteht, Unangenehmes anzusprechen. Dass dies schwieriger ist und mehr Kommunikationsfähigkeit – und Persönlichkeit – erfordert, zeigte sich Mitte April, als die Bundespräsidentin in Washington der Weltmacht USA an den Karren fuhr. Die Bundespräsidentin weilte dort an einer Verhandlungsrunde von 38 Staaten zur nuklearen Sicherheit und machte den USA klar, dass die eigentliche Bedrohung für den terroristischen Missbrauch von Nuklearmaterial nicht in erster Linie vom zivilen Bereich, sondern vom militärischen ausginge. «Und dort haben wir keine Kontrolle und keine Transparenz. Das ist ein Ungleichgewicht, das natürlich die Atommächte nicht anpacken wollen.»

Es hat uns wirklich gefallen, mit welchem Selbstverständnis Doris Leuthard ihre Botschaft angebracht hat. Andere hätten (oder haben) wohl eingeschüchtert ehrfürchtig lieber geschwiegen, als dieses Ungleichgewicht zwischen den Atommächten und kleineren, weniger mächtigen Staaten auf den Tisch zu bringen.

 Ja, auch Mut gehört zu guter Kommunikation. Mut, seine Botschaft konsequent anzubringen, wenn man sie als richtig erachtet – unabhängig von der Stellung der Adressaten.

Urs Schnider

 

01.06.2010

José Mourinho
Fussballtrainer

Er ist einer der erfolgreichsten und sicher auch prestigeträchtigsten Fussballtrainer der vergangenen Jahre. Und da eine der wichtigsten Fähigkeiten in seinem Job die Kommunikation ist, liegt es Nahe, ihn zum Kommunikator des Monats Mai zu ernennen:

José Mário dos Santos Félix Mourinho. In der abgelaufenen Saison hat er mit seinem bisherigen Verein Inter Mailand das Triple geschafft: Meisterschaft, Pokal und als abschliessender Höhepunkt die Champions League gewonnen.
Kein Wunder, dass der 47-jährige Portugiese begehrt ist. Verschiedene europäische Spitzenclubs wollten Mourinho verpflichten. Gelungen ist dies nun den «Königlichen» aus Madrid. Er soll dem in den letzten beiden Jahren arg gebeutelten Real Madrid wieder zu Titeln verhelfen. Das haben sich die «Königlichen» acht Millionen Euro kosten lassen, die sie als Ablösesumme nach Mailand überwiesen haben. Mourinho wird zwar nachgesagt, er sei ein Diktator, wenn man aber auf seine nachhaltigen Erfolge in den Topligen Europas blickt, und seine Aussagen in verschiedenen Interviews ernst nimmt, kann man nur zum Schluss kommen, da ist ein ganz grosser Kommunikator am Werk, der eben seine Spieler ernst nimmt, ihnen zuhört, ihre Stärken stärkt, aber auch klare Forderungen stellt und Erwartungen formuliert.

Urs Schnider

 

01.07.2010

Dr. Regula Stämpfli, Politologin

Anlässlich der Diplomfeier vom 25. Juni für die neuen Kommunikationsplanerinnen und Kommunikationsplaner sagte der Präsident der Prüfungskommission, Urs Schneider, SW-Vorstandsmitglied und Inhaber der Mediaschneider AG, «Die Zukunft der Kommunikation ist weiblich.» Schneider bezog dies auf die Tatsache, dass dieses Jahr über 80 Prozent der Absolvierenden dieser «wichtigen Berufsprüfung» Frauen waren. Nun, auch die Ernennung «Kommunikatorin des Monats» der Schweizer Werbung SW deutet darauf hin: Im Monat April war es Bundespräsidentin Doris Leuthard. Diesen Monat nun wird die Politologin, Buchautorin und Philosophin Frau Dr. Regula Stämpfli «Kommunikatorin des Monats» der Schweizer Werbung SW.
 
Der Grund hierfür ist einfach und damit klar: Dr. Regula Stämpfli ist wahrhaftig aus Überzeugung. Sie will sich nicht beliebt machen, sondern spricht Dinge an, die ihr ungerecht erscheinen. Sachverhalte, die in den Medien, von Politikern oder selbsternannten Experten falsch oder einseitig analysiert und kommentiert werden. Und zwar allen Widerständen zum Trotz. Sie nimmt in Kauf, dass auf Grund ihrer Wahrhaftigkeit (Medien-)Kampagnen gegen sie gefahren werden. Warum eigentlich? «Weil ich gar nicht anders kann, als für die Gerechtigkeit einzustehen», wie sie kürzlich an einer Veranstaltung des Zürcher Werbeclubs sagte.

Wahrhaftigkeit ist wohl das edelste Motiv für gute und nachhaltige Kommunikation. Wohl der wichtigste Grund, sich überhaupt zu etwas zu äussern. Und auch wenn man in der Sache nicht immer mit dieser wachen und klugen Frau einverstanden sein muss; diese Tatsache ist aus kommunikativer Sicht allemal zu estimieren, weshalb sie unsere Kommunikatorin des Monats Juni ist.

Urs Schnider

 

02.08.2010

Peter Felser
Werber

Die Ernennung zum Kommunikator des Monats der Schweizer Werbung fällt im Juli dem Werber und neuen Präsidenten von bsw leading swiss agencies zu. Dies würde sich ja alleine schon durch Felsers Arbeiten rechtfertigen – die ihm unter anderem im Jahre 2007 den Titel «Werber des Jahres» einbrachten.

 Allein: Felsers nüchterne Art zu kommunizieren, Dinge unaufgeregt anzusprechen und auf den Punkt zu bringen, gefällt. So hat der CEO von Spillmann / Felser / Leo Burnett etwa an einem Podiumsgespräch des Ostschweizer Werbeclubs dieses Jahr lapidar festgehalten, Werbung sei ein People-Business. Man müsse «Menschen gern haben» und sich auch eingestehen können, dass «wir eigentlich alle Verkäufer sind». Man müsse ja sich selber, die Ideen, die Strategien, die Agentur etc. immer wieder verkaufen. Wer das erkannt habe und umzusetzen verstehe, bringe bereits gute Voraussetzungen mit, um langfristig in dieser spannenden Branche bestehen zu können, so Felser.

 In einem Interview mit persönlich.com von diesem Juli sagte Felser: «Das Wirtschaftsleben ist keine Pony-Ranch. Unsere Branche wird auch in Zukunft stark gefordert. Ich glaube nicht, dass es einfacher wird. Ich bin allerdings optimistisch, dass sich die führenden Agenturen der Schweiz im schwierigen Umfeld – dank guter Qualität – auch in Zukunft durchsetzen können.»

 Der Werber und neue bsw-Präsident streicht die Qualität als Faktor für Nachhaltigkeit hervor. Da braucht man nichts mehr hinzuzufügen.

Urs Schnider

 

31.08.2010

Raymond J. Bär
Bankier

Die Ernennung zum Kommunikator des Monats August der Schweizer Werbung SW fällt dem Bankier und Verwaltungsratspräsidenten der Bank Julius Bär zu: Raymond J. Bär. Und zwar für ein Essay mit dem Titel «Die Schweiz, vom belächelten Auslaufmodell zur respektierten Ausnahme». Der Text, der in einer Publikation der Bank erschien, aber auch von verschiedenen Medien auszugsweise publiziert oder redaktionell behandelt wurde, ist eine Analyse zum Zustand unseres Landes, zu seinen Besonderheiten, zum politischen System und seinen Vorzügen, aber auch ein Aufruf dazu, hinzustehen und den Respekt für diese Ausnahme selbstbewusst einzufordern. Dabei wird in einer klugen Argumentationskette mit historischen und wirtschaftlichen Fakten sowie kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen aufgezeigt, warum die Schweiz ist wie sie ist. Und dass ihr (Ausnahme)Weg keinen Vergleich zu scheuen braucht.

Die Würdigung der Kommunikationsleistung ist einfach: Raymond J. Bär hat etwas zu sagen, hat eine Botschaft, die er mit diesem Essay intelligent und gleichzeitig unaufgeregt darlegt. Abseits von Klischees, auch wenn im Text auf witzige Weise mit ihnen gespielt wird. Das macht ihn leicht lesbar. Auf weiten Strecken ist er ein Genuss. Das beginnt bereits beim Einstieg: «Die Schweizerische Eidgenossenschaft entzieht sich einem einfachen Verständnis. Zwei Gebirgsketten (Alpen und Jura), vier Sprachen und 320 Sorten Käse auf engem Raum suggerieren eine irritierend komplizierte geographische, kulturelle und kulinarische Vielfalt. Die Suche nach dem gemeinsamen Nenner abseits der gelben Postautos, der Tarnanzüge der Armee und der Migrosläden fällt häufig ernüchternd aus: «La Suisse n’existe pas», schrieb der Künstler Ben Vautier 1992 auf den Schweizer Pavillon der Weltausstellung in Sevilla. Kein liebenswürdiger Befund für ein altehrwürdiges Land, das erst ein Jahr zuvor (1991) ausgiebig seine Gründung vor damals 700 Jahren gefeiert hatte (…).

Und letztlich wurde die Botschaft in den Medien (und von der SW) multipliziert. Was kann ein «Kommunikator» mehr wollen?

Der ganze Text findet sich unter folgendem Link und wird allen an diesem Land Interessierten wärmstens zum Lesen empfohlen: Essay Raymond J. Bär

http://www.juliusbaer.ch/htm/1120/de_CH/Die-Schweiz,-vom-belaechelten-Auslaufmodell-zur-respektierten-Ausnahme.htm?Article=21451&ArticleReturn=986

Urs Schnider

 

01.10.2010

Karl Lüönd
Journalist

Manchmal, an Veranstaltungen, wie sie halt so stattfinden in unserer Branche, kann ein Moderator ganz schön nerven. Viele hören viel zu gerne, wie sie ihre Fragen formulieren oder freuen sich mit roten Ohren über Szenenapplaus, den sie sich mit einem trivial-billigen Spruch gepflückt haben. Manchmal kann aber eine gute Gesprächsleiterin eine dröge Veranstaltung retten, weil sie professionell agiert und (ergo) die «richtigen» Fragen stellt – wenigstens aus journalistischer Sicht. Und manchmal engagieren die Veranstalter einfach den Publizisten Kari Lüönd. Buchautor, Jäger, kluger, wacher Publizist, der hartnäckig, aber mit Charme, unbestechlich, aber respektvoll, witzig, aber nicht anbiedernd, fundiert, aber nicht ausufernd sich und seine Aufgabe in den Dienst der Sache stellt. Und nicht die Sache in seinen Dienst. Ich meine, wir alle wissen schon lange, dass Kari Lüönd – eine Marke in der Kommunikationsbranche –, unschlagbar ist, wenn es ein Interview zu führen gibt, das seinen Namen verdient. Oder als Moderator nicht nur den Überblick behält und Zusammenhänge flott aufzeigt mit einem auf den ersten Blick «lustigen Spruch», der sich nach ein, zwei Sekunden als präziser Strich mit der feinen Klinge entpuppt. Oder dem Wissen und der Erfahrung aus Jahrzehnten entspringt.

Kari Lüönd sagt, was auf der Bühne passiert, anstatt sich auf die Bühne zu stellen (auch wenn er da oben steht). Und das ist gut so. Einmal mehr gezeigt hat er dies am Verlegerkongress in Pontresina, wo er den ägyptischen Unternehmer Samih Sawiris in die Mangel nahm…

Wir wissen es schon lange, nun erwähnen wir es explizit: Karl Lüönd ist ein Kommunikator. Für die SW jener des Monats September 2010.

Urs Schnider

 

01.11.2010

Dieter Meier und Boris Blank
Musiker

Dieter Meier und Boris Blank lernten sich gemäss Bandbiografie 1979 in einem Plattenladen in Zürich kennen. Damit wurde die Basis gelegt für eine beispiellose Karriere, in deren Verlauf sie von der Schweiz aus die ganze Welt eroberten. Dieser Tage erscheint ihr neustes Werk \"Yello by Yello - The Anthology 1980-2010», just zum 30-Jahr-Jubliäum. Und die beiden Musikschaffenden zeigen einmal mehr, dass sie (auch heute noch) zu den visionären Köpfen der Musikwelt gehören. Die Box enthält neben der «Singles Collection 1980 – 2010» zusätzlich die Doppel-CD The Anthology. Auf Ihr haben Dieter Meier und Boris Blank die für sie ganz persönlich wegweisenden Yello-Tracks der letzten 30 Jahre zusammengefasst. So entstand «eine Art akustischer Biographie, in der man die musikalischen Entwicklungsstadien Yellos als Sammlung kreativer Schlüsselmomente nachvollziehen kann» (Produktebeschrieb Amazon). Zusätzlich gibt’s drei neue Songs, und die «The Anthology Box» enthält eine DVD mit allen wichtigen Yello-Videos sowie ein 48-seitiges Booklet mit raren Fotos und persönlichen Anmerkungen und Kommentare von Yello zu den einzelnen Stationen ihrer Karriere.

Und dass die beiden als Kommunikatoren des Monats locker durchgehen, ist natürlich der Tatsache zu verdanken, dass Musik als internationale «Sprache» Kommunikation pur ist und ihre Musik in Hunderten von Werbespots eingesetzt wurde, wie sie in einem Interview mit persoenlich.com sagten. Zum Teil hätten sie auch Musik speziell für gewisse Produkte gemacht. «Wir haben grossen Spass daran, Musik für Werbung zu machen», so Meier, denn letztlich sei ja alles irgendwie Werbung.

Urs Schnider

 

01.12.2010

Felix Schaad
Karikaturist

Seit dem 1. Juni 2005 ist Felix Schaad Hauskarikaturist beim Zürcher Tages-Anzeiger. Und was der Mann Tag für Tag abliefert, ist grosses Kino. Da «kommentiert» einer das Tagesgeschehen der Welt mit ein paar Strichen und bringt in den allermeisten Fällen wunderbar auf den Punkt, was Texte meist nicht schaffen. Wäre Schaad ein Werber – was er streng genommen (auch) ist –, er könnte sich eine Staumauer basteln mit all den ADC-Würfeln, mit denen er überhäuft würde.

Eine der wichtigsten Aufgaben einer Karikatur, so Schaad, sei, dass sie zum Lachen reize und gleichzeitig einen möglichst intelligenten Unterbau aufweise. Zudem sagt Schaad zur Funktion einer Karikatur: «Eine Karikatur muss den Menschen aus dem Herzen sprechen und eine Ventilfunktion haben. Die Leute müssen sagen, der bringt’s aber auf den Punkt.»

Auf den Punkt bringen. Kommunikation bringt auf den Punkt. Felix Schaad bringt auf den Punkt. Und das tut er virtuos und intelligent und hellwach und überraschend. Drum ist er unser Kommunikator des Monats.

Der 49-jährige Zeichner Felix Schaad arbeitet als selbständiger Grafiker, Art Director, Illustrator und Comiczeichner in Winterthur (und hat keine eigene Website).

 

01.01.2011

Tom Gisler, Moderator (und Geldeintreiber)

Vor rund 12 Monaten schnödete ich an dieser Stelle, also genauer im Kommentar zur Kommunikation: «Langsam nervt das! Denn bereits Wochen vor dem eigentlichen Start wurde die Sammelaktion gegen die Malaria von DRS, SF und der Glückskette auf dem Sender «beworben» – gefühlt alle zehn Minuten. Das stellte die nervigen «Station-IDs» vieler Formatradios locker in den Schatten.»

Finde ich natürlich immer noch – allein: Das Faszinierende an der Aktion ist ja, dass sie einen in ihren Bann zieht. Und das liegt natürlich zu einem grossen Teil am Moderatorenteam, das ganze Arbeit geleistet hat. Und verdient hätte der ganze «JRZ»-Trupp einen Preis…

Wir ernennen stellvertretend DRS3-Moderator Tom Gisler zum Kommunikator des Monats Dezember 2010. Denn wie er dem Milliardären Samih Sawiris das Geld aus der Tasche zog, war schon klasse. Auf den ersten Blick verwegen, fragte Gisler während des Telefongesprächs mit dem charmanten Unternehmer, ob er vielleicht auch noch seine Brieftasche zücken und einen Batzen für die Aktion beisteuern würde. Und Gisler erklärte später, er habe gedacht, wenn er ein paar Hunderter hinlegen würde, wäre dies ja schon super – Sawiris sagte dann, er werde den Spendenbetrag am Ende der Aktion um 20 Prozent erhöhen. Das waren dann rund 1,5 Millionen Franken, die Gisler mit einer einfachen Frage abholte. Natürlich liegt das an der Grosszügigkeit Sawiris. Aber manch einer hätte sich kaum getraut, die Frage zu stellen. Dabei war das nur Kommunikation in Reinkultur: Auch vermeintlich unangenehme Fragen zu stellen. Das kann sich echt lohnen.

Urs Schnider

 

01.02.2011

Emna Ben Jemaa
Uni-Dozentin und Journalistin

Sie sind gut ausgebildet und gut vernetzt. Viele von ihnen sind Studenten. Und sie demonstrieren. Eine junge Generation hat in Tunesien mit Hilfe neuer Kommunikations-Kanäle wie Twitter, Facebook etc. die «Jasmin-Revolution» in Gang und die Regierung zu Fall gebracht. Und die Macht der Kommunikation, des Wissens, bringt nun weitere Regierungen in anderen arabischen Ländern in Bedrängnis. Ohne hier eine politische Wertung oder Einschätzung vornehmen zu können: Es ist schlicht gewaltig, was derzeit dank moderner Kommunikationsmittel geschieht, und was wir dank Kommunikation miterleben können. Man ist an die Erfindung des Buchdrucks gemahnt und was er letztlich auslöste: Aufklärung, Reformation, Demokratie. Was damals ohne Bücher nicht möglich gewesen wäre, ist heute ohne Internet, Handy etc. nicht denkbar.

Allein: Es braucht mutige Menschen wie einen Martin Luther, welche die Kommunikationsmittel einsetzen, um Macht zu brechen. Macht, die nur durch Zensur «funktionieren» kann. Durch Zensur der Informationen. Weder «Inquisition» noch andere Diktaturen konnten ihre Macht auf Dauer aufrechterhalten, sobald Wissen und Informationen frei verfügbar wurden.

So wird derzeit einmal mehr Geschichte geschrieben – und zwar in erster Linie dank moderner Kommunikationsmittel. Und weil es beherzte Menschen gibt, welche sich Informationen beschaffen, Botschaften weitergeben, und die Wissen schaffen. Stellvertretend für diese unerschrockenen Menschen in Tunesien, Ägypten und anderen Ländern ernennen wir deshalb Emna Ben Jemaa zur Kommunikatorin des Monats. Die 33-jährige Ben Jemaa ist Dozentin an der privaten Time-Universität in Tunis, Tunesien, und arbeitet als Journalistin. In Blogs, auf Facebook und auf Twitter hat sie zusammen mit weiteren Mitstreitern das getan, was nun eben den Beginn eines neues Kapitels der (Demokratie-)Geschichte auslöste: Sie hat kommuniziert.

Urs Schnider

 

01.03.2011

Nadine Borter
Werberin (des Jahres)

Satte 35 Prozent Wähleranteil. Da gibt es nichts herumzudeuteln. Nadine Borter wurde von der Leserschaft des Branchenmagazins «Werbewoche» zur Werberin des Jahres gewählt. Wir ziehen den Hut, und pfeifen auf einen allfälligen Zacken, der uns eh nicht aus der Krone fallen kann, weil wir keine haben. Und so doppeln wir mit der Ernennung zur Kommunikatorin des Monats Februar nach. Auch liegt es uns so was von fern, uns mit fremden Federn zu schmücken, drum sagen wir es klar und deutlich: Nadine Borter hat die Berufsprüfung zur Kommunikationsplanerin sowie zur Eidgenössisch diplomierten Kommunikationsleiterin ganz alleine absolviert, das hat nix damit zu tun, dass diese von der Schweizer Werbung SW ausgerichtet werden.

Sehr geehrte Frau Borter: herzliche Gratulation.

Wenn man in den Blätterwald blickt, wird eh klar, dass Nadine Borter Werberin aus Leidenschaft ist. So ist in einem Artikel auf tagesanzeiger.ch zu erfahren, dass, «wer mit ihr zusammen gearbeitet habe, als Erstes ihr enormes Fachwissen und ihre Fähigkeit, die Leute zu motivieren anerkenne». Und Borter erklärt im Artikel auch gleich, warum das wohl so ist: «Ich bin eine Herzblutwerberin. Konzeptionelles und komplexe Fragestellungen interessieren mich einfach.»

Das ist ein Satz, nicht? Ein richtiger Gegensatz. Auf den zweiten Blick gar ein mehrfacher Gegensatz. Und nach dem dritten gibt es nichts mehr hinzuzufügen.

Urs Schnider

 

01.04.2011

Danielle Lanz
Werberin

Die Werbeagentur Ruf Lanz wurde 2010 vom Art Directors Club Schweiz zum zweiten Mal in Folge zur Agentur des Jahres gewählt. Und an der APG-Poster-Night von Ende März war die Agentur von Danielle Lanz und Markus Ruf (einmal mehr) die grosse Abräumerin: Neben einem Silber-Award gab es zweimal Gold – einmal den «Hauptpreis», den Swiss Poster Award, für «die unheilige Allianz», das Plakat der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), auf welchem die beiden Nationalräte Daniel Jositsch (SP) und Christoph Mörgeli (SVP) ziemlich genervt wirkend nebeneinander im Tram sitzen. Der Claim dazu, mit dem die VBZ für die hohe Haltestellendichte im Zürcher Verkehrsnetz wirbt: «Zum Glück gibt’s in Zürich alle 300 Meter eine Haltestelle».

Persönlicher Favorit des Schreibenden war allerdings das Plakat für die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt SUVA, Luzern, «Kein Alkohol bei Fussball-Grümpelturnieren», bei welchem zwei Fussbälle auf einem «Rasen» aus grünen Glasscherben zu sehen sind. Schlicht brillant bezüglich Idee, Einfachheit und Umsetzung, wie wir finden.

Da wir hier jedoch nicht Agenturen, sondern Personen zu Kommunikatoren des Monats ernennen, sei für den Monat März stellvertretend für die ganze Agentur Ruf Lanz, Mitinhaberin Danielle Lanz zur Kommunikatorin des Monats März ernannt. Herzliche Gratulation.

Urs Schnider

 

04.05.2011

Jaromir Löffler
Journalist und Musiker

Während 20 Jahren war Jaromir Löffler für die Fachzeitschrift «Marketing & Kommunikation» tätig; als Chefredaktor hat er den Titel geprägt. Ein Journalist, der sich voll und ganz der Kommunikation verschrieben hat. Für die letzte Ausgabe des «M&K» hat sich Jaromir Löffler sogar auf den Kopf gestellt. Nun tritt er mit 63 Jahren in den Ruhestand. Es ist also höchste Eisenbahn, dieses Engagement zu würdigen. Aber weil das mit ein paar Zeilen nicht möglich ist, ernennen wir Jaromir Löffler zum Kommunikator des Monats April 2011.

Das «M&K» ist offizielles Publikationsorgan der Schweizer Werbung SW. Hier war die Zeit der Zusammenarbeit für den Schreibenden zwar kurz; aber bereits in meinem früheren Berufsleben durfte ich «Jaro» als Mitkonkurrent im Bereich der Fachmedien als professionellen Charakterkopf und immer fairen Mitbewerber kennenlernen.

Kommunizieren wird «Jaro» aber auch nach der Zeit bei «M&K»: Der leidenschaftliche Musiker wird sich nun vermehrt seiner Band widmen können, die sich im Bereich Soul und Jazz bewegt. Und Musik ist sicher eine der direktesten und vielleicht ehrlichsten Arten zu kommunizieren. Man wird also auch künftig mit Jaromir Löffler kommunizieren, «in Verbindung sein», können.

Urs Schnider

 

02.06.2011

Walter Merz
ehemaliger BSW-Geschäftsführer

Während zwölf Jahren und fünf Monaten war Walter «Walti» Merz als Geschäftsführer beim Verband der führenden Werbe- und Kommunikationsagenturen der Schweiz, bsw leading swiss agencies, tätig. Mitte Mai hatte er seinen letzten Arbeitstag und übergab die Geschäfte an seinen Nachfolger Peter Leutenegger. Leutenegger war notabene einer der insgesamt acht Präsidenten und zwei Präsidentinnen, welche in der «Ära Merz» dem BSW vorgestanden sind.

Walter Merz versteht es, in seiner diplomatischen und gelassenen Art manch eine Diskussion in sachliche Bahnen zu lenken. Nicht zuletzt beim BSW selbst, wo es – wie bei manchem Verband – galt, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen.

Neben dem 75-Jahr-Jubiläum, welches der BSW im letzten Herbst begehen konnte, darf die Aufnahme der Media-Agenturen in den BSW als einer der Mile-Stones genannt werden, welcher in die Zeit von Walter Merz fallen.

Ein erfrischend gelassener und gewinnender Branchenkollege, der es natürlich verdient hat, Kommunikator des Monats zu werden. Zu welchem wir ihn hiermit ernennen und dem wir für die Zukunft nur das Beste wünschen. Und wir sind froh, dass Walter Merz der Branche erhalten bleiben wird. Er lotet nämlich derzeit aus, wo es in der kommerziellen Kommunikation Herausforderungen gäbe, die ihn reizen würden.

Urs Schnider

 

01.07.2011

NZZ Folio
Monatszeitschrift

Verglichen mit der «alten Tante», ist das NZZ Folio mit seinen zarten 20 Jährchen, die es im August werden wird, natürlich ein Jungspund – oder eine Jungspündin? Und die knapp 230-jährige Neue Zürcher Zeitung ist eigentlich gar nicht deren Tante, sondern eher so etwas wie die Mutter des «Folio» oder die Geburtshelferin. Aber es geht hier nicht um Geburtstage, sonst würden wir selbstverständlich auch die Handelszeitung erwähnen. Und die Schaffhauser Nachrichten, welche beide dieses Jahr 150 werden, wozu wir bei dieser «Gelegenheit» natürlich trotzdem und sehr herzlich gratulieren.
 
Und weil wir schon dabei sind, gratulieren wir eben auch dem jungen NZZ Folio zum runden Geburtstag. Und wir ernennen es gleichzeitig zur Kommunikatorin des Monats Juni. Und dies keinesfalls, weil es irgendwie ein wenig im Schatten der ehrwürdigen «alten Tante» steht, oder sein 20. Geburtstag in ein Jubeljahr von weiteren gewichtigen Publikationen fällt. Nein. Sondern weil das Folio zeigt, dass auch Junge Tiefgang und Niveau haben. Und dass die Jungen – hier mag der Vorteil der Jugend liegen – diesen Tiefgang in vielen Fällen frischer, überraschender und unbekümmerter vermitteln. Schauen Sie sich nur das «Editorial» der Juni-Ausgabe an … (NZZ-Editorial, Juni 2011)

http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/b8c3e264-2cc9-461c-8037-67d8289acaf0.aspx

Urs Schnider

 


01.08.2011

Stephanie Rupp
Löwenerlegerin

Von insgesamt sieben Löwen, welche dieses Jahr am weltweit wichtigsten Treffen der Werbebranche in Cannes Schweizer Agenturen zugesprochen wurden (siehe auch Kommentar zur Kommunikation), gab es dieses Jahr nach zehn Jahren erstmals wieder einen Goldlöwen für die Schweiz. Diesen holte die Agentur Saatchi&Saatchi in der Paradedisziplin «Film». Der «Lion d′Or» wurde für die Werbefilm- Kampagne vergeben, welche Saatchi & Saatchi für Novartis Consumer Health und deren Nasenspray «Otrivin» realisiert hat. Diese besteht aus den beiden Spots «Classroom Craft» und «Shoe Laces». Verantwortliche für die Kampagne ist Stephanie Rupp, Global Account Director von Saatchi&Saatchi Genf. Die Schweizer Werbung SW ernennt Stephanie Rupp deshalb stellvertretend für das ganze Team von Saatchi & Saatchi Schweiz, welches an der «Goldlöwen-Kampagne» mitgewirkt hat, zur Kommunikatorin des Monats Juli 2011.

Herzliche Gratulation.

Urs Schnider

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